Aktualisiert

Neues KonzeptSchulkinder lernen, wann und was immer sie wollen

Eine Schule ohne Zwang und dafür umso mehr Selbstverantwortung: Ein neues Unterrichtsmodell soll in Bern Schule machen.

von
Mira Weingartner
Ab 2018 sollen Berner Schulpflichtige die Sudbury-Schule besuchen können.

Ab 2018 sollen Berner Schulpflichtige die Sudbury-Schule besuchen können.

Keystone/Anthony Anex

Kein Lehrplan, keine Klassen und kein Unterricht oder Noten: Was nach einer Utopie klingt, soll in Bern bereits 2018 Realität werden. Bis dahin will sich in der Region eine Sudbury-Schule etablieren, von denen es weltweit erst 50 gibt. «Das Schulkonzept ist revolutionär», so die Berner Initianten Stefan Bittner und Isabelle Rieder. «Die Kinder und Jugendlichen übernehmen die volle Verantwortung für ihre eigene Bildung.» Im Jahr 2018 sollen die ersten Kinder in seinen Schulzimmern büffeln. Anfänglich werden dort rund 20, später 80 Kinder nach dem aus den USA stammenden Prinzip unterrichtet.

Das demokratische Schulkonzept aus dem Jahr 1968 will die Bildungslandschaft im Kanton aufmischen, steht es doch im klaren Kontrast zum gegenwärtigen Schulsystem: Referierende Lehrer gibt es an der Tagesschule nur auf Anfrage. Das Alter der Schüler ist durchmischt; vom Kindergärtler bis hin zum Maturanden werden alle aufgenommen. Sie sind frei, ihren Tagesablauf selbst zu bestimmen. «Zuckerbrot und Peitsche wird es an unserer Schule nicht brauchen – Kinder sind wissbegierig genug, sich selbst zu fördern», so der zweifache Familienvater Bittner. Spätestens mit neun Jahren lese und schreibe jedes Sudbury-Kind, zeige eine Studie der Schule.

Schule auf der Suche nach Spendengeldern

Eltern und Lehrpersonen würden bereits heute Interesse an der Schule bekunden. Bittner: «Die Nachfrage ist gross, denn viele Leute sind mit dem heutigen Schulsystem unzufrieden.» Dennoch müssen Interessenten noch vertröstet werden. Das Projekt Sudbury-Schule Bern steckt erst in den Kinderschuhen. Im Patronatskomitee sitzt aber der renommierte Entwicklungsexperte Remo Largo.

Für den Start und die Sicherung der ersten beiden Jahre braucht die Institution 300'000 Franken. Bittner, der beruflich in der Fundraising-Branche tätig ist, weiss um die Schwierigkeiten: «Geld für Kinder aufzutreiben, die eigentlich auch eine normale staatliche Schule besuchen könnten, ist aufwendig.» Die Initianten hoffen auf Grossspender, denn Sponsoring ist zentral: Da der Kanton Bern der Schule keine Subventionen zahlt, wären die Kosten der Privatschule für Eltern kaum tragbar. Gerechnet wird mit einem durchschnittlichen Schulgeld von 1000 Franken pro Schüler und Monat.

Um der Realisierung der Berner Privatschule näher zu kommen, trifft sich das Gründer-Komitee am Wochenende zur Klausur. Nebst der finanziellen Herausforderung sind die Initianten auch noch auf der Suche nach einem Schulhaus. Auch dieses soll nicht konventionell daherkommen: «Es darf durchaus eine Villa Kunterbunt am Waldrand sein, mit Platz für Kleinvieh und Garten.» Ideen holen sich die Berner von einem ähnlichen Basler Konzept: Auch die freie demokratische Tagesschule Fokus in Bottmingen funktioniert nach dem Sudbury-Modell.

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