Kreisschule Aarau AG - Schulkinder ohne Zertifikat dürfen nicht ins Lager – sie müssen in den Unterricht
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Kreisschule Aarau AGSchulkinder ohne Zertifikat dürfen nicht ins Lager – sie müssen in den Unterricht

In einem Brief an die Eltern verkündet die Kreisschule Aarau-Buchs, dass eine 3G-Zertifikatspflicht für die Teilnahme an Schullagern eingeführt wird. Kinder, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind, müssen in den regulären Unterricht.

von
Christina Pirskanen
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Die Kreisschule Aarau-Buchs kündigt eine Zertifikatspflicht für die Teilnahme an Lagern und Schneesportlagern an. 

Die Kreisschule Aarau-Buchs kündigt eine Zertifikatspflicht für die Teilnahme an Lagern und Schneesportlagern an.

20min/Simon Glauser
Teilnehmende Kinder ab der fünften Klasse und erwachsene Begleitpersonen müssen somit einen Nachweis für eine Impfung, eine Genesung oder einen Antigen-Schnelltest erbringen.

Teilnehmende Kinder ab der fünften Klasse und erwachsene Begleitpersonen müssen somit einen Nachweis für eine Impfung, eine Genesung oder einen Antigen-Schnelltest erbringen.

20min/Simon Glauser
Rechtsanwalt Livio Bundi von der Anwaltskanzlei Bratschi: «Die Kreisschule Aarau-Buchs dürfte zum Erlass dieser Massnahme im Kanton Aargau nicht zuständig sein, sondern der Kantonsarzt.»

Rechtsanwalt Livio Bundi von der Anwaltskanzlei Bratschi: «Die Kreisschule Aarau-Buchs dürfte zum Erlass dieser Massnahme im Kanton Aargau nicht zuständig sein, sondern der Kantonsarzt.»

Privat

Darum gehts

  • An der Kreisschule Aarau-Buchs gilt nun für Schullager eine 3G-Zertifikatspflicht.

  • Teilnehmende Kinder müssen einen Nachweis für eine Impfung, eine Genesung oder einen Test erbringen.

  • Laut Rechtsanwalt dürfte diese Massnahme nur in Absprache mit der dafür zuständigen Stelle getroffen werden.

  • Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz und ein Infektiologe begrüssen die neuen Corona-Massnahmen für die Schullager.

Die Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB), welche Kindergarten-, Primarstufen- und Oberstufenklassen betreut, verkündete gestern in einem Brief an die Eltern, dass für Schullager eine 3G-Zertifikatspflicht eingeführt wird. Teilnehmende Kinder ab der fünften Klasse und erwachsene Begleitpersonen müssen somit einen Nachweis für eine Impfung, eine Genesung oder einen Antigen-Schnelltest erbringen. Schülerinnen und Schüler, die keinen Nachweis erbringen, nehmen nicht an Lagern teil und besuchen den regulären Unterricht.

Ein besorgter Vater wies 20 Minuten auf den Brief der KSAB hin und wunderte sich: Ist das überhaupt erlaubt? Rechtsanwalt Livio Bundi von der Anwaltskanzlei Bratschi sagt dazu: «Die Kreisschule Aarau-Buchs dürfte zum Erlass dieser Massnahme im Kanton Aargau nicht zuständig sein, sondern der Kantonsarzt, beziehungsweise die Kantonsärztin, oder sogar der Regierungsrat» (siehe Box).

Nur: Die ehemalige Aargauer Kantonsärztin Yvonne Hummel hat ihren Posten im Juli verlassen, ihre Stelle ist immer noch ausgeschrieben. Stattdessen decken nun die beiden Chefinfektiologen der Kantonsspitäler Aarau und Baden, Christoph Fux und Andrée Friedli, den epidemiologischen Verantwortungsbereich ab.

Darf die Schule solche Massnahmen festlegen?

«Das Epidemiengesetz sieht vor, dass die zuständigen kantonalen Behörden zur Verhinderung und Verbreitung übertragbarer Krankheiten etwa Schulen schliessen oder Vorschriften zum Betrieb von Schulen verfügen können», sagt Anwalt Livio Bundi.

Die Anordnung einer Zertifikatspflicht für Schullager durch den Kanton sei damit grundsätzlich denkbar, eine solche Massnahme müsse jedoch verhältnismässig sein, immer wieder auf die Erforderlichkeit hin überprüft werden und dürfe insbesondere das Recht auf ausreichenden Grundschulunterricht für die Schüler und Schülerinnen ohne Zertifikat nicht verletzen. «Die Massnahme muss jedoch von der zuständigen Stelle angeordnet werden, was hier nicht der Fall sein dürfte.»

«Erhöhtes Ansteckungsrisiko bei Schullagern»

Wie Philip Wernli, Leiter der Kreisschule Aarau-Buchs auf Anfrage von 20 Minuten sagt, sei das Vorgehen der Schule vom Aargauer Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) dringend empfohlen und vom Rechtsdienst des BKS geprüft worden. «Uns ist es ein Anliegen, dass die Lager wieder durchgeführt werden können, nachdem sie im letzten Schuljahr abgesagt wurden.» Die Absage habe bei Kindern und Erwachsenen zu vielen Enttäuschungen geführt.

Durch die gemeinsame Verpflegung, Übernachtung mehrerer Kinder in einem Raum und der Nutzung der gleichen WC-Anlagen müsse die Schule von einem erhöhten Ansteckungsrisiko bei Schullagern ausgehen, sagt Wernli. «Mit der Zertifikatspflicht kann das Risiko eines Ausbruchs während des Lagers gesenkt werden.»

Lehrerverband begrüsst Testpflicht

Der Schweizerische Dachverband für Lehrerinnen und Lehrer LCH ist über die erweiterten Corona-Massnahmen erfreut: «Ich finde das sehr gut. Seitens Lehrerverband unterstützen wir diesen Massnahmeentscheid. Dass die Kinder sich vor dem Lager testen lassen, ist absolut sinnvoll», sagt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des LCH.

Der Lehrerverband finde es sehr wichtig, dass wieder mehr ausserschulische Aktivitäten stattfinden können. «Wenn eine 3G-Lösung Aktivitäten wie Exkursionen und Lager wieder ermöglichen kann, begrüssen wir dies. Eineinhalb Jahre Pandemie sind vielleicht eine kurze Zeit für Erwachsene, aber für die Kinder sind es wichtige Jahre, in denen sie viele Erfahrungen und prägende Erlebnisse verpassen.»

Pfadilager machten es im Sommer gleich

Zuspruch erhält die 3G-Massnahme der KSAB auch aus ärztlicher Sicht. «Ich finde das sehr sinnvoll. So kann das Ansteckungsrisiko vermindert werden. Das wurde im Sommer schon in den meisten Pfadilagern so gemacht», sagt Christoph Berger, Infektiologe am Kinderspital Zürich.

Auf die Frage, ob die Massnahme den Impfdruck bei über zwölfjährigen Kindern erhöhe, reagiert er gelassen: «Wenig, vielleicht ein bisschen. Die Kinder können sich aber auch einfach testen lassen.» Die Antigen-Schnelltests werden laut BAG für Kinder unter 16 Jahren vom Bund finanziert.

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