Überforderte Kinder: Schulleiter wollen Ufzgi abschaffen
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Überforderte KinderSchulleiter wollen Ufzgi abschaffen

Kinder und Eltern sind frustriert. Der Grund: die Hausaufgaben. Die Schulleiter beleben die Debatte über deren Abschaffung.

von
kat
Notwendiges Übel oder pädagogisch wertvoll? Ein 8-jähriges Mädchen bei den Hausaufgaben. (Symbolbild)

Notwendiges Übel oder pädagogisch wertvoll? Ein 8-jähriges Mädchen bei den Hausaufgaben. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally

Immer wieder sorgen die Hausaufgaben für Streit zwischen Eltern und Kindern. Erstere haben nicht genügend Zeit, ihren Sprösslingen zu helfen, Letztere sind teilweise schlicht überfordert. Dies berichtet Lisa Lehner, Vizepräsidentin des Deutschschweizer Schulleiterverbands der «Schweiz am Sonntag».

Aus diesem Grund fordert sie die Abschaffung der Hausaufgaben. Mit Unterstützung des Präsidenten will sie die Diskussion aufs Tapet bringen. Es gehe nicht nur um die Vermeidung von Spannungen im Elternhaus, sondern auch um Chancengleichheit. Kinder aus bildungsferneren Schichten bekämen nicht genügend Unterstützung bei den Hausaufgaben. Dasselbe gelte für Schüler mit Vollzeit arbeitenden Eltern.

«Die Schüler lernen tagsüber genug», sagt auch Gabriel Romano, Dozent für Erziehungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Bern, zur «Schweiz am Sonntag». Hausaufgaben hätten einen geringen Lerneffekt, wenn sie unbetreut erledigt werden müssten. Er hält zudem fest, dass es sich bei den Hausaufgaben meistens um Stoff handle, der aus Zeitmangel innerhalb der Unterrichtszeit nicht abgehandelt werden könne.

Selbstständigkeit wird geschätzt

Die Debatte erhält durch den Schulleiterverband zwar Aufwind, ist aber nicht neu. Schon 2012 hatte Kinderarzt Remo Largo über die Hausaufgaben gesagt: «Abschaffen! Die Verantwortung liegt bei der Schule, nicht bei der Familie.»

Bisher sind aber alle Versuche, Kinder von den «Ufzgi» zu befreien, gescheitert, wie es im Bericht weiter heisst. Der Kanton Schwyz bildete 1993 die Ausnahme: Alle Hausaufgaben wurden gestrichen und nach vier Jahren wieder eingeführt, weil sich Eltern, Lehrer und Politiker massiv dagegen gewehrt hatten. Geschätzt werde an den Hausaufgaben vor allem, dass den Kindern Selbstständigkeit beigebracht werde.

Eine emotionale Diskussion

Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands, sieht jedoch andere Methoden, die Selbstständigkeit der Schüler zu fördern: Zum Beispiel mit Hausaufgabenlektionen am späteren Nachmittag. Angesichts der ständigen Abbaumassnahmen räumt er diesem Vorschlag allerdings nicht viel Chancen ein.

Hausaufgaben seien zudem stark im Bewusstsein der Bevölkerung eingeprägt und deren Streichung führe zu emotionalen Diskussionen, so Zemp.

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