Blackout-Challenge – Schulleitung warnt Eltern vor lebensbedrohlichem «Ohnmacht-Spiel»
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Blackout-ChallengeSchulleitung warnt Eltern vor lebensbedrohlichem «Ohnmacht-Spiel»

An der Schule Wolfenschiessen NW geht das «Erstickungsspiel» unter Schülerinnen und Schülern viral. «Jugendliche schätzen die Risiken oft zu gering ein», sagt Medienpädagoge Joachim Zahn.

von
Daniel Krähenbühl
Daniela Gigor
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Im Schulhaus Zälgli in Wolfenschiessen ist aufgefallen, dass Schülerinnen und Schülern aus unerklärlichen
Gründen übel war. Wie sich herausstellte, ist die sogenannte Blackout-Challenge der Auslöser dafür. 

Im Schulhaus Zälgli in Wolfenschiessen ist aufgefallen, dass Schülerinnen und Schülern aus unerklärlichen
Gründen übel war. Wie sich herausstellte, ist die sogenannte Blackout-Challenge der Auslöser dafür.

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Gespräche mit Kindern hätten gezeigt, dass die Challenge nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit ausgeübt werde und «erschreckenderweise» bereits zahlreiche Kinder eigene Erfahrungen damit gemacht hätten, so der Schulleiter Rolf Bucher.

Gespräche mit Kindern hätten gezeigt, dass die Challenge nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit ausgeübt werde und «erschreckenderweise» bereits zahlreiche Kinder eigene Erfahrungen damit gemacht hätten, so der Schulleiter Rolf Bucher.

Reuters
 «Für die Lehrpersonen war es nicht einfach erkennbar, ob sich die Schülerinnen und Schüler raufen oder dieses lebensgefährliche Spiel spielen», sagt Bucher. Die Sache sei jedoch nicht neu: «Durch Social Media taucht das Phänomen alle paar Jahre wieder auf.»

«Für die Lehrpersonen war es nicht einfach erkennbar, ob sich die Schülerinnen und Schüler raufen oder dieses lebensgefährliche Spiel spielen», sagt Bucher. Die Sache sei jedoch nicht neu: «Durch Social Media taucht das Phänomen alle paar Jahre wieder auf.»

Darum gehts

  • Die Nidwaldner Schulgemeinde Wolfenschiessen warnt die Eltern in einem Brief vor der sogenannten Blackout-Challenge.

  • Dabei besteht die Gefahr, dass eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff oder gar Atemstillstand, der zum Tod führt, eintreten kann.

  • Wie Samuel Zingg, Vizepräsident des Schweizer Lehrerverbands, sagt, sei es wichtig, mit Eltern und Kindern das Phänomen anzusprechen und die Folgen aufzuzeigen.

  • «Bei entsprechenden Handlungen in der Gruppe geht es wie früher oft um Mutproben», sagt Medienpädagoge Joachim Zahn.

Würgen bis zur Ohnmacht: Bereits seit Monaten sorgt die sogenannte Blackout-Challenge auf der Social Media-Plattform TikTok für Schlagzeilen. So verletzten sich mehrere Kinder bereits im Frühjahr schwer, im italienischen Palermo starb ein zehnjähriges Mädchen, nachdem es beim «Erstickungsspiel» mitgemacht hatte. Am Freitag warnte nun auch die Nidwaldner Schulgemeinde Wolfenschiessen die Eltern vor dem Phänomen: «Wir mussten feststellen, dass wir Schüler und Schülerinnen antrafen, denen aus unerklärlichen Gründen übel war», schreibt Gesamtschulleiter Rolf Bucher an die Elternschaft.

Wie sich herausgestellt habe, sei die Blackout-Challenge, bei der «bewusst das Atemsystem lahmgelegt wird» der Grund dafür, so Bucher. «Dabei besteht die Gefahr, dass eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff oder gar Atemstillstand, der zum Tod führt, eintreten kann.» Gespräche mit Kindern hätten gezeigt, dass die Challenge nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit ausgeübt werde und «erschreckenderweise» bereits zahlreiche Kinder eigene Erfahrungen damit gemacht hätten.

Eltern sollen Kinder auf Gefährlichkeit hinweisen

Bucher weist im Elternbrief darauf hin, dass das Durchführen einer solchen Challenge «strengstens verboten» sei, in der Schule nicht toleriert werde und Beteiligte im Verletzungsfall mit einem Strafverfahren wegen Körperverletzung rechnen müssen. «Ich bitte Sie dringlichst, Ihr Kind für die Gefährlichkeit dieser Challenge zu sensibilisieren und es davon abzuhalten, diese nachzuahmen.» Der Schulleiter kündigt an, das Thema nach den Herbstferien in den Klassenstufen aufzugreifen.

Wie Bucher auf Anfrage sagt, sei es in den letzten zwei Wochen zu einzelnen Vorfällen gekommen. Der Gesamtschulleiter geht davon aus, dass bis zur Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen von der Challenge Kenntnis haben. Die betroffenen Kinder seien zwischen zehn und fünfzehn Jahren alt: «Für die Lehrpersonen war es nicht einfach erkennbar, ob sich die Schülerinnen und Schüler raufen oder dieses lebensgefährliche Spiel spielen». Für Bucher ist das Ganze nicht neu: «Durch Social Media taucht das Phänomen alle paar Jahre wieder auf.» Auf sein Schreiben hätten die Eltern positiv reagiert. «Sie sind im allgemeinen froh darüber, dass wir proaktiv und transparent orientieren», so Bucher.

Tiktok: «Wir verbieten gefährliche Herausforderungen strikt»

Samuel Zingg, Vizepräsident des Schweizer Lehrerverbands LCH, äussert sich positiv zur Informationsoffensive der Schule: «Wichtig ist, dass man mit den Eltern und Kindern das Phänomen anspricht und die Folgen aufzeigt.» Grundsätzlich gehe es darum, die Dynamik und den Gruppendruck bei diesen gefährlichen «Spielen» aufzuzeigen und nicht darum, mit dem Moralfinger zu kommen und nach einem Schuldigen zu suchen. «Oftmals ist den Kindern und Jugendlichen gar nicht bewusst, wie gefährlich die Teilnahme wirklich ist.»

Auf Anfrage von 20 Minuten nimmt auch eine Tiktok-Sprecherin Stellung: «Wir nehmen die Sicherheit unserer Community sehr ernst und verbieten gefährliche Herausforderungen auf Tiktok strikt. Obwohl wir noch keine Beweise für eine ‹Blackout-Challenge› gefunden haben, bleiben wir wachsam und bereit, gegen jeden gefährlichen Inhalt vorzugehen, der gepostet wird.»

«Jugendliche schätzen die Risiken oft zu gering ein»

Der Sozialarbeiter und Medienpädagoge Joachim Zahn ist Leiter des Vereins «zischtig.ch», der Eltern und Kinder im Umgang mit digitalen Medien schult und berät.

Der Sozialarbeiter und Medienpädagoge Joachim Zahn ist Leiter des Vereins «zischtig.ch», der Eltern und Kinder im Umgang mit digitalen Medien schult und berät.

Privat

In der Schule Wolfenschiessen trendet die «Blackout-Challenge», die Schulleitung schlägt Alarm. Zu Recht?

Man muss jetzt aufpassen, dass man sie nicht zu trendig macht. Bei uns gab es die letzten Monate wenig Meldungen. Bei vielen Kindern ist die Challenge noch nicht angekommen. Andere bluffen zwar gerne damit, haben es aber zum Glück nicht probiert. Die gesundheitlichen Schädigungen von Würgetechniken können doch gravierend sein.

Aus welchem Grund nehmen Schüler an dieser Challenge teil?

Bei entsprechenden Handlungen in der Gruppe geht es wie früher oft um Mutproben. Man will da nicht im Abseits stehen. Andere suchen den Kick in der Grenzerfahrung oder im Verbotenen. Tatsächlich schätzen Jugendliche die Risiken oft zu gering ein. Dies liegt an der Entwicklungsphase. Daher sind international gar einige Todesfälle zu vermelden.

Wie sollen Eltern auf solche Challenges reagieren?

Wegen solcher Challenges und anderer Schwierigkeiten empfehlen wir den Eltern, sich regelmässig und unaufgeregt mit den Erlebnissen der Kinder zu befassen. Tauchen Gefährdungen auf, sollte man den Kindern für die Informationen danken. Erst im nächsten Schritt geht es darum, zusammen mit den Kindern nach aufklärenden Informationen zu suchen. Die Schule könnte vielleicht noch Ideen liefern, wie dieses Gespräch mit dem Kind gestaltet werden kann. Aber alarmistische Kampagnen und Verbote führen eher zu Nachahmungen.

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