Lernen mit Social Media: Schultipps auf Tiktok – helfen sie wirklich?
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Lernen mit Social MediaSchultipps auf Tiktok – helfen sie wirklich?

Jugendliche verbringen viel Zeit in den sozialen Medien und suchen neben Unterhaltung auch nach Unterstützung fürs erfolgreiche Lernen. Hashtags wie #Lernenmittiktok und #Schultipps haben Millionen Aufrufe. Was wird hier angezeigt und geben die Web-Idole wirklich hilfreiche Tipps? Wir haben uns umgeschaut.

von
Jana Rutarux
Laura gibt auf ihrem Account Tipps für Schule und Studium.

Laura gibt auf ihrem Account Tipps für Schule und Studium.

Tiktok/laurinspireyt

Darum gehts

Die chinesische Social-Media-App Tiktok ist für Personen ab 13 Jahren ein beliebter Zeitvertreib und auch ein Tool, um Wissen und Tipps zu verbreiten oder sich anzueignen. Wenn während der Prüfungsphase der Informationsüberfluss im Internet überfordert, kann man sich von anderen Tiktok-Nutzerinnen und -Nutzern ihre liebsten Schulhacks zeigen lassen. Das Problem ist nur, dass zwar jeder posten kann, aber noch lange nicht jeder, der postet, auch ein echter Schulexperte ist.

Beliebt ist, zu lernen wie man liebt

Tiktok hat zuvor selbst in die Verbreitung von professionellen Lerninhalten investiert. Dabei wurde auch der Hasthag #Lernenmittiktok gepusht. Ruft man diesen Hashtag auf, werden unter den beliebtesten Clips zuerst eine Reihe von aufklärenden Videos zum Thema Sex angezeigt. Verkleidet mit einem Arztkittel oder mittels selbstgeschriebenem Rap erklären Creators anschaulich und leicht verständlich, wie man Frauen im Intimbereich berührt, oder wie man sich selbst befriedigt.

Wie sich beim weiteren Erkunden zeigt, wird der Hashtag für eine grosse Bandbreite an Inhalten verwendet: Neben Fragen zu Sex und Liebe, werden auch solche zu Lernmotivation, Schule und Universität, Beruf, Spracherwerb, Gesundheit und Geburt, zu rechtlichen Grundlagen, richtigem, situativen Reagieren und seltener auch zu Natur und Biologie beantwortet. Es zeigt sich: Tiktoks Lernhashtag ist ein Hub für so ziemlich alles. Humor und Unterhaltung kommen dabei nie zu kurz.

Kann Strebern beliebt sein?

Suchbegriffe wie «Schultipps» oder «Lerntipps» versprechen auf Tiktok mehr Erfolg, um auf nützliche Kniffe zu stossen. Wie seriös diese sind, variiert. Im deutschen Sprachraum kommen Videos von den erfolgreichen Schülerinnen «Laurainspireyt», «Medbylaura», oder «Jennymyt» gut an. In einer Vorbildfunktion erzählen sie, wie eine hohe Note erzielt, wie schlau gelernt oder was gegen Lernstress getan werden kann. Auch der 17-jährige «Itz.jerome» macht für seine 276’000 Followerinnen und Follower nur schulbezogene Videos, in denen er aufzeigt, weshalb man nicht im Bett lernen sollte, oder wie man motiviert bleibt.

Pendants zu diesen Accounts, die von Jugendlichen selber geführt werden, bilden professionalisierte Profile, die explizit fürs Lernen gedacht sind. Dazu gehören etwa «Studyflix» oder Videos von Lehrpersonen und Fachkräften wie «Dein_sprachcoach»,  «Daniel.jung», «Mathemitnick». Tiktok bietet auch denjenigen eine Plattform, die weniger seriöse, aber ebenso praktische Tipps verbreiten möchten: Es gibt Spickzettelanleitungen, Schummel-Ideen oder auch Tricks, wie man mit möglichst wenig Aufwand eine Powerpoint aus dem Internet klauen kann. «Dreckige Schultricks» nennt diese «Miikas», der davon überzeugt ist, dass es verschiedene Wege gibt, um zum Schulabschluss zu kommen.

Die cleveren Accounts haben gemeinsam, dass sie häufig eine selbstdarstellerische Note haben. Letztlich kommt es auf die Medienkompetenzen der Nutzer und Nutzerinnen selber an. Diese entscheiden, ob sie die Lerntipps richtig einschätzen können und den Inhalten kritisch gegenüberstehen. Auf der anderen Seite stehen aber auch Plattformen-Betreiber zunehmend unter Druck, Verantwortung für die über sie gestaltete Wissensverbreitung zu übernehmen. 

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