«Zero Tolerance»: Schulverweis wegen Lego-Pistole
Aktualisiert

«Zero Tolerance»Schulverweis wegen Lego-Pistole

Gipfel der Ironie: Während Politiker um schärfere Waffengesetze ringen, teilen amerikanische Schulen Verweise an 5-Jährige aus – weil sie harmlose Spielzeug-Pistolen auf sich tragen.

von
kri

Es gibt Schulbehörden in den USA, die bezüglich Waffen auf dem Schulgelände eine Politik der «Zero Tolerance» verfolgen. Was gut klingt, ist in der Praxis gar nicht so einfach: Eine 5-jährige Kindergärtnerin, die einer Kameradin in Aussicht stellt, mit einer Seifenblasen-Pistole auf sie zu schiessen. Zwei 6-jährige Primarschüler spielen in der Pause «Räuber und Polizei» und schiessen mit ihren Fingern aufeinander. Ein 5-Jähriger bastelt eine Pistole aus Legosteinen und imitiert Schussgeräusche (siehe Video oben). Harmlose Kinderspiele? Oder eine Gefahr für die Sicherheit?

In zwei dieser Fälle wurden Verweise gegen die Kinder ausgesprochen. Die Eltern waren entsprechend schockiert: «Sie behandeln die Kinder wie Erwachsene und berauben sie ihrer Fantasie», sagte Kelly Guarna, deren Tochter wegen des Seifenblasen-Pistolen-Zwischenfalls für zwei Tage vom Unterricht suspendiert worden war. «So etwas Lächerliches habe ich noch nie gesehen», fand auch Stephen Grafton. Der Vater von einem der Primarschüler, die mit imaginären Pistolen aufeinander geschossen hatten, ist Soldat.

Nervosität nach Sandy Hook steigt

Im Fall der Lego-Pistole blieb es bei einer Ermahnung. Mary Czajkowski, Präsidentin der zuständigen Schulpflege, verteidigte die Reaktion der Schulleitung. Der betroffene Schüler habe die Waffen auf Mitschüler gerichtet und dabei Schussgeräusche imitiert. Das könne «Missbehagen» auslösen. «Er hätte auf die Lehrerin hören sollen, als sie ihn bat, damit aufzuhören», sagte sie. Allen ist indes klar, dass die Schulbehörden nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School unter Druck sind.

Trotzdem entbehren die Vorfälle nicht einer gewissen Ironie: Der Kauf eines Sturmgewehrs und von Unmengen an Munition steht praktisch jedem Erwachsenen offen. Kinder hingegen werden für den Gebrauch von Spielzeug bestraft. Unendliche Freiheit für die einen, «Zero Tolerance» für die anderen.

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