Aktualisiert 01.06.2010 13:52

PH ZürichSchulwochen gestrichen: «Das ist skandalös»

Die geplante Streichung zweier Schulwochen an der PH Zürich sorgt für Empörung. SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli spricht gar von Arbeitsverweigerung.

von
Ronny Nicolussi
Studenten als Opfer von Sparmassnahmen.

Studenten als Opfer von Sparmassnahmen.

Es ist wie bei den Müesli-Packungen: Wenn ein Hersteller den Preis erhöhen will, kann er entweder die Packungen teurer verkaufen oder kleinere Packungen zum selben Preis anbieten. Die Pädagogische Hochschule (PH) Zürich tut letzteres. Sie wehrte sich jüngst gegen eine Erhöhung der Studiengebühr und streicht das kommende Herbstsemester aus finanziellen Gründen von 14 auf 12 Wochen zusammen.

«Das ist skandalös», sagt Christoph Mörgeli. Er könne sich nicht erinnern, jemals von einem vergleichbaren Sparmodell im Hochschulwesen gehört zu haben. Laut dem SVP-Bildungspolitiker sind Hochschulen verpflichtet «mit den Mitteln, die sie zur Verfügung haben» ihre Leistung zu erbringen. Ansonsten müsse man von Arbeitsverweigerung sprechen. Mörgeli erinnert daran, dass kaum ein anderes Land mehr in die Bildung investiere als die Schweiz: «Zumindest bei den Ausgaben sind wir an der Spitze.» Einfach so die Leistung zu kürzen, sei ein «ganz schlechtes Zeichen gegen aussen».

CVP-Bildungspolitikerin und Nationalrätin Kathy Riklin spricht von einer eigenartigen Überlegung der Verantwortlichen und von Kürzungen am falschen Ort. «Sparen bei der Manpower; das kanns nicht sein!», sagt Riklin. Mehr Sparpotenzial sähe sie bei der Infrastruktur oder bei Luxusbauten. Zudem sei die von der PH gewählte Massnahme gegenüber den Studenten und Dozenten nicht sonderlich elegant.

Versteckte Erhöhung der Studiengebühren

Sie finde diese Massnahme bedenklich, wie jede Sparmassnahme im Bildungsbereich, kritisiert SP-Bildungspolitikerin Jacqueline Fehr den PH-Entscheid. Damit werte die Hochschule die eigene Unterrichtstätigkeit ab: «Man könne ja schlecht behaupten, es spiele keine Rolle, ob man in einem Semester zwei Wochen mehr oder weniger unterrichte.» Da die Kosten für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer dennoch unverändert blieben, handle es sich um eine versteckte Erhöhung der Studiengebühren.

Walter Bircher, Rektor der PH Zürich, bestätigt, den von 20 Minuten Online publik gemachten Sachverhalt: «Es stimmt, wir sind auf einem Sparkurs.» Mit dieser Massnahme werde versucht, die Kosten in den Griff zu bekommen. Den Vorwurf des Leistungsabbaus will Bircher aber nicht gelten lassen. Nur weil die Studenten während zweier Wochen ohne Betreuung auskommen müssten, heisse das noch lange nicht, dass die Leistung nicht die gleiche sei. Deshalb, und obschon sie im Vergleich zu den Gesamtkosten nur einen geringen Bruchteil ausmachten, werde es auch keine Reduktionen bei den Semestergebühren geben. «Wenn Sie im Kino einen Film schauen, kostet der auch immer gleich viel, egal, ob er eineinhalb oder zweieinhalb Stunden dauert», so der PH-Rektor.

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