Aktualisiert 11.08.2009 12:54

«Pole Position» mit Peter HaabSchumacher-Comeback: Viel Lärm um nichts

Die Formel 1 ist kein Kinderspiel: Vor den enormen Fliehkräften im Cockpit muss jetzt sogar der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher kapitulieren. Von den Comeback-Plänen bleibt nichts als heisse Luft übrig.

von
Peter Haab

Die Legende kehrt definitiv nicht zurück. Die Verletzungen nach dem Unfall bei den Motorrad-Testfahrten in Cartagena (Spanien) im Februar waren zu schwer: Michael Schumacher muss auf das von aller Welt herbeigesehnte Formel-1-Comeback am 23. August in Valencia verzichten. Die Halswirbel und der Nacken halten den extremen Fliehkräften beim Pilotieren eines Formel-1-Rennwagens nicht mehr stand.

Das ist schlecht für das gesamte (Werbe-)Umfeld und die Formel 1 an sich. Aber gut für Michael Schumacher selbst. Denn wie der schlimme Motorrad-Sturz zeigt, hat der siebenfache Formel-1-Weltmeister selbst als 40-Jähriger sein Risiko-Management nicht richtig im Griff. Jetzt wurde er von seinem Körper zur Vernunft gezwungen.

Gefahr für sich und alle Anderen

Ist Schumis abrupter Rückzieher nachvollziehbar? Ja, ohne den geringsten Zweifel. Denn im Formel-1-Cockpit ist körperliche Schwerstarbeit gefragt. Vor allem der Rücken und der Nacken sind gefordert. Auf Grund der beinharten Federungs-Abstimmung schlägt bei über 300 km/h die kleinste Bodenwelle schmerzhaft bis auf die Wirbelsäule durch. Und ausgerechnet die Halswirbel und der Nacken sind nach Schumachers Motorrad-Horror-Crash mit über 200 km/h mit dem Motorrad die grosse Schwachstelle.

Zum Vergleich: Schon mancher talentierte junge Rennfahrer ist beim Pilotieren eines Formel-1-Rennwagens an seiner mangelnden Fitness gescheitert. Nach jeweils fünf Runden im Renntempo konnten die ehrgeizigen Burschen wegen übermüdeter Nackenmuskulatur ihren Kopf nicht mehr gerade halten. Die gewaltigen Fliehkräfte in den Kurven und bei den brutalen Bremsmanövern fordern ihren Tribut. Schumacher wäre in seinem jetzigen Gesundheits-Zustand eine Gefahr für alle anderen Fahrer und sich selbst.

Alles wird wieder wie vorher

Was heisst das geplatzte Comeback für die Formel 1? – Antwort: Für den Moment ist es eine absolute Katastrophe, denn die Ticketverkäufe für die nächsten Rennen werden ab sofort wieder stagnieren. Und die TV-Einschaltquoten werden in der zweiten Saisonhälfte nicht wie erhofft nach oben schnellen. Die grosse Euphorie ist vorbei. Doch in einigen Wochen wird wieder alles sein wie vorher. Es wäre ja auch gelacht, wenn das Wohl der weltweit drittgrössten Sportart (nach Fussball-WM und Olympischen Spielen) vom Zustand der Halswirbel eines Motorsport-Rentners abhängig wäre.

Die aktuelle Formel 1 ist die Bühne für Leute wie Jenson Button, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Schumacher soll jetzt in Ruhe seine Rente und seine Luxus-Villa am Genfersee geniessen. Und falls er – was bei einem Typen von seinem Kaliber ja nie ganz auszuschliessen ist – nochmals in Versuchung kommen sollte: Bitte VOR dem grossen Trommelwirbel in der Öffentlichkeit erst mal die gesundheitliche Verfassung klären! So viel Lärm um nichts verträgts nämlich auch bei einem siebenfachen Weltmeister nur einmal.

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