Mountainbike-WM: Schurter holt den dritten WM-Titel

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Mountainbike-WMSchurter holt den dritten WM-Titel

Nach 2009 und 2012 kürt sich Nino Schurter zum dritten Mal zum Cross-Country-Weltmeister bei der Elite. In Südafrika feiert der 27-jährige Bündner einen Start-Ziel-Sieg.

Bis vor der letzten Abfahrt hatte Schurter souverän alles unter Kontrolle gehabt. Dann sollte es noch eine Schrecksekunde geben. Dem Schweizer rutschte das Mountainbike weg und er ging zu Boden. Doch der Faux-Pas sollte keine negativen Folgen haben.

Schurter fand den Tritt schnell wieder und mit sicherem Vorsprung überquerte er die Ziellinie. Sieben Sekunden dahinter folgte Manuel Fumic, der dem deutschen Cross-Country-Sport den grössten Erfolg aller Zeiten bescherte. Dritter wurde José Antonio Hermida, der spanische Weltmeister von 2010. Als zweitbester Schweizer beendete Fabian Giger (10.) den Wettkampf.

«Plan ist perfekt aufgegangen»

«Mein Plan ist perfekt aufgegangen. Ich konnte vom Start an Druck aufsetzen. So wie ich es gewollt hatte», meinte Schurter nach der Siegerehrung. Beim Sturz habe er halt die Müdigkeit gespürt. Heikel wäre es in diesem Zusammenhang aber nur noch dann geworden, wenn etwas an seinem Bike kaputt gegangen wäre. «Die Rennmaschine war aber zum Glück immer noch intakt», fügte Schurter bei.

Pietermaritzburg ist ein gutes Pflaster für Schurter. In der Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal hat er auch gewonnen, als dort 2011 und 2012 jeweils der Weltcup eröffnet worden ist. Dass ihm die Strecke im Cascades Park gefällt, war auch diesmal von Beginn weg zu spüren. Nach einem hervorragenden Start diktierte Schurter das Geschehen von der Spitze aus. Er legte ein hohes Tempo vor, das bald einmal kein Konkurrent mitgehen konnte. Giger war am Anfang noch in Tuchfühlung gewesen, er konnte für Schurter Helfer-Arbeit leisten, doch auch der St. Galler musste abreissen lassen. Fumic und Hermida konnten später die Lücke nach vorne auch nicht schliessen, obwohl sie die Möglichkeit hatten, zu kooperieren.

Absalon nach Trainingsstürzen angeschlagen

Während Schurter bis auf das Malheur in der Schlussphase keine Schwächen zeigte, hatten andere hoch eingestufte Athleten mit Problemen zu kämpfen. Julien Absalon, der als grösster Gegner Schurters angesehen worden war, musste stark angeschlagen mit Platz 6 vorlieb nehmen. Der Doppel-Olympiasieger und vierfache Weltmeister war in den Trainings mehrmals heftig gestürzt. Er soll sich Verletzungen im Rippenbereich zugezogen haben.

Kein Glück hat Pietermaritzburg auch Absalons Markenkollege Lukas Flückiger gebracht. Für den Oberaargauer war das WM-Rennen schon nach wenigen Metern vorbei. Kurz nach dem Start stürzte er an einer engen Stelle in ein Absperrgitter. Es bestand der Verdacht auf einen Rippenbruch. Sein Bruder Mathias hatte die Reise nach Südafrika krankheitsbedingt gar nicht erst angetreten. Die Flückigers hatten vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in Saalfelden (Ö) hinter Schurter Silber und Bronze geholt.

Jaroslav Kulhavy, der Olympiasieger von London, reihte sich als Fünfter direkt vor Absalon ein. Der Tscheche erreicht derzeit wegen gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus den vergangenen Monaten die Form seiner besten Tage nicht.

Süss holt Bronze

Erstmals seit 2005 ist wieder eine Schweizer Cross-Country-Fahrerin auf einem WM-Podest gestanden. Wie Petra Henzi vor acht Jahren in Livigno (It) gewann auch Esther Süss in Pietermaritzburg (SA) Bronze.

Die 24-jährige Französin Julie Bresset konnte derweil ihren WM-Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen. Die Olympiasiegerin von London lieferte sich bis am Schluss ein spannendes Duell mit der Polin Maja Wloszczowska, der Weltmeisterin von 2010. Für beide war es Balsam auf Wunden. Sie hatten in der jüngeren Vergangenheit gravierende Verletzungen wegzustecken. Bresset zog sich heuer einen Schlüsselbeinbruch zu, Wloszczowska musste 2012 wegen einer Fussverletzung auf die Olympia-Teilnahme verzichten.

«Ich habe immer daran geglaubt»

Süss büsste auf Bresset etwas mehr als eine Minute ein. Mit dem 3. Rang holte die 39-jährige Aargauerin das Maximum heraus. Im Marathon ist sie schon Weltmeisterin geworden, in der olympischen Disziplin jedoch blieb Süss bei den globalen Grossanlässen bisher ohne Medaillengewinn. Sie war überglücklich, dass sie nicht wie an den letzten Weltmeisterschaften in Saalfelden (4.) und den Olympischen Spielen von London (5.) knapp neben dem Podest landete. Deshalb hatte Priorität genossen, Bronze abzusichern.

Zu Beginn der letzten Runde hatte Süss sich noch in einem harten Zweikampf mit der zweifachen Weltmeisterin Irina Kalentjewa befunden. Gegen die Russin lautete die Taktik: In den Aufstiegen kleine Lücken schaffen, und diese Reserven in den Abfahrten jeweils verwalten. Die Rechnung ging auf. Pietermaritzburg liegt Süss. Beim Weltcup-Auftakt 2012 an dieser Station war sie Vierte geworden.

Schwacher Start

Wie üblich war Süss nicht sonderlich gut gestartet. Nach der ersten Runde hatte sie sich in der Region von Platz 20 bewegt. Sie schaffte es aber, bis zur Rennhälfte den Kontakt zur Spitze herzustellen. Süss profitierte auch davon, dass sie sich kaum Fehler erlaubte, während Mitfavoritinnen wie Eva Lechner (It) oder Europameisterin Tanja Zakelj (Sln) wüst stürzten.

Der Schweizer Nationaltrainer Rolf Vollenweider lobte hinter, dass es Süss wieder einmal geglückt sei, bei einem Saison-Highlight am Tag X eine grandiose Leistung abzurufen. Süss ist im laufenden Weltcup noch nie besser klassiert gewesen als im 7. Rang (Val di Sole/It). Aufgrund dessen hatte sie im Hinblick auf die WM nicht zum engsten Favoritenkreis gezählt. Für Süss kommt die Medaille aber nicht überraschend. «Ich habe immer daran geglaubt und nie den Fokus verloren», meinte die Schweizerin nach der Siegerehrung.

Süss will auch mit 39 weitermachen

Die Weltcup-Ergebnisse hätten sie nicht beunruhigt. Die Resultate hätten den angenehmen Nebeneffekt gehabt, dass sie ohne Druck nach Südafrika habe reisen können. Vorbereitet hatte sich Süss auf die WM im Engadin. Den Weltcup in Mont-Sainte-Anne (Ka) liess sie aus. So kam sie um eine lange Reise und um einen Jetlag herum.

Süss feiert im nächsten Frühling ihren 40. Geburtstag. Ans Aufhören denkt sie aber noch nicht: «Solange ich Freude am Sport habe, mache ich weiter.»

Abschiedsgeschenke für Vollenweider

Aus dem Schweizer Team vermochte auch Kathrin Stirnemann zu überzeugen. Die 23-jährige Aargauerin, Tochter des früheren Männer-Nationalcoaches Beat Stirnemann, wurde beachtenswerte Siebte. Sie konnte ihr Glück kaum fassen und sagte: «Ich bin über mich hinausgewachsen.» Ihr Bestresultat im aktuellen Weltcup ist ein 12. Platz.

Katrin Leumann hingegen verpasste einmal mehr an Weltmeisterschaften die Top Ten. Die Baslerin wurde Zwölfte. Sie hatte einen Blitzstart hingelegt. In den ersten sieben Minuten führte sie das Feld an. Dann wurde sie aber durchgereicht.

Nationaltrainer Vollenweider war mit all seinen Frauen sehr zufrieden. Süss' Exploit sei für ihn ein schönes Abschiedsgeschenk, meinte er mit ein bisschen Wehmut. Vollenweider tritt ab und überlässt seinen Posten Edi Telser. Swiss Cycling schafft bei den Frauen professionellere Strukturen. Vollenweider hätte nicht mehr die beruflichen Kapazitäten gehabt, um unter den neuen Bedingungen weiterzumachen. Deshalb wurde der Südtiroler Telser eingestellt.

Pietermaritzburg (SA). WM. Cross Country. Elite. Männer (32,9 km): 1. Nino Schurter (Sz) 1:40:17. 2. Manuel Fumic (De) 0:07 zurück. 3. José Antonio Hermida (Sp) 0:21. 4. Maxime Marotte (Fr) 0:53. 5. Jaroslav Kulhavy (Tsch) 1:17. 6. Julien Absalon (Fr) 1:31. 7. Moritz Milatz (De) 1:45. 8. Ondrej Cink (Tsch) 2:04. 9. Stéphane Tempier (Fr) 2:19. 10. Fabian Giger (Sz) 2:30.

Ferner: 12. Marco Aurelio Fontana (It) 3:06. 17. Florian Vogel (Sz) 3:43. 18. Miguel Martinez (Fr) 3:50. 20. Martin Fanger (Sz) 4:10. 22. Martin Gujan (Sz) 4:59. 42. Daniel McConnell (Au) 9:46. 51. Ralph Näf (Sz), eine Runde zurück. - 69 klassiert. - Aufgegeben kurz nach dem Start: Lukas Flückiger (Sz/nach Sturz Verdacht auf Rippenbruch).

Frauen (28,2 km): 1. Julie Bresset (Fr) 1:42:54. 2. Maja Wloszczowska (Pol) 0:05. 3. Esther Süss (Sz) 1:06. 4. Irina Kalentjewa (Russ) 1:29. 5. Tanja Zakelj (Sln) 2:03. 6. Alexandra Engen (Sd) 2:57. 7. Kathrin Stirnemann (Sz) 3:05. 8. Gunn-Rita Dahle Flesjaa (No) 3:23. 9. Lea Davison (USA) 3:41. 10. Eva Lechner (It) 3:58.

Ferner: 12. Katrin Leumann (Sz) 4:17. 15. Nathalie Schneitter (Sz) 6:14. 18. Katerina Nash (Tsch) 6:32. 20. Catharine Pendrel (Ka) 8:15. 26. Corina Gantenbein (Sz) 10:00. 27. Georgia Gould (USA) 10:23. - 43 klassiert. (si)

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