Scharmützel: Schusswechsel im Gelben Meer
Aktualisiert

ScharmützelSchusswechsel im Gelben Meer

Neue Spannungen an der umstrittenen Seegrenze zwischen Süd- und Nordkorea: Das nordkoreanische Militär feuerte über dem Gelben Meer Dutzende Artilleriegeschosse ab und kündigte weitere «Schiessübungen» an. Südkorea reagierte mit rund 100 Kanonen- Warnschüssen.

Die nordkoreanischen Streitkräfte hätten am Mittwochvormittag aus Artilleriegeschützen an der Westküste des Landes rund 30 Schüsse abgegeben, teilten der Generalstab und das Verteidigungsministerium in Südkorea mit. Die Projektile seien allerdings nördlich der Grenzlinie in der Nähe der südkoreanischen Insel Baengnyeong niedergegangen.

Die Geschosse hätten kein bestimmtes Ziel gehabt, es seien keine Schäden entstanden. Auf der Insel stationierte Marineinfanteristen reagierten demnach mit Warnschüssen. Verletzt wurde bei dem Schusswechsel niemand, auch Schäden seien nicht entstanden.

Der Vorfall verschärft jedoch die Spannungen im Grenzgebiet des Gelben Meeres. Die sogenannte Nördliche Grenzlinie war nach Ende des Korea-Kriegs 1953 von US-geführten UNO-Truppen einseitig beschlossen worden. Pjöngjang erkennt sie bis heute nicht an.

Nur wenige Stunden nach dem morgendlichen Schusswechsel gingen nach Angaben des Generalstabs erneut mehr als 50 Granaten nördlich der Grenze nahe Baengnyeong im Gelben Meer nieder. Der Süden habe auf den erneuten Beschuss jedoch nicht reagiert.

Scharfer Protest

Das südkoreanische Verteidigungsministerium protestierte scharf gegen die Militärübungen aus dem Norden und kündigte an, auf «jegliche Provokation» zu reagieren. Südkorea berief ein Krisentreffen mehrerer Regierungsmitglieder ein.

Die USA riefen Nordkorea zur Zurückhaltung auf. Das Artilleriefeuer in Richtung Süden sei «provokativ» und «nicht hilfreich» gewesen, erklärte das Aussenministerium in Washington. Das Pentagon riet entschieden von «weiteren Gewaltakten» an der Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea ab.

Nordkorea kündigte seinerseits laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA an, dass es in dem Gebiet auch in Zukunft mit Artillerie feuern werde. Die Armee veranstalte in ihren eigenen Gewässern ihre jährliche Militärübung, gegen die «keiner etwas sagen» könne, hiess es in einer über KCNA verbreitete Mitteilung der Armee.

Schiffahrt verboten

Pjöngjang hatte am Dienstag die Schifffahrt in einem Gebiet des Gelben Meeres an seiner Westküste für die Dauer von zwei Monaten untersagt. Dies war als möglicher Hinweis auf geplante Militärmanöver oder Schiessübungen gewertet worden.

In dem Gebiet kommt es häufig zu Zwischenfällen. Erst im vergangenen November hatten sich die beiden Staaten dort ein Feuergefecht geliefert. Dabei war ein nordkoreanisches Patrouillenboot in Flammen aufgegangen.

2002 waren bei einem Schusswechsel zwischen Kriegsschiffen beider Seiten nach Angaben aus Seoul sechs südkoreanische Soldaten sowie 13 Nordkoreaner getötet worden. 1999 hatten südkoreanische Kriegsschiffe ein nordkoreanisches Patrouillenboot mit schätzungsweise 20 Seeleuten an Bord versenkt.

Offiziell befinden sich das stalinistisch geführte Nordkorea und Südkorea noch immer im Kriegszustand, da beide Staaten nach dem Korea-Krieg (1950 bis 1953) kein Friedensabkommen schlossen.

(sda)

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