Steigende Gefahr: Schutz der Bevölkerung vor einer atomaren Bedrohung ist mangelhaft

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Steigende GefahrSchutz der Bevölkerung vor einer atomaren Bedrohung ist mangelhaft

Wenn es etwa zu einer radioaktiven Verseuchung in der Ukraine oder gar zu einem Atomkrieg kommen würde, stünde die Schweiz mit kurzen Hosen da: Experten verorten beim Schutz der Bevölkerung vor Radioaktivität grosse Mängel.

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Im Fall einer atomaren Verseuchung stünde die Schweiz derzeit nicht allzu gut da.

Im Fall einer atomaren Verseuchung stünde die Schweiz derzeit nicht allzu gut da.

VBS
Gefahr droht vor allem aus dem Osten – es herrscht Angst, dass es etwa im ukrainischen AKW Saporischschja zu einem Notfall kommen könnte.

Gefahr droht vor allem aus dem Osten – es herrscht Angst, dass es etwa im ukrainischen AKW Saporischschja zu einem Notfall kommen könnte.

IMAGO/NurPhoto
Die Schutzräume in der Schweiz sind in teils schlechtem Zustand. Künftig soll mehr kontrolliert werden.

Die Schutzräume in der Schweiz sind in teils schlechtem Zustand. Künftig soll mehr kontrolliert werden.

IMAGO/Björn Trotzki

Darum gehts

Für den Fall, dass etwa das AKW Saporischschja bei einem Bombardement so stark beschädigt würde, dass wie in Tschernobyl grosse Mengen Radioaktivität austreten und Europa bedrohen würden, wäre die Schweiz schlecht gerüstet: Dies berichtet die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf Fachleute und Insider.

«Im Bereich flächendeckender Ereignisse sind wir unzureichend vorbereitet», sagt Urs Marti, Präsident der Konferenz der kantonalen Verantwortlichen für Militär, Bevölkerungsschutz und Zivilschutz. Er bemängelt nicht nur das Fehlen von Dosimetern – kleinen Messgeräten für die Strahlungsbelastung –, sondern auch von anderer Ausrüstung. Laut dem Bericht verfügen zudem nur in einem Drittel der Kantone die Zivilschützer über einen persönlichen ABC-Schutz.

Im März 2021 publizierte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz Babs einen Bericht, in welchem rund 230 Mängel aufgeführt sind. Diese liessen sich in 16 Kerndefizite einordnen. Es bestehe viel Verbesserungspotenzial, so der Bericht, der den Bund auffordert, Verantwortung zu übernehmen. Die grüne Sicherheitspolitikerin und Nationalrätin Marionna Schlatter sagt: «Der Bevölkerungsschutz spielt im Verteidigungsdepartement ein Schattendasein.» Die Mängel erinnerten an die Anfangszeiten der Pandemie, als es an Masken, Desinfektionsmittel und Wissen mangelte.

Probleme mit dem Funknetz und Schutzräumen

Sorgen macht Schlatter des Weiteren das Sicherheits-Funknetz Polycom, das sich gemäss NZZ-Recherchen nicht richtig updaten lässt, im Notfall aber die Kommunikation der Krisenkräfte sicherstellen müsste. Zudem wurden laut Experten die Schutzräume in der Schweiz vernachlässigt und sind laut FDP-Sicherheitspolitikerin und Nationalrätin Maja Riniker «nicht mehr auf dem Stand, auf dem sie eigentlich sein sollten». Zu Deutsch: Der Unterhalt wurde vernachlässigt, Dichtungen sind mürbe und die Kontrollen sind löchrig.

Angesichts dieser Mängel will Mauro Tuena (SVP), Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission, demnächst eine Sitzung eigens zu diesem Thema durchführen und eine «Auslegeordnung» zum Zustand des Bevölkerungsschutzes machen. Das Ziel: «Sicherstellen, dass die Schweiz gut auf einen hoffentlich nie eintretenden Ernstfall vorbereitet ist.»

Aber auch der Bund will aktiv werden: Ein Bericht zu den dringendsten Problemen beim ABC-Schutz sei in Arbeit, angedacht sei auch eine nationale ABC-Plattform. Das Babs hat bei den Kantonen allfällige Notwendigkeiten bei der Beschaffung von Schutzmaterial abgeklärt, ein neu erstelltes Konzept soll die Überprüfung der Schutzräume sicherstellen und diese wieder auf Vordermann bringen.  

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