Pfizer/Biontech und Moderna - Schutz durch mRNA-Impfung könnte jahrelang anhalten
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Pfizer/Biontech und ModernaSchutz durch mRNA-Impfung könnte jahrelang anhalten

Gute Nachrichten: Die mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna lösen im Körper eine anhaltende Immunreaktion aus, die möglicherweise über Jahre hinweg gegen das Coronavirus schützt – unter einer Bedingung.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der durch den Impfstoff von Pfizer/Biontech provozierte Impfschutz scheint jahrelang bestehen zu bleiben. 

Der durch den Impfstoff von Pfizer/Biontech provozierte Impfschutz scheint jahrelang bestehen zu bleiben.

David Young/dpa
Das berichten Forschende aus den USA im Fachjournal «Nature». 

Das berichten Forschende aus den USA im Fachjournal «Nature».

Screenshot Nature 2021
In der Studie konzentrierten sich die Forschenden auf die sogenannten Keimzentren, die sich nach einer Infektion oder einer Impfung in den Lymphknoten bilden. «Diese sind der Schlüssel zu einer anhaltenden, schützenden Immunantwort», so Studienleiter Ali Ellebedy von der Washington University in St. Louis. 

In der Studie konzentrierten sich die Forschenden auf die sogenannten Keimzentren, die sich nach einer Infektion oder einer Impfung in den Lymphknoten bilden. «Diese sind der Schlüssel zu einer anhaltenden, schützenden Immunantwort», so Studienleiter Ali Ellebedy von der Washington University in St. Louis.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Die von Pfizer/Biontech und Moderna hergestellten mRNA-Impfstoffe lösen im Körper eine lang anhaltende Immunantwort aus.

  • Das zeigt eine Studie aus den USA.

  • Die Forschenden hatten sich darin erstmals mit den Keimzentren in den Lymphknoten beschäftigt.

  • Diese geben Hinweise auf eine mögliche Schutzwirkung, ohne dass eine jahrelange Nachbeobachtung erforderlich wäre.

Wie lange ist man nach der Covid-19-Impfung geschützt? Dieser Frage sind Forschende um Ali Ellebedy, Immunologe an der Washington University in St. Louis, am Beispiel der beiden in der Schweiz zugelassenen mRNA-Impfstoffe nachgegangen. Die Antwort dürfte vor allen jenen Personen gefallen, denen regelmässige Auffrischungs-Impfungen ein Dorn im Auge sind.

Wie das Team im Fachjournal «Nature» berichtet, lösen die Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna nicht nur eine sehr starke, sondern auch eine langanhaltende Immunreaktion aus, die möglicherweise über Jahre hinweg gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 schützt. Vorausgesetzt, das Virus entwickelt sich nicht wesentlich über seine aktuelle Form hinaus. Etwas, das nicht garantiert ist, wie die Forschenden betonen.

Niedrige Fallzahlen helfen

Erst Alpha, Beta, Gamma und nun Delta. Das Coronavirus Sars-CoV-2 hat bis heute vier Mutanten hervorgebracht, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als «variants of concern» – besorgniserregende Varianten – eingestuft werden. Um zu verhindern, dass sich weitere gefährlichere Mutanten bilden, sollten Ansteckungen verhindert und die Fallzahlen niedrig gehalten werden. Denn je mehr Menschen das Virus infiziert, desto häufiger kann es sich kopieren und desto grösser ist die Gefahr, dass ein Fehler auftritt und so eine Mutation erzeugt wird. Bei hohen Fallzahlen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mutante entsteht, die dem menschlichen Organismus gefährlich wird.

Wegen der deutlich ansteckenderen Delta-Mutante empfiehlt die WHO daher auch vollständig Geimpften weiterhin Masken zu tragen. Denn «der Impfstoff allein wird die Übertragung in der Gemeinschaft nicht stoppen», so Mariangela Simao, stellvertretende Generaldirektorin der WHO während eines Briefings am 25. Juni. «Die Menschen müssen weiterhin konsequent Masken tragen, sich in belüfteten Räumen aufhalten, Handhygiene betreiben, körperlichen Abstand halten und Menschenansammlungen vermeiden.»

Bootcamps für Immunzellen

In der Studie beschäftigten sich Ellebedy und seine Kollegen vor allem mit den Lymphknoten in den Achselhöhlen ihrer Probanden. Besonders interessierten sie dabei die sogenannten Keimzentren, die sich als Folge einer natürlichen Infektion oder einer Impfung dort bilden und die Immunzellen ausstossen, die in den untersuchten Fällen gegen Sars-CoV-2 gerichtet sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezeichnen diese als «Bootcamps für Immunzellen»: um einen «Ort, an dem unerfahrene Zellen darauf trainiert werden, den Feind besser zu erkennen, und an dem die Waffen geschärft werden.»

Die Forschenden konzentrierten sich auf die Keimzentren, um mehr darüber zu erfahren, wie sich die durch die Impfstoffe angeregte Immunantwort im Körper entwickelt (siehe Box). Dabei liefert das wichtige Hinweise auf die Stärke und Beständigkeit der Immunantwort, ohne dass eine jahrelange Nachbeobachtung erforderlich wäre. «Keimzentren sind der Schlüssel zu einer anhaltenden, schützenden Immunantwort», erklärt Ellebedy. «Sie sind der Ort, an dem unser Immungedächtnis gebildet wird. Und je länger wir ein Keimzentrum haben, desto stärker und dauerhafter ist unsere Immunität, weil dort ein heftiger Selektionsprozess stattfindet und nur die besten Immunzellen überleben.»

Bisher nicht untersuchte Wirkung

Im April berichteten sowohl Pfizer/Biontech als auch Moderna, dass ihre Impfstoffe einen Schutz von mindestens sechs Monaten bieten. Ihre Berichte basierten auf der Beobachtung, ob geimpfte Personen an Covid-19 erkrankten. Andere Gruppen haben die Antikörperspiegel im Blut überwacht und kamen zu dem Schluss, dass der Impfstoff mindestens einen monatelangen Schutz bietet. Die US-Studie ist nun die erste, die das untersucht.

Im Fall der mRNA-Impfstoffe scheinen die Keimzentren erfreulich lange bestehen zu bleiben: «Wir fanden heraus, dass die Keimzentren auch 15 Wochen nach der ersten Dosis des Impfstoffs noch aktiv waren», so Ellebedy. Doch damit nicht genug: «Wir überwachen die Keimzentren immer noch, und sie nehmen nicht ab. Bei einigen Menschen sind sie immer noch aktiv. Das ist wirklich bemerkenswert.»

«Wirklich robuste Immunantwort»

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entnahmen zunächst mithilfe von Ultraschall Proben der winzigen Keimzentren aus den Lymphknoten von 14 Personen, die alle Pfizer/Biontechs Comirnaty erhalten hatten. Dies, einmal drei Wochen nach der ersten Dosis sowie in den Wochen vier, fünf und sieben. Zehn Teilnehmende gaben 15 Wochen nach der ersten Dosis noch einmal Proben ab. Keiner der Teilnehmenden war je mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert gewesen.

Die Analyse der Proben zeigte, dass sich in den Keimzentren aller 14 Teilnehmenden drei Wochen nach der ersten Dosis mit Antikörper produzierenden B-Zellen gebildet hatten, die auf ein Schlüsselprotein von Sars-CoV-2 abzielen. Die Reaktion verstärkte sich nach der Auffrischungsimpfung noch und blieb dann hoch. Selbst 15 Wochen nach der ersten Dosis hatten acht von zehn Personen noch nachweisbare Keimzentren mit B-Zellen, die gegen das Virus gerichtet waren.

«Das ist ein Beweis für eine wirklich robuste Immunantwort«, zitiert die Hochschule Ellebedys Kollegin Rachel Presti. «Das Immunsystem verwendet Keimzentren, um die Antikörper zu perfektionieren, damit sie sich gut binden und so lange wie möglich halten können. Die Antikörper im Blut sind das Endergebnis des Prozesses, aber das Keimzentrum ist der Ort, an dem er stattfindet.»

Hohe Antikörper-Spiegel

In einem weiteren Schritt untersuchten die Forschenden die Blutproben von 41 weiteren mit Comirnaty Geimpften, darunter acht Personen, die zuvor Covid-19 gehabt hatten. Die Proben waren vor der Verabreichung jeder Dosis des Impfstoffs sowie in den Wochen vier, fünf, sieben und 15 nach der ersten Dosis entnommen und ausgewertet worden.

Ergebnis: Bei Personen ohne vorherigen Kontakt mit dem Virus stiegen die Antikörperspiegel nach der ersten Dosis langsam an und erreichten eine Woche nach der zweiten Dosis ihren Höhepunkt. Menschen, die zuvor infiziert worden waren, hatten bereits vor der ersten Dosis Antikörper im Blut. Ihre Werte stiegen nach der ersten Dosis schnell an und erreichten einen höheren Spitzenwert als bei den nicht infizierten Teilnehmern.

Das zeigt laut den Forschenden, dass die Impfung mit mRNA-Impfstoffen eindeutig einen zusätzlichen Nutzen bringt – auch im Zusammenhang mit einer früheren Infektion, weshalb sie empfehlen, dass Menschen, die bereits Covid-19 hatten, den Impfstoff erhalten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse auch auf den Impfstoff von Moderna übertragen lassen – es scheine eine für mRNA-Impfstoffe typische Wirkung zu sein.

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