Schutz für den Wolf soll gelockert werden
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Schutz für den Wolf soll gelockert werden

Der Bundesrat schlägt vor, den Wolf von der Kategorie «streng geschützt» in die Kategorie «geschützt» zurückzustufen. Damit könnten wildernde Tiere schneller geschossen werden.

Mit der Rückstufung würde der Wolf künftig den gleichen Schutz geniessen wie der Luchs. Der Bundesrat hofft, dass dadurch in den Berggebieten die Akzeptanz des Wolfes steigt und die Nutztierhalter vermehrt Herdenschutzmassnahmen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig soll das Risiko von illegalen Abschüssen gesenkt werden.

Der bundesrätliche Antrag wird nun dem Ständigen Ausschuss der Berner Konvention unterbreitet. Dieser tritt zwischen dem 29. November und dem 3. Dezember in Strassburg zu seiner nächsten Sitzung zusammen.

Die Rückstufung des Wolfes entspricht einem parlamentarischen Auftrag. Der Nationalrat hatte letztes Jahr zwar eine Motion von Theo Maissen (CVP/GR), der dem Wolf den gesetzlichen Schutz entziehen wollte, abgelehnt. Gleichzeitig forderte der Rat den Bund in einem Postulat seiner Umweltkommission auf, den Spielraum der Berner Konvention auszunutzen.

Einheitliche Verhältnisse in Europa

Bei der Erarbeitung der Berner Konvention in den siebziger Jahren war der Wolf in vielen Ländern Europas bereits ausgestorben oder stand kurz vor dem Aussterben. Deshalb wurde ihm grundsätzlich der Status einer streng geschützten Tierart verliehen.

Weil aber 12 von 27 Länder, in denen Wölfe vorkommen, bei der Unterzeichung der Konvention einen Vorbehalt anbrachten, ist der Wolf dort nur «geschützt» statt «streng geschützt». Mit einer generellen Rückstufung und einem einheitlichen Schutzstatus könnten diese 12 Länder ihre Vorbehalte zum Wolf zurückziehen.

Die Wolfbestände haben sich in vielen Ländern erholt. Die Tiere haben in Europa inzwischen auch neue Gebiete besiedelt. Im Rahmen des im Jahr 2000 vom Europarat publizierten Aktionsplans für die Erhaltung der Wölfe in Europa wurden in 29 Ländern Wolfsvorkommen untersucht.

Dabei zeigte sich, dass die Bestände in 18 Ländern, darunter in der Schweiz, stabil sind oder wachsen. In sieben weiteren Ländern sind die Bestände stabil; in zwei Ländern sind sie stabil oder nehmen ab. Der Aktionsplan erwähnt ausdrücklich, dass als Mittel für ein nachhaltiges Management des Wolfs auch gezielte Abschüsse eingesetzt werden können.

Pro Natura befürchtet Imageschaden

Der Entscheid des Bundesrates schade dem Image der Schweiz auf internationaler Ebene, sagte Urs Tester, Artenschutzexperte der Umweltorganisation Pro Natura, auf Anfrage. Das Vorgehen sei zudem unsinnig, da der Wolf gemäss Jagdgesetz nach wie vor als geschützt gelte.

Auch der WWF Schweiz kritisiert den Bundesrat mit der Begründung, dessen Entscheid weise in die falsche Richtung. Schafe würden durch den Einsatz von Hirten und Hunden und nicht mit dem Gewehr geschützt, heisst es in einem Communiqué. Gezielte Abschüsse von Wölfen, die Schäden verursachten, seien auch mit dem geltenden Schutzstatus möglich. (sda)

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