Investmentbank bleibt: Schwache UBS sucht Rettung in neuer Struktur
Aktualisiert

Investmentbank bleibtSchwache UBS sucht Rettung in neuer Struktur

Die gebeutelte Grossbank verliert Kunden und Vermögen im grossen Stil. Doch statt die Kosten massiv zu senken, schneidern sich die UBS-Chefs ein neues Unternehmenskleid mit drei unabhängigen Einheiten. Können sie damit den Niedergang stoppen?

von
Lukas Hässig

Die UBS hat zum vierten Mal in Folge das Quartal mit einem Minus abgeschlossen – ein trauriger Rekord für die einst erfolgsverwöhnte Bank. Mit einem Verlust von 358 Millionen Franken sieht der Taucher im Verhältnis gnädig aus. Doch der Schein trügt. Wäre nicht eine Mehrmilliarden-Gutschrift mit Steuern verbucht, läge der Verlust auf über 4 Milliarden Franken. Noch hat die UBS nicht aus der Krise gefunden.

Bank plant weiteren Personalabbau

«Die UBS rechnet nicht damit, dass sich das negative Finanzmarktumfeld und das wirtschaftliche

Umfeld, welches das Berichtsquartal belastete, in der zweiten Jahreshälfte

verbessern wird», schreibt die Bank heute zur weiteren Zukunft. Sie rechnet damit, «den Personalbestand, die Kosten und ihre Risikopositionen weiter abzubauen».

Wer gehofft hat, dass die UBS die Wende zur Genesung schaffen würde, sieht sich eines Besseren belehrt. Der Abschluss für die Monate April bis Juni präsentiert sich rabenschwarz. Kaum ein Teilresultat liegt höher als im Vergleich zum Vorjahr, fast überall schneidet die Bank schlechter ab, zum Teil sind die Ergebnisse katastrophal.

Kunden ziehen ihr Vermögen ab

Besorgniserregend ist, dass die UBS jetzt auch im Kerngeschäft Vermögensverwaltung, das bisher die Verluste im hochriskanten US-Handelsgeschäft abschwächte, unter die Räder geraten ist. 44 Milliarden Franken beträgt der Abfluss von Vermögen in den drei Monaten der Berichterstattung, wie aus offenen Schleusen strömte das verwaltete Geld aus der UBS heraus.

Im Private Banking, wo die reichen Kunden betreut werden, lag das Minus bei gut 17 Milliarden, im Schweizer Geschäft mit den kleineren Kunden bei gut 2 Milliarden, und im Geschäft mit den Profianlegern wie Pensionskassen betrug der Rückgang über 24 Milliarden. Besonders stark sei der Abfluss im April gewesen, heisst es. Wie stark er sich inzwischen verlangsamt hat, schreibt die UBS in ihrer Mitteilung von heute morgen nicht.

In den USA, wo die UBS wegen Mithilfe zu Steuerhinterziehung beschuldigt ist, flossen allein 8 Milliarden Franken hinaus.

Die Dimension der Vermögensabflüsse wird deutlich im Vergleich mit Konkurrentin Credit Suisse. Diese meldete für das 2. Quartal einen Zufluss von 17 Milliarden. Vorbei die Zeiten, als die UBS die CS beim Neugeld um Längen schlug.

UBS im strategischen Dilemma

Der Rückgang in der Vermögensverwaltung stürzt die UBS in ein Dilemma. Sie ist auf die Erträge aus dem Kerngeschäft angewiesen, um die Probleme im Handelsteil in den USA lösen zu können. Trotz weiteren Abschreibungen und realisierten Verlusten von 5 Milliarden auf Hypothekenpapieren und anderen komplexen Wertschriften im US-Markt lag das zweite Standbein der UBS, die Investmentbank, mit über 5,2 Milliarden immer noch tief im Minus.

Ob es der UBS-Spitze gelingen wird, die schwer angeschlagene Bank aus der Krise zu führen, ist noch nicht absehbar. Statt weitere schmerzhafte Sanierungsschnitte vorzunehmen, setzen CEO Marcel Rohner und Präsident Peter Kurer auf neue Köpfe und neue Strukturen.

Aus einem Tanker werden drei kleinere Frachtschiffe

Sie schlagen Swiss-Life-Präsident und Ex-Nationalbank-Topshot Bruno Gehrig und den jungen Hedgefund-Unternehmer Rainer-Marc Frey neben zwei ausländischen Spitzenkräften als neue VR-Mitglieder vor. «Ich habe keinen Zweifel, dass alle Nominierten massgeblich zur künftigen Entwicklung und zum Erfolg von UBS beitragen werden», lässt sich Präsident Peter Kurer in der heutigen Mitteilung zitieren.

Die neuen obersten UBS-Kapitäne sollen das leck geschlagene Schiff nicht mehr als einen Tanker, sondern als drei kleinere Frachtschiffe lenken. Die Bank wird führungsmässig und organisatorisch in drei Einheiten aufgeteilt: die Vermögensverwaltung, die Investmentbank und das so genannte Asset Management für die Pensionskassen und andere Grossinvestoren. Jede dieser Einheit erhält einen eigenen Chief Executive Officer (CEO), also eine Art Konzernchef pro Konzernsparte.

«Mit diesen Massnahmen will die UBS ihre führende Stellung im Geschäft mit Kunden aus allen drei Bereichen nutzen und weiter ausbauen, für jeden einzelnen Bereich eine Plattform zur Erzielung nachhaltiger Gewinne schaffen und so den Wert des gesamten Konzerns steigern», schreibt sie in einer von drei Mitteilungen von heute Morgen.

Geht die Rechnung auf?

Damit schlägt das Führungsduo Rohner und Kurer eine Volte. Sie beenden die von ihren Vorgängern seit Jahren gepriesene Strategie der integrierten Bank und zimmern eine Finanzholding mit drei weitgehend unabhängigen Beinen. Der Gruppen-CEO Marcel Rohner wird zusammen mit einem kleinen Team von Stabsleuten die Zuteilung der Mittel an die drei Einheiten steuern und die eingegangenen Risiken in den Untereinheiten kontrollieren.

CEO Marcel Rohner zeigt sich zuversichtlich, dass die neue Ära der UBS als nicht integrierte Bank den gewünschten Erfolg bringen wird. «Mit diesen fundamentalen Änderungen in

unserem Geschäftsmodell erhöhen wir die Wirksamkeit der Führungsprozesse und -strukturen und verbessern die Art und Weise, wie unsere Geschäftsbereiche

zusammenarbeiten», wird Rohner heute morgen zitiert.

Streicht die Investmentbank bald die Segel?

In der Geschäftseinheit Vermögensverwaltung will die UBS stark investieren. Dort kann sich das Geschäft stabilisieren, sobald sich der Sturm an den Kreditmärkten gelegt und die UBS in ruhigere Gewässer gefunden hat. Hingegen stellt sich nach der strategischen Weichenstellung die Frage nach der Zukunft der Investmentbank.

In diesem Geschäft brach die Bank vor fünf Jahren auf, um an die Spitze der führenden Institute zu gelangen, sie wollte eine zweite Goldman Sachs werden. Das Resultat ist bekannt: Die Ausführung der Strategie war nicht genügend überwacht, die Risiken waren viel zu hoch, die oberste Kontrolle im VR und in der Konzernleitung hat versagt.

Wenn nun aber die Investmentbank nur noch der verlängerte Arm der Vermögensverwaltung ist, könnten die Stars dieses Geschäfts zur Konkurrenz abspringen. Die UBS schreibt heute morgen: «Die Investment Bank wird ihre Neupositionierung in Richtung kundenbezogenes Wachstum in Verbindung mit einer weiteren Reduktion der Bilanz und der Risikopositionen fortführen.» Ein Signal, dass die Investmentbank nur noch auf Zeit eine tragende Rolle bei der UBS spielen wird? Bereits haben bekannte Köpfe mit ihren Teams der Sparte den Rücken gekehrt. Der neue Chef, Jerker Johansson, muss selbst ad interim den Bereich der festverzinslichen Anlagen, wo die UBS den Grossteil der Milliardenverluste erlitten hatte, leiten.

Möglicherweise hat die UBS heute ihre Ansprüche, eine führende globale Bank zu sein, begraben.

UBS-Aktie im Steigflug

Die UBS-Aktie ist im Steigflug. Obwohl die grösste Schweizer Bank fürs zweite Quartal 2008 einen weiteren Verlust von 358 Millionen Franken und weitere Abschreibungen von 5,1 Milliarden Franken zeigte, stieg ihr Kurs im frühen Geschäft der Schweizer Börse um bis zu 3,7 Prozent auf 24,04 Franken an. Nach 45 Minuten stand der UBS-Kurs mit 23,84 Franken weiterhin 2,8 Prozent höher als am Vorabend. Gleichzeitig stand der Blue-Chips-Index SMI leicht im Minus. UBS gehörte zusammen mit fünf weiteren SMI-Werten zu den Gewinnern. Alle übrigen 14 Werte des Blue-Chips-Indexes standen leicht im Minus.

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