Luftschläge zeigen Wirkung: Schwächelt die IS-Terrormiliz?

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Luftschläge zeigen WirkungSchwächelt die IS-Terrormiliz?

Die Luftangriffe der Anti-IS-Allianz setzen der Terrorgruppe IS zu: Die Extremisten sollen deutlich weniger Öl-Einnahmen haben. Auch ihre Kommunikationswege sind gestört.

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cfr

Die Terromiliz Islamischer Staat (IS) verdient deutlich weniger als bisher angenommen. Dies berichteten «Süddeutsche Zeitung», WDR und NDR und berufen sich auf die Einschätzung des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND).

Öl war von Anfang an ein Kernstück der Wirtschafts-Strategie des IS. Die Terrormiliz kontrolliert seit Monaten Ölfelder in Ostsyrien und im Nordirak. Doch jetzt sollen die jährlichen Einnahmen der Extremisten aus dem Öl-Geschäft auf unter 100 Millionen US-Dollar gesunken sein. Das entspricht weniger als 300'000 Dollar am Tag.

Luftangriffe zeigen Wirkung

Grund dafür sollen US-Luftschläge sein: Gemäss «Süddeutsche Zeitung» könnten diese mehr als 50 Prozent der Ölverarbeitungskapazitäten des IS zerstört haben.

Schon Ende Oktober hatte die US-Regierung berichtet, dass die Luftangriffe auf Raffinerien und Ölquellen die Erlöse der Miliz aus dem Öl-Verkauf inzwischen halbiert hätten. Statt zwei Millionen Dollar wie vor Beginn der Angriffe am 8. August würden die Extremisten dadurch nur noch eine Million Dollar täglich einnehmen, wie der Staatssekretär im US-Finanzministerium, David Cohen, sagte. Den Grossteil der Erdölförderung verbrauche der IS auch mittlerweile selbst, schreibt die «Süddeutsche Zeitung».

Ausländische Experten

Ausserdem fehle es an ausländischen Experten zum Betreiben der Anlagen in Syrien und im Irak, wo die Dschihadisten weite Landstriche beherrschen. Internationale Öl- und Gasgesellschaften hätten sich laut «Süddeutsche Zeitung» schon vor Jahren aus Syrien zurückgezogen.

In Syrien soll die Regierungsarmee zudem Gasfelder und ein Gasunternehmen in der Provinz Homs aus der Gewalt der IS zurückerobert haben, jüngst das Schaar-Gasfeld.

Steuern, Entführungen, Epressung und Schmuggel

Der Terrorgruppe entgleiten somit wichtige Grundlagen ihrer Herrschaft, denn bislang zählten die Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas zu den wichtigsten Finanzierungsquellen der als reichste Terrororganisation der Welt geltenden IS.

Mittlerweile soll sich die Terrorgruppe eher über in ihrem «Kalifat» erhobene Steuern, Entführungen, Erpressung, Kunstraub, Nahrungsmittelhandel und Schmuggel anstatt über Öleinnahmen finanzieren.

US-Koalition horcht IS ab

Doch nicht nur auf die Ressourcen der Terrororganisation, sondern auch auf die Moral der Gruppe hat es die US-geführte Koalition abgesehen. Lloyd Austin, Top-Kommandeur der US-Koalition im Kampf gegen den IS, sagte gegenüber «CNN» , die Kommunikation der Terrorgruppe werde überwacht. «Wir horchen sie ab und wissen, dass unsere Präzisionsschläge demoralisierend für sie sind.»

Zudem hätten die Luftangriffe die Fähigkeit der Gruppe zu kommunizieren eingeschränkt. «Sie haben Angst, sich in einer gewissen Grösse zu formieren. Sie wissen, dass wir sie angreifen, wenn wir sie sehen können.»

Austin fügte hinzu, es gebe Anzeichen dafür, dass die Koalition die Oberhand gegen die IS-Terrormiliz gewinnt. Seiner Meinung nach wäre der Kampf gegen die Terroristen zwar langwierig, aber keine Frage von Jahrzehnten, sondern nur von Jahren.

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