Winterthur: Schwägerin und Familie mit dem Tode bedroht
Aktualisiert

WinterthurSchwägerin und Familie mit dem Tode bedroht

Nach der Verhaftung ihres Bruders hat eine Türkin ihre Schwägerin am Telefon mit dem Tode bedroht.

von
Attila Szenogrady

Am Dienstag wurde nicht geständige Anruferin zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 20 Franken verurteilt.

Am 26. Oktober 2007 spielte sich im Restaurant Burger King in Winterthur-Töss ein Ehedrama ab. Kurz vor 17 Uhr tauchte plötzlich ein wütender Türke auf und bedrohte seine Ehefrau mit einem Teppichmesser. Die alarmierte Polizei konnte Schlimmeres verhindern und versetzte den Angreifer sogleich in Untersuchungshaft. Doch damit war die Sache für die schockierte Gattin noch nicht ausgestanden.

Todesdrohung gegen ganze Familie

Bereits am nächsten Abend erhielt die Geschädigte ein Telefonat seitens ihrer Schwägerin. Die aufgebrachte Schwester beschwerte sich über die Verhaftung ihres Bruders und forderte sogleich Rechenschaft darüber. Zudem verstieg sie sich zu blanken Todesdrohungen. So warnte sie ihre Verwandte davor, die Polizei aufzusuchen. Andernfalls würde sie die Geschädigte sowie ihre ganze Familie umbringen, stellte sie in Aussicht und beendete danach den Anruf aus einer Telefonzelle abrupt.

Kurz darauf meldete sich das Opfer bei der Polizei und liess später über ihre Rechtsvertreterin Strafanzeige gegen die Schwester ihres Mannes erstatten.

Aufwändige Strafuntersuchung

Da die mutmassliche Anruferin grundsätzlich bestritt, überhaupt angerufen zu haben, folgte eine aufwändige Strafuntersuchung. Vor allem als die verfeindeten Schwägerinnen während des Verfahrens mehrere Personen als Augenzeugen ins Spiel brachten. Die Geschädigte bot eine Freundin auf. Sie soll den Anruf der Angeklagten mitverfolgt haben. Im Gegensatz zu einem Ehepaar, das zur Tatzeit bei der Angeklagten auf Besuch war und nichts von einem Telefonat gehört haben will.

Dem Opfer geglaubt

Schon das Bezirksgericht Winterthur hatte im letzen Sommer der Geschädigten geglaubt und die beschuldigte Anruferin wegen versuchter Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 500 Franken Busse verurteilt. Die dreifache Mutter legte Berufung ein und beteuerte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht erneut ihre Unschuld. Sie warf ihrer Prozessgegnerin eine Racheaktion vor, um als angebliches Opfer eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu ergattern. Auch der Verteidiger Roger Vago verlangte einen vollen Freispruch.

Allerdings erneut vergeblich. Die Oberrichter glaubten der Geschädigten und bestätigten den Winterthurer Schuldspruch einstimmig. Für das Obergericht war der Beginn der Untersuchung entscheidend. Als die Polizei die Angeklagte erstmals zum Anruf befragt hatte, war noch von keinem Besuch die Rede. Wäre sie wirklich unschuldig gewesen, hätte sie die Entlastungszeugen sogleich als rettendes Alibi vorgebracht, zeigte sich der Referent überzeugt.

Trotz der Niederlage erhielt die geschiedene Sozialhilfeempfängerin ein Trostpflaster. So senkte das Obergericht die Sanktion auf noch 90 Tagessätzen zu 20 Franken und verzichtete auf eine zusätzliche Busse. Allerdings wurden der Angeklagte die Berufungskosten von 2500 Franken auferlegt.

Der Ehemann der Geschädigten wurde im Januar 2008 aus dem Gefängnis entlassen und ist immer noch mit ihr verheiratet.

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