Aktualisiert 12.02.2020 20:50

Bussen verlieren Wirkung

«Schwänzen kostete mich 540 Fr – das wars wert»

Das Berufsbildungszentrum Schaffhausen nahm 2018 über 40'000 Franken Bussgelder fürs Schwänzen ein. Die Bussen verlieren jedoch ihre Abschreckungswirkung.

von
D. Krähenbühl
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Jeder dritte Schüler schwänzt relativ häufig die Schule, wie das Magazin des Schweizer Lehrerverbands, «Bildung Schweiz», berichtet. Wer dem Unterricht unentschuldigt fernbleibt, kann von Gesetzes wegen von gewissen Berufsschulen mit einer Busse belegt werden.

Jeder dritte Schüler schwänzt relativ häufig die Schule, wie das Magazin des Schweizer Lehrerverbands, «Bildung Schweiz», berichtet. Wer dem Unterricht unentschuldigt fernbleibt, kann von Gesetzes wegen von gewissen Berufsschulen mit einer Busse belegt werden.

Keystone/Gaetan Bally
Über 40'000 Franken waren am Berufsbildungszentrum Schaffhausen letztes Jahr, wie Rektor Christian Rohr bestätigt.

Über 40'000 Franken waren am Berufsbildungszentrum Schaffhausen letztes Jahr, wie Rektor Christian Rohr bestätigt.

Berufsbildungszentrum Schaffhausen
«Anfangs hätten die Bussen gewirkt, weniger Lehrlinge fehlten», sagt Rohr. Heute hätten die Geldstrafen nicht mehr den gewünschten Effekt.

«Anfangs hätten die Bussen gewirkt, weniger Lehrlinge fehlten», sagt Rohr. Heute hätten die Geldstrafen nicht mehr den gewünschten Effekt.

Keystone/Martin Ruetschi

Viele Schüler, Lehrlinge oder Studenten kennen das Gefühl: Man ist müde, erschöpft oder hat grundsätzlich keinen Bock auf den Unterricht. Jeder dritte Schüler schwänzt relativ häufig die Schule, wie das Magazin des Schweizer Lehrerverbands, «Bildung Schweiz», berichtet. Wer dem Unterricht unentschuldigt fernbleibt, kann von Gesetzes wegen von gewissen Berufsschulen mit einer Busse belegt werden. Über 40'000 Franken waren es am Berufsbildungszentrum Schaffhausen letztes Jahr, wie Rektor Christian Rohr bestätigt.

Wer einer Lektion unentschuldigt fernbleibt, muss tief in die Tasche greifen: 50 Franken sind es pro Lektion. «Anfangs wirkten die Bussen, weniger Lehrlinge fehlten», sagt Rohr. Heute hätten die Geldstrafen nicht mehr den gewünschten Effekt. «Einige rechnen etwa aus, was billiger kommt: den Heimflug einen Tag später nach Hause nehmen oder die Busse bezahlen», so Rohr. Aufgrund dieser Tendenz und der somit ausbleibenden Wirkung würden derzeit Anpassungen der Reglemente diskutiert – und ob es die Busse in dieser Form überhaupt noch bringt.

Tatsächlich machen sie den Lehrlingen kaum Eindruck: so etwa Shkelqim H. (19), der nach der Berufsschule 540 Franken Busse bezahlen musste, da er 54 unentschuldigte Absenzen hatte. «Trotz der Fehlstunden habe ich mit einer 5,1 abgeschlossen», sagt H. «Die Freizeit war es mir wert, die Bussen zu bezahlen.»

Automatische Mails an Lehrbetriebe

Auch die Wirtschaftsschule KV Zürich versucht derweil, Bussen möglichst zu vermeiden: «Seit einigen Jahren tragen Lehrer die An- und Abwesenheiten und grobe Verspätungen auf einer Plattform ein, die dann abends automatisch E-Mails an die Lehrbetriebe auslöst», sagt Rektor Christian Wölfle. «Fehlt jemand regelmässig unentschuldigt, kann ab dem zweiten Mal Schwänzen ein Verweis ausgesprochen werden», sagt Wölfle. Das wiederum kostet mitsamt Gebühren 180 Franken. Wölfle: «Die Massnahme hat signifikant dazu beigetragen, dass die Quote der Schulschwänzer abgenommen hat.»

Den gleichen Weg wähle seit diesem Jahr die Berufsfachschule Uster, sagt Rektor Otto Schlosser: «Die digital erfassten Absenzen werden automatisch via Mail an die zuständigen Berufsbildenden der Lehrbetriebe gemeldet.» Dank dem Verfahren und der engen Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb könnten allfällige Abwesenheiten geklärt werden. Schlosser: «Deshalb gehen wir davon aus, dass keine Bussen mehr verfügt werden müssen.»

Bussen im Umfang von 60'000 Franken

An Geldstrafen festhalten will indes die Berufsschule Aarau. Dort wurden Lehrlinge und Studenten letztes Jahr mit Bussen in Höhe von 60'000 Franken belegt, wie Rektor Paul Knoblauch bestätigt. «Die Schule ist Teil der Arbeitszeit.» Wer unentschuldigt fernbleibe, zahle pro Lektion darum 10 Franken. «Wer einen ganzen Tag schwänzt, zahlt unter Umständen also 90 Franken.»

Bussen könnten auch ausgesprochen werden, wenn jemand regelmässig die Hausaufgaben nicht mache oder zu spät komme. Das Geld fliesse aber nicht an die Schule, sondern in einen Fonds für die über 3000 Lehrlinge. «Damit werden Sportanlässe, Exkursionen, Projekte oder Theaterbesuche finanziert», sagt Knoblauch. «Wir kaufen damit keine Beamer.» Wer sich an die Regeln hält, kann profitieren. «Und das sind viele», sagt Knoblauch.

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