Unter Mordverdacht: Schwager von Nadia A. schreibt Psychothriller
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Unter MordverdachtSchwager von Nadia A. schreibt Psychothriller

Nach dem Tod der Tessiner Lehrerin Nadia A. hat die Polizei deren Schwager wegen Mordverdachts verhaftet. Dieser hat die Tat teilweise gestanden.

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Die Polizei hat im Zusammenhang mit dem Tod einer Tessiner Lehrerin deren Schwager verhaftet. Er soll ihre Leiche unter Sträuchern in einem Waldstück in Italien versteckt haben.

Die Polizei hat im Zusammenhang mit dem Tod einer Tessiner Lehrerin deren Schwager verhaftet. Er soll ihre Leiche unter Sträuchern in einem Waldstück in Italien versteckt haben.

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Links die getötete Lehrerin Nadia A. und rechts ihr Schwager M. E. - er steht unter Mordverdacht und hat offenbar ein Teilgeständnis abgelegt.

Links die getötete Lehrerin Nadia A. und rechts ihr Schwager M. E. - er steht unter Mordverdacht und hat offenbar ein Teilgeständnis abgelegt.

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Rechtsmediziner untersuchen den Fundort der Leiche unweit der Schweizer Grenze an einem Waldrand zwischen Cantello und Rodero in Italien.

Rechtsmediziner untersuchen den Fundort der Leiche unweit der Schweizer Grenze an einem Waldrand zwischen Cantello und Rodero in Italien.

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Die Tessiner Polizei hat in der Nacht auf Mittwoch einen Mann im Zusammenhang mit dem Tod der Lehrerin Nadia A.*aus Stabio verhaftet. Dabei handelt es sich um M.E.*, den Schwager des Opfers. E. wurde auf dem Weg von Italien in die Schweiz am Zoll in Gaggiolo aufgegriffen. Er steht unter Mordverdacht und soll die Leiche auch versteckt haben, wie die Polizei am Mittwochmittag an einer Pressekonferenz bekannt gab.

Der 42-Jährige hat bereits ein Teilgeständnis abgelegt. Er sagt, er habe seine tote Schwägerin am Freitagabend in der Wohnung von Nadias Mutter gefunden. Er habe seine Schwiegermutter dann vom Anblick ihrer toten Tochter verschonen wollen und den Leichnahm ihrer Tochter deshalb über die Grenze gefahren und in den Wald gelegt. E. hat auch eine E-Mail im Namen von Nadia an die weiteren Familienangehörigen geschickt, um die Abwesenheit der 35-Jährigen zu rechtfertigen. Der Inhalt dieser Nachricht ist nicht bekannt. Bei seiner Haftung trug E. ausserdem Gegenstände von Nadia auf sich. E. gab zudem an, er habe am selben Abend mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter in einem Restaurant im Grenzgebiet zu Abend gegessen.

E. ist Schweizer Bürger und wohnt in Coldrerio. Geboren wurde er im italienischen Brescia, schreibt «Blick». Der Familienvater ist ausserdem als Informatiker an der Fachhochschule Südschweiz (Supsi) in Manno angestellt. Dort ist er aber seit mehreren Tagen nicht mehr zur Arbeit erschienen. Die Leitung der Supsi wollte auf Anfrage von 20 Minuti keine Stellung nehmen.

«Er hatte mit Nadia eine tolle Beziehung»

Nebst seiner Leidenschaft für Informatik liest M.E. gerne Thriller, Stephen King ist sein Lieblingsautor. Laut 20 Minuti hat er selbst einige solche Bücher verfasst, veröffentlicht wurde bisher aber noch keines. «Blick» schreibt, E. habe einen seiner Psychothriller «Licht und Schatten» genannt. Und: In einem Buch wird seine Romanheldin zur Serienkillerin. Anwohner aus der Region nennen ihn einen «ruhigen und sehr zurückhaltenden Mann».

Ein Freund beschreibt ihn als «schüchtern, gebildet, aus guter Familie und freundlich. Mit Nadia hatte er eine tolle Beziehung, sie standen sich sehr nahe.» Er selbst beschreibt sich auf seiner Website folgendermassen: «Ich liebe es, zu schreiben, zu lesen, Basketball mit Freunden zu spielen und ich bin ein Kino-Fan.»

«Sie hätte niemals freiwillig Drogen genommen»

Das Opfer Nadia A. wurde am Sonntag wenige Schritte von der Schweizer Grenze entfernt im italienischen Rodero tot aufgefunden. Gemäss ersten Untersuchungen starb die 35-Jährige an einem Lungenödem. Die Polizei geht derzeit von einer Vergiftung oder Überdosis aus.

Freunde von A. bezweifeln diese Vermutung: «Sie war eine zierliche Frau, sie wog wohl nicht einmal 50 Kilogramm», sagt eine Freundin der Toten. Sie sei äusserst vorsichtig gewesen und habe nicht einmal Aspirin genommen, sondern nur auf homöopathische Mittel zurückgegriffen.

«Sie hätte nie freiwillig irgendeine Art von Droge genommen», sagt ein weiterer Bekannter. Sie sei eine sehr bodenständige Frau gewesen und habe nie etwas mit gefährlichen Substanzen zu tun gehabt. Die genauen toxikologischen Ergebnisse folgen erst in den nächsten 30 Tagen. Laut 20 Minuti könnte sie auch mit einem Plastiksack über dem Kopf erstickt worden sein.

In der Nacht auf Samstag ums Leben gekommen

Die Leiche von A. aus Stabio wurde von einer Reiterin entdeckt – sie lag unter Sträuchern versteckt. Die Lehrerin war für die Jahreszeit äusserst merkwürdig gekleidet: Sie trug weder eine Jacke noch Schuhe. Ihre Socken hingegen waren intakt. Details, die laut Polizei darauf hinweisen, dass die Frau erst nach ihrem Tod in dieses Waldstück gebracht wurde. A. ist laut den Behörden wohl in ihrem Zimmer im Haus ihrer Mutter ums Leben gekommen. Gegen die Mutter wurde noch keine Untersuchung eröffnet.

Zuletzt gesehen wurde die 35-Jährige am Freitagabend. Am Montagmorgen erschien sie nicht in der Schule. Wenige Stunden nach ihrem Verschwinden meldeten die Mutter, die Schwester und der Freund der Lehrerin sie bei der Polizei als vermisst. Die Polizei vermutet, dass A. in der Nacht auf Samstag ums Leben kam.

*Namen der Redaktion bekannt.

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