Pakistan: Schwangere von eigener Familie gesteinigt
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PakistanSchwangere von eigener Familie gesteinigt

Weil sie ihren Verlobten gegen den Willen ihrer Familie heiratete, ist eine schwangere Frau von ihren Verwandten gesteinigt worden. Die Familie wollte die 25-Jährige mit deren Cousin vermählen.

Witwer Mohammad Iqbal trauert um seine tote Frau, die in ein Leichentuch gewickelt wurde.

Witwer Mohammad Iqbal trauert um seine tote Frau, die in ein Leichentuch gewickelt wurde.

Die 25-Jährige wurde am Dienstag vor einem Gericht in der Stadt Lahore am helllichten Tag und vor den Augen zahlreicher Schaulustiger von etwa 20 Verwandten, darunter ihr Vater und ihre Brüder, mit Steinen und Knüppeln angegriffen und getötet, wie Polizei und ihr Anwalt erklärten.

Die Frau war seit mehreren Jahren gegen den Willen ihrer Familie mit einem 45-jährigen verwitweten Mann verlobt und hatte ihn kürzlich geheiratet, wie Anwalt Mustafa Kharal erklärte. Ihr Vater habe daraufhin vor Gericht eine Klage wegen Entführung angestrengt, gegen die sich das Paar zur Wehr setzte.

Nach einer Anhörung hätten die Familienangehörigen zunächst mehrere Schüsse abgegeben und versucht, die Frau ihrem Ehemann zu entreissen. Als sie sich gewehrt habe, hätten sie sie angegriffen und geschlagen und schliesslich mit Ziegelsteinen von einer nahe gelegenen Baustelle beworfen.

Nach Polizeiangaben stellte sich der Vater des Opfers nach der Tat. Als Motiv nannte er die verletzte Ehre seiner Familie. «Ich habe meine Tochter getötet, weil sie unsere gesamte Familie beleidigt hat, indem sie einen Mann ohne unser Einverständnis geheiratet hat. Ich habe kein Bedauern deswegen», wurde er von einem Polizeisprecher zitiert. Wegen Mordes sei der Vater inhaftiert worden. Die Polizei arbeite daran, auch die anderen Beteiligten dieses «heimtückischen Verbrechens» dingfest zu machen.

Im dritten Monat schwanger

Der Ehemann erklärte, seine Frau sei im dritten Monat schwanger gewesen. «Wir haben uns geliebt», sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press. Der Familie seiner Frau unterstellte er finanzielle Motive. Sie hätten ihn um viel Geld erleichtern wollen, bevor er die Frau hätte heiraten dürfen. «Ich habe sie einfach zu einem Gericht mitgenommen und die Ehe registrieren lassen», sagte er. Das habe die Familie wütend gemacht.

Nach Angaben der privaten Organisation Menschenrechtskommission für Pakistan wurden im vergangenen Jahr 896 sogenannte Ehrenmorde in Pakistan verübt. Gewalt gegen Frauen ist in Pakistan weit verbreitet. Die Täter kommen oft mit milden Strafen oder sogar ungeschoren davon. Gründe sind mangelhafte Ermittlungsarbeit und die Tatsache, dass die Familien solche Fälle nicht weiterverfolgen lassen, wie der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Zia Awan erklärt. (sda)

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