Nach Vergewaltigung: Schwangeres Kind denkt, es habe Stein im Bauch
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Nach VergewaltigungSchwangeres Kind denkt, es habe Stein im Bauch

Das Schicksal einer vergewaltigten Zehnjährigen, die nicht abtreiben darf, bewegt ganz Indien. Das Mädchen selbst weiss nicht, dass es ein Kind erwartet.

von
mlr
Allein im Jahr 2015 wurden in Indien 20'000 Menschen vergewaltigt - im Bild protestieren Aktivistinnen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Allein im Jahr 2015 wurden in Indien 20'000 Menschen vergewaltigt - im Bild protestieren Aktivistinnen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Keystone/AP/Tsering Topgyal

Über sieben Monate war ein zehnjähriges Mädchen aus dem indischen Chandigarh von seinem Onkel missbraucht worden. Dass ihre Tochter schwanger war, bemerkten die Eltern erst, als diese über Bauchschmerzen klagte und ins Spital eingeliefert wurde. Vor anderthalb Wochen entschied der Oberste Gerichtshof in Indien, dass die Zehnjährige nicht abtreiben darf, weil die Schwangerschaft zu weit fortgeschritten und der Eingriff zu gefährlich sei.

Vor dem vergewaltigten Kind wird die Schwangerschaft bislang geheim gehalten. Wie die BBC berichtet, glaubt das Mädchen, sein immer grösser werdender Bauch rühre daher, dass es einen Stein im Magen habe. Der Sender hat mit den Eltern und weiteren in den Fall involvierten Personen gesprochen.

«Sie hat keine Ahnung, was passiert ist»

Mahavir Singh von der Behörde für Rechtsberatung in Chandigarh hatte mit der Familie zu tun und ist schockiert: «Wir haben viele Fälle von schwangeren Jugendlichen im Alter von 14 oder 15 Jahren gesehen, aber das hier ist der erste Fall einer Zehnjährigen, den ich kenne», sagt der Behördenmitarbeiter.

Während der Peiniger des Mädchens im Gefängnis sitzt und auf seinen Prozess wartet, befindet sich die Zehnjährige im letzten Schwangerschaftsdrittel. Am 28. Juli, zum Zeitpunkt des Urteils, das die Abtreibung untersagte, war sie bereits in der 32. Woche. Ihre Eltern hatten die Schwangerschaft erst drei Wochen zuvor bemerkt. «Sie ist sehr unschuldig und hat keine Ahnung, was mit ihr passiert ist», zitiert die BBC einen Bekannten.

Ihre Eltern, so der Sender, hatten die Schwangerschaft lange nicht bemerkt, weil ihre Tochter ein «gesundes, pummeliges Kind» sei. Bekannte beschreiben sie als schüchtern und nicht sehr gesprächig, aber als Kind, das gerne lächelt. Die Schülerin liebt Mathematik, Englisch und Zeichnen und schaut in ihrer Freizeit Cartoon-Serien.

Baby kommt per Kaiserschnitt

Mit dem Kind zu sprechen, sei heikel – niemand wolle ihm verraten, was wirklich los sei. Die Zehnjährige bekommt eine Spezialdiät aus Eiern, Milch, Früchten, Fisch und Hühnchen und scheint die Zuwendung zu geniessen. Doch wie es im September reagieren, welche Schäden es davontragen wird, wenn das Baby im September zur Welt kommt, ist unklar. Das Baby soll per Kaiserschnitt zur Welt kommen, danach will die Familie der Zehnjährigen mit dem Säugling nichts mehr zu tun haben. Das Baby wird vermutlich zur Adoption freigegeben.

Die Familie kommt aus einfachen Verhältnissen und lebt in einer Einzimmerwohnung. Indische Medien belagern seit Wochen das Haus, einige geben sich sogar als Sozialarbeiter aus, um an Informationen über die Zehnjährige zu gelangen. «Sie versteht vielleicht nicht das konkrete Problem, den Ernst der Situation, aber ich denke, mittlerweile ahnt sie etwas», zitiert die BBC einen hohen Beamten.

Als sei die Tochter ermordet worden

Die Eltern sind am Boden zerstört. Der Vater fordert die Todesstrafe für den Cousin seiner Frau, der das Kind vergewaltigt hat. Eine Polizistin beschreibt das Paar als «sehr nette Familie, die so schlicht ist, dass sie nicht realisierte, was der Mann ihrer Tochter antat». Die Mutter weine jeden Tag, so die Beamtin, und der Vater fühle sich, als sei sein Kind ermordet worden.

In Indien wird laut «Daily Pakistan» alle 155 Minuten ein Kind unter 16 Jahren vergewaltigt, alle 13 Stunden trifft es ein Kind unter zehn Jahren.

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