Umfrage Sex-Vokabular: «Schwanz» und «Muschi» sind in aller Munde
Aktualisiert

Umfrage Sex-Vokabular«Schwanz» und «Muschi» sind in aller Munde

Wenn Schweizer über Sex reden, wählen sie dafür nicht unbedingt die edelsten Wörter aus - vor allem die Männer. «Doktor Sex» dagegen soll doch bitte ein Blatt vor den Mund nehmen.

von
Viktoria Weber

Penis oder Schwanz? Vulva oder Muschi? Um herauszufinden, ob, mit wem und vor allem wie die Schweizer über das Thema Sex reden, lancierte 20 Minuten Online eine grosse Umfrage, an der 10 637 Personen teilnahmen. Der Einstieg fiel ihnen angeblich schon mal nicht schwer: 84 Prozent der Männer gaben an, dass es ihnen «leicht» oder «eher leicht» falle, über Sex zu sprechen, bei den Frauen wählten über 81 Prozent diese Antworten.

Auch auf die Frage, wie leicht es ihnen fällt, mit dem Partner oder der Partnerin oder mit dem besten Freund oder der besten Freundin über Sex zu reden, antworteten die meisten Befragten «leicht» oder «eher leicht». Ein überraschendes Ergebnis für «Doktor Sex» alias Bruno Wermuth: In seinen Beratungen stellt er immer wieder fest, dass es den Menschen alles andere als leicht fällt, mit dem Partner über Sex zu reden.

Wieso Penis wenn auch Schwanz geht?

Hat man sich aber mal dazu entschieden, über Sex zu reden - egal wie gern oder ungern man das tut - welche Worte dazu verwenden? Eines wird deutlich: Vor allem die Männer reden frei drauf los. So nennen 53 Prozent - und damit die Mehrheit - der männlichen Befragten ihr bestes Stück ganz einfach «Schwanz». Diesen Begriff würden aber nur 40,5 Prozent der Frauen wählen, sie bevorzugen den medizinischen Ausdruck «Penis».

Ähnlich verhält es sich bei dem weiblichen Geschlechtsorgan. Dieses nennen 56,2 Prozent der Männer «Muschi», nur 36,2 Prozent der Frauen schliessen sich an. Die Mehrheit der weiblichen Befragten bevorzugt den Begriff «Scheide». Vergleichbar ist auch die Frage nach der weiblichen Oberweite. Während sich 77,5 Prozent der Frauen für das Wort «Brüste» entscheiden, sind es bei den Männern nur 58,3 Prozent. Denn ein knappes Drittel der Männer sagt dazu - unabhängig von Kontext und Gesprächspartner - «Titten».

Beim Gesäss sind sich Mann und Frau recht einig: 70 Prozent nennen es «Arsch». Geht es um den Darmausgang sagt ebenfalls eine deutliche Mehrheit von 57, 4 Prozent «Arschloch».

Frauen und ältere Menschen sind prüder

Bei den meisten Begriffen wird aber doch wieder deutlich, dass Frauen die etwas zurückhaltenderen Begriffe nutzen. So zum Beispiel beim Geschlechtsakt. Rund 66 Prozent der Frauen sagen «Sex haben» oder «miteinander schlafen», bei den Männern sind es nur 40 Prozent. Dafür sagen die männlichen Befragten zu 23,8 Prozent «ficken». Nicht mal halb so viele Frauen bringen dieses Wort über die Lippen. Ähnlich auch die Begriffe für die Selbstbefriedigung beim Mann. Sagt die Mehrheit der Männer (44,6 Prozent) einfach «wichsen», wählen bei den Frauen nicht mal 20 Prozent diesen Begriff. Und spricht man über Analverkehr, sagen immerhin ein knappes Drittel der Männer «arschficken», bei den weiblichen Befragten sagt dies nicht mal ein Fünftel.

Vergleicht man bei all den erfragten Begriffen die Antworten der unterschiedlichen Altersklassen, wird klar: Je jünger desto versauter (oder offener), je älter desto anständiger (oder verklemmter).

Vorstellungen einer «heilen Welt»?

Wenn unsere Leser mit Kindern über Sexualität sprechen, dominieren ganz eindeutig und unabhängig vom Geschlecht die «harmloseren» Begriffe, wie: «Penis», «Scheide», «Brüste», «Hintern» oder «Po», «Anus» oder «Poloch», «Liebe machen» oder «miteinander schlafen».

Und auch in den Beratungstexten von «Doktor Sex» wünschen sich die Leser eine zurückhaltendere Sprache. Es dominieren die ebengenannten Begriffe, wie man sie bei Kindern verwendet. Paradox, wenn man bedenkt, dass die jüngeren Leute - und damit die Zielgruppe von 20 Minuten Online - die weitaus versauteren Begriffe verwenden. Auch hier sind die Männer aber wieder etwas offener: Finden nur 15,4 Prozent der Frauen, dass der Experte «Muschi» sagen darf, so stimmen hier 37,4 Prozent der Männer zu. Finden nur 7 Prozent der Frauen «Titten» in Ordnung, ist hier sogar ein Viertel der Männer einverstanden. 7,5 Prozent der Frauen würden «ficken» durchgehen lassen, bei den Männern sind es mit 21,6 Prozent auch hier deutlich mehr. Sind nur 13,3 Prozent der Frauen mit dem Begriff «wichsen» einverstanden, sind es bei den Männern mehr als das Doppelte.

Wieso sind Frauen so deutlich zurückhaltender? Und wieso spricht man mit Kindern anders, wenn früher oder später doch wieder die «versauteren» Begriffe aufkommen. Wovor wollen wir Kinder beschützen? Und wieso soll «Doktor Sex» eine völlig andere Sprache verwenden als die Menschen, die sich mit ihren Sorgen an ihn wenden? Schreiben Sie Ihre Einschätzungen ins Kommentarfeld!

Hier die am häufigsten verwendeten Begriffe:

1. Schwanz (49,8 %)

2. Penis (33,3 %)

1. Einen Ständer haben (34,9%)

2. Eine Latte haben (22,5 %)

1. Muschi (51,0 %)

2. Scheide (22,8 %)

1. Brüste (63,3 %)

2. Titten (25,7 %)

1. Arsch (69,8 %)

2. Po (13,6 %)

1. Arschloch (57,4 %)

2. Anus (21,0 %)

1. Sex haben (32,2 %)

2. Ficken (20,2 %)

1. Wichsen (38,2 %)

2. Einen runterholen (25,2 %)

1. Ihm einen blasen (63,9 %)

2. Blowjob (20,5 %)

1. Sie lecken (73,4 %)

2. Sie oral befriedigen (12,2 %)

1. Analsex haben (35,1 %)

2. Arschficken (28,5 %)

Befragungsdaten:

An der nicht repräsentativen Studie nahmen 10 637 Personen teil. Davon 7877 Männer und 2760 Frauen.

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