Aktualisiert 23.06.2015 17:03

Dylann RoofSchwarze Freunde und rassistische Witze

«Er sagte uns gerade heraus, dass er so etwas machen wolle». Mehr Details - und Widersprüche - rund um den mutmasslichen Todesschützen von Charleston.

von
chk/bru
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Der mutmassliche Neunfach-Mörder Dylann Roof ist am 19. Juni 2015 per Video im Gerichtssaal im amerikanischen Charleston erschienen. Er wurde erstmals vorgeladen. (Centralized Bond Hearing Court)

Der mutmassliche Neunfach-Mörder Dylann Roof ist am 19. Juni 2015 per Video im Gerichtssaal im amerikanischen Charleston erschienen. Er wurde erstmals vorgeladen. (Centralized Bond Hearing Court)

Keystone/AP
Dabei konnten sich die Familienangehörigen der Todesopfer direkt an Roof wenden. Einige vergeben ihm und hoffen, dass er für seine Taten Reue zeigt.

Dabei konnten sich die Familienangehörigen der Todesopfer direkt an Roof wenden. Einige vergeben ihm und hoffen, dass er für seine Taten Reue zeigt.

AFP/joe Raedle
Er soll in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston neun Menschen erschossen haben: Dylann Roof (21).

Er soll in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston neun Menschen erschossen haben: Dylann Roof (21).

Chuck Burton

Nach den Todesschüssen auf neun Afroamerikaner in einer Kirche in South Carolina verdichten sich die Hinweise auf ein rassistisches Motiv des mutmasslichen Täters Dylann Roof. Überlebende des Anschlages berichten, ein junger Mann habe Roof angebettelt, mit dem Schiessen aufzuhören. Daraufhin habe dieser erwidert: «Ihr vergewaltigt unsere Frauen. Ihr nehmt unser Land. Ich muss das tun.» Dann habe Roof den jungen Mann erschossen.

Bekannte von Roof erzählen Ähnliches: Roof habe gewettert, dass Schwarze «die Welt erobern» und etwas für die «weisse Rasse» getan werden müsse, sagte sein ehemaliger Schulfreund, Joseph Meek, der Nachrichtenagentur AP.

«Er sagte uns, dass er so etwas machen wollte»

Gleichwohl zeigen sich Widersprüche: Roof lebte in einer kleinen Gemeinde in South Carolina, die mit einem Anteil von 90 Prozent stark afroamerikanisch geprägt war. Der 21-Jährige habe entsprechend viele schwarze Freunde und Bekannte gehabt, berichtet sein ehemaliger Klassenkamerad.

Das bestätigt auch ein Blick auf Roofs' Facebook-Account: Viele seiner 88 Facebook-Freunde sind Schwarze – und dennoch präsentiert sich Roof auf seinem Profilbild finster dreinblickend in einer Jacke mit den aufgenähten Flaggen der früheren Apartheidstaaten Rhodesien und Südafrika. Zudem habe Roof immer wieder rasstisch gefärbte Witze erzählt und sich als «stolzer Südstaatler» ausgegeben. «Er war ein Befürworter der Segregation», so Meek.

Zuletzt habe sein Freund Kommentare zur Tötung des unbewaffneten schwarzen Teenagers Trayvon Martin und den Unruhen in Baltimore nach demTod von Freddie Gray abgegeben.

Roofs' Mitbewohner Dalton Tyler sagte: «Er sagte uns gerade heraus, dass er so etwas machen wolle. Aber er war etwas merkwürdig, man wusste nicht, wann man ihn ernst nehmen musste.» Deswegen hätten er und andere Freunde Roofs' Kommentare als dessen schwarzgefärbten Humor abgetan.

Schwarz gekleidet in der Mall

Nach Aussagen seiner Kollegen nahm Roof unter anderem verschreibungspflichtige Medikamente zu sich. Das dürfte auch der Hintergrund für zwei kurze Festnahmen in diesem Jahr gewesen sein: Roof sei schwarz gekleidet und wohl unter Einfluss von Drogen in einem Einkaufszentrum herumgehangen. Er habe mit seinem Benehmen Verkäuferinnen verschreckt, sie anch ihren Adressen und Arbeitsplänen gefragt. Sicherheitsleute hätten ihn deswegen der Polizei übergeben.

Roof zurück in South Carolina

Roof wurde gestern wenige Stunden nach seiner Festnahme einem Richter vorgeführt. Dieser verfügte in einer kurzen Sitzung, den jungen Mann per Flugzeug für die Untersuchungshaft und das Gerichtsverfahren nach South Carolina zurückzubringen.

In der Politik wurden nach der Bluttat Forderungen nach Konsequenzen laut. Es sei einmal mehr deutlich geworden, dass die USA sich dem Problem der Waffengewalt stellen müssten, sagte US-Präsident Obama. Zu oft habe er ans Mikrofon gehen müssen, um die Opfer jener zu betrauern, die sich ohne Probleme eine Waffe beschafft hätten. «Irgendwann werden wir uns als Land mit der Tatsache auseinandersetzen müssen, dass diese Art der Massengewalt in anderen hoch entwickelten Ländern in dieser Häufigkeit nicht vorkommt», fügte er hinzu.

«Was steckt dahinter?»

Auch Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton redete ihren Landsleuten ins Gewissen. «Wie viele unschuldige Menschen in unserem Land - von kleinen Kindern über Kirchenmitglieder bis hin zu Kinobesuchern -, müssen noch massakriert werden, bevor wir handeln?,» fragte die Demokratin in Las Vegas. Mit Blick auf das mögliche Motiv des Schützen von Charleston fügte sie hinzu: «Wenn ich die Worte Hass und Wut höre, die sich gegen unsere Mitmenschen richten, frage ich mich: 'Was steckt dahinter?'»

Der mutmassliche Täter Dylann Roof wird von Polizisten eskortiert: Shelby City Police Department in Shelby, S.C.. (Video: WSOCTV9/Storyful) (chk/bru/dapd)

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