Regionalwahlen: Schwarze Iraker eifern Obama nach
Aktualisiert

RegionalwahlenSchwarze Iraker eifern Obama nach

Am Wochenende finden Regionalwahlen im Irak statt. Erstmals tritt die afrikanisch-stämmige Minderheit mit einer eigenen Partei an. Inspiriert wurde sie durch die Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten.

von
Peter Blunschi

Schwarze im Irak? Es gibt sie tatsächlich. Wie die Afroamerikaner wurden sie einst als Sklaven ins Land geholt, die ersten vor 1500 Jahren. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt. Die Mehrheit, etwa 300 000 Menschen, lebt in der südlichen Provinz Basra. In der überwiegend schiitischen, ölreichen Region führen die meisten von ihnen ein Leben in bitterer Armut. Viele sind Analphabeten. Sie fühlen sich als Opfer von Diskriminierung und Rassismus durch die arabische Bevölkerung, oft werden sie immer noch als «Sklave» bezeichnet.

Die Regierung in Bagdad ignoriert die Probleme: «Es gibt keinen Rassismus im Irak», sagte ein Sprecher der Zeitung «The Times». Nicht zuletzt deshalb wollen die Afro-Iraker ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Erstmals treten acht von ihnen zu einer Wahl an. Am Wochenende werden in 14 der 18 Provinzen die Parlamente gewählt. Die Schwarzen haben dafür die Partei «Free Movement of Iraqis» gegründet. Ermutigt wurden sie durch Barack Obamas Kandidatur für die US-Präsidentschaft.

Irak braucht einen Wandel

«Wir haben Obamas Botschaft des Wandels gehört», sagte Parteisekretär Jalal Dhiab gemäss «USA Today». «Irak braucht diesen Wandel im Verhältnis zu seiner dunkelhäutigen Bevölkerung. Unsere Brüder müssen uns akzeptieren.» Schwarze würden nach wie vor als nicht fähig betrachtet, mit Verantwortung verbundene Positionen einzunehmen. so Dhiab gegenüber der «Times». Deshalb könnten viele sich nicht einmal leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken.

Grosse Chancen hat die Partei der Schwarzen allerdings nicht. Für die 35 Sitze im Parlament von Basra bewerben sich 1800 Kandidaten. Die Afro-Iraker kandidieren zudem auf der Liste eines sunnitischen Politikers, weil sie sich die Anmeldegebühr für eine eigenständige Beteiligung nicht leisten konnten. Sala al-Qais, einer der Kandidaten, gab gegenüber «USA Today» zu, dass seine Erfolgsaussichten gering sind: «Selbst wenn wir nicht gewinnen, ist es ein sehr wichtiger erster Schritt für uns.»

Optimismus und Skepsis

Ähnlich äusserte sich der 37-jährige Ali Sayed Abud, ein weiterer Kandidat, den seine Freunde «Obama von Basra» nennen. Obwohl er einen Abschluss eines Technologie-Instituts besitzt, muss er als Schweisser arbeiten. Er ist überzeugt, dass er wegen seiner Hautfarbe keine Stelle im öffentlichen Dienst bekommt. «Ich will für einen Wandel sorgen», so Abud. «Präsident Obama hat uns motiviert. Wenn ich anfangs noch gezögert habe, mich zu engagieren, so habe ich nun keine Zweifel mehr.»

Der 57-jährige Shihab Musat, der einen einzigen Raum mit 14 Familienmitgliedern teilen muss, äusserte sich gegenüber «USA Today» dagegen skeptischer: «Ich hoffe, Obama bringt die irakischen Führer dazu, die Schwarzen mit Respekt zu behandeln. Doch mein Leben war nicht viel anders als das meines Vaters, und ich erwarte nicht, dass es meinen Söhnen viel besser gehen wird.»

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