Medienskandal: «Schwarze Künste» dürften teuer werden
Aktualisiert

Medienskandal«Schwarze Künste» dürften teuer werden

Der Promi-Abhörskandal in Grossbritannien dürfte für Medienmogul Rupert Murdoch finanzielle Folgen haben. Seine Anwälte rüsten sich für eine Flut von Schadenersatz-Klagen.

von
Peter Blunschi

Die Zeitung «Guardian» hatte enthüllt, dass das Revolverblatt «News of the World», das zu Rupert Murdochs News Group gehört, die Handys von bis zu 3000 Prominenten gehackt und ihre Voicemail-Nachrichten abgehört hat. Anwälte ermutigen nun die Opfer gemäss dem «Independent», auf Schadenersatz zu klagen. Unter den Betroffenen sind Schauspielerin Gwyneth Paltrow und Model Elle MacPherson sowie Londons Bürgermeister Boris Johnson und Alex Ferguson, Manager von Manchester United.

Für Murdochs Verlag dürfte die Affäre sehr kostspielig werden. Denn laut «Guardian» hat die News Group bereits eine Million Pfund «Schweigegeld» bezahlt. Der Löwenanteil von 700 000 Pfund ging an Gordon Taylor, den Vorsitzenden der Profifussballer-Vereinigung. Rupert Murdoch behauptete am Mittwoch gegenüber der Agentur Bloomberg, er habe von der Zahlung nichts gewusst: «Wenn sie geschehen wäre, wüsste ich darüber Bescheid.»

Was wusste der Chefredaktor?

Verantwortliche der News Group versuchten, den Skandal als Produkt einer «ausser Kontrolle geratenen Redaktion» darzustellen. Bereits 2006 war eine erste Abhöraffäre bei «News of the World» aufgeflogen: Clive Goodman, ein für die königliche Familie zuständiger Reporter, hatte mit Hilfe des Privatdetektivs Glenn Mulcaire die Mobiltelefone von drei Palastmitarbeitern angezapft. Chefredaktor Andy Coulson trat zurück, beteuerte aber, er habe von den Machenschaften nichts gewusst.

Insider bezweifelten gegenüber dem «Guardian» diese Darstellung. «Wenn man Dinge wie Mobilnummern und Telefonrechnungen wollte, musste man eine Bewilligung einholen, denn solche Informationen bekommt man nicht gratis», sagte ein ehemaliger Reporter von «News of the World». Leute wie Mulcaire würden «nicht gratis arbeiten». Bei der Zeitung habe es ein Arsenal an fragwürdigen Methoden gegeben, die intern als «schwarze Künste» bekannt waren, und Andy Coulson sei im Zentrum gewesen, so ein anderer Ex-Reporter gegenüber der BBC: «Er arbeitete nicht im Elfenbeinturm.»

Staatsanwaltschaft schaltet sich ein

Coulson arbeitet heute als PR-Chef für den konservativen Oppositionsführer David Cameron. Der hält noch zu ihm, doch die Rufe nach seinem Rücktritt werden immer lauter. Vor allem die regierende Labour-Partei sieht die Chance zur Revanche für den Abgang von Damien McBride. Der Berater von Premierminister Gordon Brown musste vor einigen Wochen den Hut nehmen, weil er via E-Mail mit einem Blogger über eine mögliche Schmierenkampagne gegen konservative Politiker diskutiert hatte.

Unter Beschuss geraten ist auch Scotland Yard: Der «Guardian» äusserte den Verdacht, die Polizei habe die Affäre aus Rücksicht auf den mächtigen Murdoch-Konzern vertuschen wollen. Nun hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Es solle überprüft werden, ob in dem Fall alle notwendigen Schritte eingeleitet worden seien, sagte Oberstaatsanwalt Keir Starmer. Die Polizei schloss am Donnerstag jedoch aus, die Ermittlungen erneut aufzunehmen, da die Beweise dazu nicht ausreichten.

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