Krankenkassen: Schwarze Listen für Prämiensünder floppen
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KrankenkassenSchwarze Listen für Prämiensünder floppen

Neun Kantone registrieren Versicherte, die ihre Krankenkassenrechnungen nicht bezahlen. Warum sich jetzt einige davon abwenden.

von
ij
Wer nicht zahlt, erhält keine medizinische Behandlung mehr: Sanitäter bringen eine Patientin ins Notfallzentrum des Inselspitals Bern. (Symbolbild / 8.4.2013)

Wer nicht zahlt, erhält keine medizinische Behandlung mehr: Sanitäter bringen eine Patientin ins Notfallzentrum des Inselspitals Bern. (Symbolbild / 8.4.2013)

Keystone/Gaetan Bally

Wer seine Krankenkassenprämie nicht bezahlt, kommt in manchen Kantonen auf eine schwarze Liste. Diese soll eine abschreckende Wirkung haben. Nun denken erste Kantone darüber nach, das Experiment wieder abzubrechen, berichtet die «NZZ».

Das Projekt habe nicht gehalten, was man sich von ihm versprochen habe, so Bruno Bischof, Leiter des Sozialversicherungsamtes Schaffhausen. Die Liste ist mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden und verursacht Kosten von 100'000 Franken.

Laut dem Krankenkassenverband Santésuisse sei es zudem nicht erwiesen, dass der Aufwand zu finanziellen Einsparungen führe, heisst es im Bericht weiter. Die Kantone Aargau, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Solothurn, Thurgau, Tessin und Zug führen ebenfalls Prämiensünderregister.

Grüne kritisieren Folgekosten

In Luzern kritisieren die Grünen die Liste. Sie führe zu hohen Folgekosten, weil säumige Zahler nur im Notfall zum Arzt gehen. Allerdings stellt sich der Luzerner Gesundheitsdirektor hinter das Projekt. Im Vergleich zu früher würden die Krankenkassen weniger Betreibungen melden, so Guido Graf zur «NZZ».

Im Kanton Solothurn warnen die Behörden Betroffene vor dem Eintrag auf die Liste. Viele bezahlen die Rechnung dann. Früh einzugreifen lohnt sich für die Gemeinden, weil sie teure Betreibungen verhindern können.

Es gibt aber auch Stimmen, die nicht mit einem Rückgang der Prämiensünder rechnen. Susanna Schupisser vom Thurgauer Amt für Gesundheit warnt, dass sich eine immer grössere Bevölkerungsschicht die steigenden Prämien nicht mehr leisten könne.

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