Aktualisiert 25.05.2010 16:18

Effretikon ZH

Schwarze Magie: Ex-Frau beinahe erwürgt

Unter dem Einfluss von schwarzer Magie will ein afrikanischer Hilfsarbeiter seine Schweizer Ex-Frau beinahe erwürgt haben. Das Bezirksgericht Pfäffikon sah darin keine Entlastung und setzte eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren fest.

von
Attila Szenogrady

In der Nacht auf den 29. Januar 2009 spielten sich in einer Wohnung in Effretikon dramatische Szenen ab. Ein heute 36-jähriger Hilfsarbeiter aus Guinea ging plötzlich mit einem Rüstmesser auf seine um ein Jahr jüngere Schweizer Ex-Frau los. Die körperlich unterlegene Geschädigte hatte keine Chance und lag schon bald auf dem Küchenboden. Der Angreifer setzte sich auf ihren Rücken und rammte ihr das Messer in den rechten Oberschenkel. Ein zweiter Stich gegen den Bauchbereich misslang, da die Klinge aus dem Schaft fiel.

Ex-Frau bewusstlos gewürgt

Dann packte der Angeklagte seine frühere Lebenspartnerin am Hals und würgte sie mehrere Sekunden lang massiv. Bis sie das Bewusstsein verlor. Als sie kurz darauf erwachte, startete der Täter eine erneute Attacke. Wiederum richtete er das Messer gegen sie und schlug ihren Hinterkopf sechsmal gegen den Boden. Schockierter Zeuge des Verbrechens war der siebenjährige Sohn der längst zerstrittenen Eltern. Wenigstens bekam er mit, wie seine erheblich verletzte Mutter aufstehen und aus der Wohnung fliehen konnte. Wenig später traf die Polizei ein und nahm seinen Vater fest.

Schwarze Magie als Tatmotiv

Der verhaftete Westafrikaner benannte schwarze Magie als Tatmotiv. So sei er zwei Wochen vor dem Vorfall am Hauptbahnhof in Zürich einer unbekannten Person begegnet. Diese habe ihn so verzaubert, dass er nicht mehr sich selbst und nicht mehr normal gewesen sei, gab er zu Protokoll. Die Geschädigte sprach von reichlich banaleren Gründen: Sie und ihr Ex-Mann hätten sich wegen ausstehenden Geldbeträgen für das gemeinsame Kind gestritten, erklärte sie. Zudem habe er sie noch während der Ehe im Frühjahr 2007 zwei Mal gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen, fuhr sie fort.

Fünf Jahre Knast verlangt

Letzte Woche stand der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Pfäffikon. Wegen Gefährdung des Lebens, Körperverletzung sowie mehrfacher Vergewaltigung drohte ihm eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Am Prozess kam heraus, dass der Angeklagte seit über zehn Jahren in der Schweiz lebt und abgesehen von zwei kleineren sowie weit zurückliegenden Vorstrafen über einen guten Leumund verfügte. Vor allem an seinen Arbeitsplätzen, wo er stets als fleissiger und zuverlässiger Angestellter beschrieben wurde. Die Beziehung zu seiner langjährigen Frau bezeichnete er vor Gericht als gut. Man habe sich auch nach der Scheidung im Sommer 2008 immer wieder in Effretikon getroffen, sagte er.

Bei den Vorwürfen gab er die Lebensgefährdung unumwunden zu und entschuldigte sich dafür. Nicht aber für die vorgebrachten zwei Vergewaltigungen, die er als pure Erfindungen seiner Ex-Frau hinstellte. So auch seine Verteidigerin, die sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten einsetzte.

Hohe Strafe

In seinem am Dienstag eröffneten Urteil ist das Bezirksgericht Pfäffikon im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Es verurteilte den Angeschuldigten in allen Punkten und setzte eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren fest, abzüglich der 475 bereits abgesessenen Hafttage. Die leichte Strafsenkung war wohl auf das Teilgeständnis zurückzuführen. Der Angeklagte wurde verpflichtet, Schmerzensgelder zu entrichten: 7000 Franken für seine Ex-Frau, 4000 Franken für seinen traumatisierten Sohn.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.