16.05.2016 08:27

MitgliederschwundSchwarzen Cowboys von New York droht das Ende

Im klassischen Western-Film ist der Cowboy stets weiss. Nicht so in der Millionenmetropole New York.

von
V. Dobnik
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Es gibts sie wirklich: schwarze Cowboys. Und es gibt sie in New York. Doch im Jahr 2016 ist der Fortbestand des Verbands schwarzer Cowboys in Gefahr. Er verliert Mitglieder und Ställe.

Es gibts sie wirklich: schwarze Cowboys. Und es gibt sie in New York. Doch im Jahr 2016 ist der Fortbestand des Verbands schwarzer Cowboys in Gefahr. Er verliert Mitglieder und Ställe.

AP/Seth Wenig
Die Black Cowboys unterlagen beim Bieterwettbewerb um die neue Lizenz der Gruppe GallopNYC, die Reittherapien für Behinderte anbieten und die Ställe im August übernehmen.

Die Black Cowboys unterlagen beim Bieterwettbewerb um die neue Lizenz der Gruppe GallopNYC, die Reittherapien für Behinderte anbieten und die Ställe im August übernehmen.

AP/Seth Wenig
Die Ställe liegen am Rande von Queens an einer Hauptverkehrsstrasse zum Flughafen Kennedy.

Die Ställe liegen am Rande von Queens an einer Hauptverkehrsstrasse zum Flughafen Kennedy.

AP/Seth Wenig

Sie wollen so gar nicht in die Millionenmetropole New York passen: Dabei sind die Mitglieder des Verbands Schwarzer Cowboys echt. Sie betreiben Ställe und Koppeln am Rande von Queens. Ihre Mission: den Stadtkindern die Geschichten zu erzählen von den tausenden schwarzen Cowboys, die einst durch den Wilden Westen ritten.

«Wenn die Kinder uns sehen, mit unseren Fransenjacken und den Stiefeln, dann werden sie das ein Leben lang nicht vergessen», sagt Verbandspräsidentin Kesha Morse. Doch damit könnte es bald vorbei sein: Dem Verband gehen die Mitglieder aus, 18 sind es nur noch.

Reittherapie statt Cowboys

Und er verliert seine Ställe, die Cedar Lane Stables am Rande einer Hauptverkehrsstrasse zum Flughafen Kennedy. Die Black Cowboys unterlagen beim Bieterwettbewerb um die neue Lizenz der Gruppe GallopNYC. Diese bietet Reittherapien für Behinderte an und wird die Ställe im August übernehmen. Die Gruppe hat aber angekündigt, die Pferde der Cowboys gegen eine Vergütung weiterhin unterzubringen. Trotzdem bleibt die Zukunft der Cowboys unklar.

Die Cowboys geniessen die Ställe und ihre Umgebung. «Beim Reiten fühlt man sich frei», sagt Arthur «J.R.» Fulmore. Der 68-Jährige aus North Carolina war einst Automechaniker. «Ein Cowboy zu sein bedeutet, gut und ehrlich zu den Menschen zu sein und geradeheraus.» Sein Kollege Ellis «Mountain Man» Harris (78) wuchs auf einer Farm in Virginia auf, wurde Schweisser in New York und kam in den 70er-Jahren zu den Black Cowboys, nachdem er ein Rodeo in Harlem gesehen hatte.

«Mama» ist eine von drei Cowgirls

Anführerin der Cowboys ist die ehemalige Beamtin Kesha Morse. Die anderen Reiter nennen sie «Mama». Sie ist eine von drei Frauen unter den Mitgliedern des Verbands, von denen es bei der Gründung 1998 noch 60 gab.

Die Lizenz für die Cedar Lane Stables wurde vor drei Jahren ausgesetzt, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, das gut 45'000 Quadratmeter grosse Gelände und einige der Tiere seien vernachlässigt worden. 2012 starben sechs Pferde. Die Cowboys erklären, dafür seien einzelne Tierhalter verantwortlich gewesen, nicht der Verband. Dennoch mussten die Mitglieder damals ihre Tiere verlegen. Einige kehrten auch später nicht zurück.

Die Ställe wurden renoviert und die Cowboys bekamen 2014 ihre Lizenz zurück, unter der Bedingung, dass sie für das Wohl der Tiere direkt verantwortlich sind. 400 Dollar pro Pferd und Monat bezahlen sie heute.

Der Hufschmied als Hoffnungsträger

Für die Hoffnung des Verbands steht Marquise Jemmott, mit 22 Jahren das jüngste Mitglied. Er ist Hufschmied und lernte den Beruf von Tom Hannaberry, einem Meister seines Fachs. Hannaberry kümmerte sich über 30 Jahre lang um die Pferde in Cedar Lane.

Verbandspräsidentin Morse plant nun eine Zukunft an der Seite von GallopNYC, aber sie ist noch nicht sicher, welche Rolle ihr Verband dabei spielen soll. Sie hofft, dass einige junge Mitglieder neu hinzukommen. Die jungen Leute könnten dabei helfen, die Tiere zu pflegen und die Ställe instand zu halten, während sie gleichzeitig weg von den Strassen kämen, wo Drogen und Gewalt manche ihrer Altersgenossen das Leben kosten. «Bei einem Cowgirl oder einem Cowboy geht es um mehr als die Kleidung», sagt Morse. «Es bedeutet, die Ärmel hochkrempeln und hart arbeiten zu können.

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