Schwarzer Deutscher halb tot: Täterstimmen bald im Netz
Aktualisiert

Schwarzer Deutscher halb tot: Täterstimmen bald im Netz

Nach dem rassistischen Angriff auf einen afrikanischstämmigen Deutschen in Potsdam fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Bisher gibt es aber nur drei vage Spuren.

Ärzte bezeichneten den Zustand des Opfers, eines in Äthiopien geborenen Ingenieurs, weiter als lebensbedrohend. Der in Potsdam lebende zweifache Vater liegt im künstlichen Koma. Der 37-Jährige hatte bei dem Überfall am frühen Ostersonntag ein Schädel-Hirn-Trauma und Knochenbrüche erlitten.

Hoffnungen setzen die Ermittler vor allem auf die Stimmen der vermutlich zwei Schläger. Sie waren von einer Handy-Mailbox aufgezeichnet worden, weil der Überfallene gerade seine Ehefrau anrufen wollte. Das Brandenburger Landeskriminalamt werde die Stimmen von Nebengeräuschen isolieren und im Internet veröffentlichen, kündigte Polizeisprecher Rudi Sonntag an. Auf der Mailbox war zu hören, wie die Täter ihr Opfer als «Nigger» und «blödes Schwein» beschimpft hatten.

Die Staatsanwaltschaft geht deshalb von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus und ermittelt wegen versuchten Mordes und Raubes. Die Schläger sollen auch 200 Euro und einen Schlüsselbund gestohlen haben. Sie waren vom Tatort, einer Strassenbahn-Haltestelle in der Innenstadt, geflüchtet, als ein Taxifahrer dem Überfallenen zu Hilfe kam. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile 5.000 Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.

Das Opfer schwebte am Dienstag trotz einer Schädeloperation am Vortag weiter in Lebensgefahr. Der Zustand des Mannes habe sich aber stabilisiert, sagte der ärztliche Direktor des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, Hubertus Wenisch. Er bleibe zunächst im künstlichen Koma, in das er wegen seiner schweren Hirnverletzung versetzt worden war.

Bereits am Montagabend hatten spontan etwa 400 Menschen in Potsdam gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt demonstriert. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach von «einer neuen Qualität der rechtsextremistischen Gewalt». «Dass jemand so brutal an einer Haltestelle zusammengeschlagen wird, dass er um sein Leben fürchten muss, das hatten wir so bislang nicht», sagte der SPD-Politiker. (dapd)

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