Aktualisiert 07.11.2013 12:42

«Wie Besamungsboxen»

Schwarzer kritisiert Zürcher Strichplatz scharf

Die deutsche Feministin und Journalistin Alice Schwarzer sieht die Schweiz in Sachen Prostitution nicht als Vorbild. Sie vergleicht die Sexboxen mit Tierhaltung.

«Verrichtungsboxen für Menschen aufstellen, die aussehen wie die Besamungsboxen für Kühe?» Alice Schwarzer hat keine Freude an den Zürcher Sexboxen.

«Verrichtungsboxen für Menschen aufstellen, die aussehen wie die Besamungsboxen für Kühe?» Alice Schwarzer hat keine Freude an den Zürcher Sexboxen.

Die Zürcher «Verrichtungsboxen» erinnern Alice Schwarzer an Tierhaltung. Sie seien überhaupt kein Vorbild. Im Gegentei: Die Feminstin propagiert Bussen für Freier, wie sie neuerdings in Deutschland und Frankreich diskutiert werden.

Vor gut einer Woche hat Schwarzers Zeitschrift «Emma» einen Appell gegen Prostitution als «moderne Sklaverei» lanciert. Darin fordern die bisher 3500 Unterzeichnenden unter anderem eine Eindämmung der Prostitution und die Bestrafung von Freiern.

Die «Weltwoche» wollte nun von Schwarzer wissen, weshalb sie gegen die Prostitution mobil mache und nicht stattdessen von der Schweiz lernen wolle. «Von der Schweiz lernen?», fragt Schwarzer zurück. «Verrichtungsboxen für Menschen aufstellen, die aussehen wie die Besamungsboxen für Kühe? Sie glauben wohl, nur weil Sie das Problem nicht mehr sehen, existiert es nicht mehr?»

Ohne Käufer kein Markt

Als notwendig erachtet Schwarzer hingegen eine Debatte über die Menschenwürde der Frauen und Mädchen in der Prostitution. Die Frauen sollen straffrei bleiben und Ausstiegshilfen angeboten bekommen. «Und in einem zweiten Schritt müssen wir auch von Verboten für Freier reden. Denn erst die Freier schaffen ja die Prostitution. Ohne Käufer kein Markt.» Den Freiern gehe es nicht um Begehren, sondern darum, Macht über die Frauen auszuüben.

Prostitution sei wie Sklaverei - auch diese gebe es noch immer auf dieser Welt, «aber kein demokratischer Staat würde mehr wagen, Sklaverei zu dulden, zu verharmlosen oder gar zu propagieren». Genau dies geschehe aber in der Schweiz und in Deutschland.

Zeit für Eindämmung der Prostitution

Die Zeit für eine Eindämmung der Prostitution ist für Schwarzer deshalb reif - «und das gilt für die Schweiz ganz sicher nicht weniger als für Deutschland».

Schwarzer verweist auf Schweden. Das Land habe mit der Bestrafung von Freiern gute Erfahrungen gemacht. Erst vor wenigen Tagen hat zudem in Frankreich der Rat für Gleichstellungsfragen gefordert, das Aufsuchen einer Prostituierten als Straftat einzustufen. (sda)

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