647 Jobs weg: Schwarzer Tag für den Arbeitsmarkt
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647 Jobs wegSchwarzer Tag für den Arbeitsmarkt

Gleich vier Schweizer Industrie-Unternehmen haben einen Stellenabbau bekanntgegeben: Betroffen sind Hinwil (ZH), Bühler (AR), Herisau (AR) und Lausanne (VD).

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whr
Hunderte von Stellen weg an einem Tag. Auf die Regionalen Arbeitsvermittlungzentren kommt viel Arbeit zu.

Hunderte von Stellen weg an einem Tag. Auf die Regionalen Arbeitsvermittlungzentren kommt viel Arbeit zu.

Die Hiobsbotschaften von Entlassung mehren sich in der Schweiz. Nach Banken und der Pharmabranche sind jettzt immer mehr auch Industrie-Unternehen betroffen. Am Dienstag haben vier Firmen einen Abbau von insgesamt 647 Stellen bekannt gegeben.

Der Bauglashersteller Glassolutions Schweiz will seinen Standort in Hinwil ZH auf Ende Jahr schliessen. Wie die zum weltgrössten Baustoffkonzern Saint-Gobain gehörende Firma am Dienstag mitteilte, sind 72 Mitarbeiter betroffen. Ein freiwilliger Sozialplan bestehe.

Das Unternehmen reagiert nach eigenen Angaben auf einen seit Jahren anhaltenden starken Absatzrückgang bei dem in Hinwil hergestellten Sicherheitsglas. Die Frankenstärke intensivierte den Rückgang noch drastisch. Eine Trendumkehr erwartet Glassolutions nicht.

Die Produktionsstandorte in Kreuzlingen TG und Romont FR sind nicht berührt. In Hinwil verlieren durch den Schliessungsentscheid 72 Personen ihre Stelle. Sie haben die Möglichkeit, im 20-tägigen Konsultationsverfahren Vorschläge zur Betriebserhaltung zu machen.

75 Stellen bei Eschler-Gruppe in Bühler (AR)

Steigender Preisdruck und der Zerfall der Margen zwingen die Eschler-Gruppe zu einem Stellenabbau. Bis Mitte 2012 verschwinden 75 Stellen. Ausserdem prüft das Ostschweizer Textilunternehmen die Schliessung der Standorte in Bühler AR und Münchwilen TG.

Die Produktion soll in die bestehenden Tochtergesellschaften in Deutschland und Thailand verlagert werden, wie das Textilunternehmen am Dienstag in einem Communiqué mitteilte. Am Standort Bühler wird ein Technologie- und Innovationszentrum für Spezialtextilien entstehen.

In der Schweiz gehen damit in mehreren Etappen bis Mitte 2012 rund 75 Arbeitsplätze verloren. Die geplante Restrukturierung der Gruppe sei die Folge der massiv verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch die Stärke des Schweizer Frankens wirke sich erschwerend aus, hiess es weiter. Eschler Schweiz weist einen Exportanteil von fast 80 Prozent aus.

Die Eschler-Gruppe mit Hauptsitz im ausserrhodischen Bühler ist seit 84 Jahren in der Ostschweiz tätig. Das Familienunternehmen mit über 160 Mitarbeitenden an vier Produktionsstätten stellt funktionale Textilien her. Bekannt wurde Eschler als Stofflieferant für die Schweizer Skinationalmannschaft.

420 Stellen bei Bobst in Lausanne (VD)

Der starke Franken und die weltweit stagnierende Nachfrage veranlassen den Westschweizer Verpackungsmaschinenhersteller Bobst, Teile seiner Produktion auszulagern. Dadurch werden bis Mitte 2013 rund 420 der weltweit 5300 Arbeitsstellen gestrichen.

Der grösste Teil des Stellenabbaus betrifft die Produktionsstandorte bei Lausanne, wie es am Dienstag in einem Communiqué hiess. Zu Entlassungen wird es laut Bobst nicht kommen, da der Stellenabbau mit der Auflösung temporärer oder befristeter Arbeitsverträge, mit frühzeitigen Pensionierungen und der üblichen Personalfluktuation durchgeführt werde.

Zudem führt Bobst im Januar für ein halbes Jahr Kurzarbeit ein, womit das Unternehmen beabsichtigt, so viel Personal wie möglich bis zum erwarteten Nachfrageanstieg zu behalten. Von der Umstrukturierung nicht betroffen seien die Lehrlinge und die Entwicklungsabteilung, teilte das Unternehmen mit.

80 Stellen bei Huber Suhner in Herisau (AR)

Beim Kabelhersteller Huber Suhner ist der Umsatz in den ersten neun Monaten um 1 Prozent auf 594 Mio. Fr. geschrumpft. Verantwortlich dafür sind eine Bereinigung bei den Produkten und vor allem der starke Franken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Um der Frankenstärke zu trotzen, baut das Unternehmen in Herisau AR rund 80 Stellen ab und verlagert sie nach Polen und Tunesien. Dabei handelt es sich um einfachere Montagearbeitsplätze.

(whr/sda)

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