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80 Franken sind zu viel«Schwarzfahrer» hebelt Bussensystem aus

Ein Passagier mit Zweitklassbillet in der 1. Klasse eines Regionalzuges mit Selbstkontrolle wird gebüsst und fühlt sich ungerecht behandelt. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) erhört seine Beschwerde und fordert nun eine Änderung des Bussensystems.

Gegenüber Radio DRS sagte BAV-Sprecher Gregor Saladin am Montag, dass die Tarife der Transportunternehmen - also auch der SBB - nach Verschulden differenziert werden müssten. Ein Schwarzfahrer müsse anders gebüsst werden als beispielsweise ein Passagier mit einem Ticket in der falschen Klasse.

Der Passagier hatte die Höhe der Zuschlags von 80 Franken kritisiert, den er hatte zahlen müssen. Dieser ist gleich hoch, wie wenn er ganz ohne Billett unterwegs gewesen wäre.

SBB unzufrieden

Die SBB ist mit dem Entscheid des BAV jedoch nicht einverstanden. Es kann nicht sein, dass jemand ein Ticket 2. Klasse löst und dann 1. Klasse fährt», sagte Sprecher Roland Binz. Der Reisende nutze in diesem Fall eine Dienstleistung, für die er nicht bezahlt habe. Man könne ja auch nicht mit einem Ticket Zürich-Bern von Lausanne nach Basel fahren, so Binz weiter. Die SBB wollen deshalb vorerst an ihrer Praxis festhalten und von Fahrgästen, die ohne gültiges Billett in der 1. Klasse reisen, einen entsprechenden Zuschlag verlangen.

Die SBB berufen sich dabei auf das Transportgesetz und den Tarif des öffentlichen Verkehrs. Der Entscheid des BAV sei nicht rechtskräftig, da die SBB den Entscheid voraussichtlich durch das Bundesverwaltungsgericht beurteilen lassen werden, sagte Binz weiter.

Verband prüft die Möglichkeit einer Änderung

Gleichzeitig prüft der Verband öffentlicher Verkehr (Vöv), ob unterschiedliche Zuschläge für Reisende ohne Billett und für solche mit einem Billett für die falsche Klasse möglich seien. Sollte es tatsächlich zu einem Grundsatzentscheid kommen, hätte dies Auswirkungen auch auf die anderen Verkehrsbetriebe in der Schweiz. Sicher ist gemäss SBB-Sprecher Binz, dass die Zuschläge in beiden Fällen - also für Reisende ohne Billett und für solche mit einem Billett für die falsche Klasse - die Kosten, die Reisende ohne gültigen Fahrausweis verursachen, nicht decken.

Die SBB rechnen nicht damit, dass der BAV-Entscheid vermehrt zu Reisenden ohne gültigen Fahrausweis in der 1. Klasse führt. Auch eine Häufung von Beschwerden gegen das Zuschlagssystem der SBB wird nicht erwartet, so Roland Binz.

(sda/amc)

SBB-«Bussenkatalog»:

Reise ohne gültigen Ausweis in der Selbstkontrolle:

1. Fall CHF 80.–

2. Fall CHF 120.–

weitere Fälle CHF 150.–

Im Fernverkehr werden zusätzlich zum Billettpreis CHF 30.– Zuschlag erhoben.

Bei Missbrauch von Fahrausweisen, Angabe falscher Personalien und Fälschung von Billetten sind hohe Gebühren zu bezahlen. Die strafrechtliche Verfolgung behalten sich die SBB vor.

Zahlungserinnerung +CHF 40.–

Missbrauch +CHF 100.–

Fälschung +CHF 200.–

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