Aktualisiert 02.09.2015 06:28

Geteiltes Konto

Schwarzseher kosten Netflix Millionen

Netflix verliert durch Kunden, die sich einen Account teilen, viel Geld. Dagegen vor geht das Unternehmen allerdings nicht – vorläufig.

von
F. Lindegger
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Seit rund einem Jahr ist Netflix auch in der Schweiz verfügbar. Inzwischen hat das Unternehmen die Preise für das Standardangebot auf 14.90 Pro Monat erhöht.

Seit rund einem Jahr ist Netflix auch in der Schweiz verfügbar. Inzwischen hat das Unternehmen die Preise für das Standardangebot auf 14.90 Pro Monat erhöht.

AP/Elise Amendola
Die Nutzungsbedingungen verbieten dies zurzeit nicht explizit. Im Bild: Reed Hastings, CEO von Netflix, bei einem Anlass zum Schweizer Start im September 2014 in Zürich.

Die Nutzungsbedingungen verbieten dies zurzeit nicht explizit. Im Bild: Reed Hastings, CEO von Netflix, bei einem Anlass zum Schweizer Start im September 2014 in Zürich.

Keystone/Walter Bieri
Viele Kunden von Netflix teilen sich bereits bisher ein Konto, um Serien wie House of Cards (Bild) zu sehen. Mit der Preiserhöhung könnte dies noch weiter verbreitet werden.

Viele Kunden von Netflix teilen sich bereits bisher ein Konto, um Serien wie House of Cards (Bild) zu sehen. Mit der Preiserhöhung könnte dies noch weiter verbreitet werden.

Nathaniel E. Bell

Mitte August hat der Streaming-Dienst Netflix seine Preise für das Standard-Abo in der Schweiz erhöht. Statt wie bisher 12.90 kostet das Abo neu 14.90 pro Monat – jedenfalls für Neukunden. Bestehenden Kunden verspricht Netflix, dass sich am Preis während eines Jahrs nichts ändern wird.

Mit den höheren Preisen dürfte wohl auch die Versuchung steigen, sich die Kosten für ein Netflix-Konto mit einem Kollegen zu teilen. Denn mit dem Standard-Abo von Netflix können mit zwei Geräten gleichzeitig Filme und Serien geschaut werden. Viele Nutzer von Streaming-Diensten wie Netflix scheinen das bereits jetzt zu tun: Verschiedene Studien beziffern den Anteil an Personen, die ihre Zugangsdaten mit mindestens einer Person ausserhalb des Haushalts teilen, auf bis zu 50 Prozent. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Perks Associates bezifferte den so verursachten Ausfall an Einnahmen fürs Jahr 2015 weltweit auf 500 Millionen Dollar für die Video-Streaming-Dienste.

Nur für Familie oder auch Freunde?

Bei Netflix ist es allerdings nicht ganz klar, wer überhaupt alles den Dienst nutzen darf. Die Optionen, bei welchen mehrere Personen gleichzeitig Serien und Filme schauen können, richten sich eigentlich an Familien: «Netflix ist ein Videostreaming-Service für Familien und bietet unterschiedliche Abonnements an, damit Familien den Account innerhalb ihres Haushalts teilen können», liess das US-Unternehmen der «Welt» ausrichten.

Laut Netflix-Nutzungsbedingungen «sollte der Kontoinhaber das Passwort oder die Angaben zur gewählten Zahlungsmethode nicht mit Dritten teilen». Explizit verboten scheint das Teilen eines Accounts mit Personen, die nicht im selben Haushalt leben, also nicht zu sein. Allerdings heisst es in den Nutzungsbedingungen auch: «Der Netflix-Dienst und sämtliche Inhalte, die über den Dienst angesehen werden, sind ausschliesslich für die persönliche und nicht kommerzielle Nutzung bestimmt.»

Persönliche Nutzung entscheidend

Fällt aber die Weitergabe der Konto-Informationen an Freunde auch noch unter den persönlichen Gebrauch? Ja, solange eine enge persönliche Verbindung zum Kollegen vorhanden sei, sagt der auf IT-Recht spezialisierte Jurist David Rosenthal: «Die Login-Daten in einem Internet-Forum anzubieten, wäre sicher nicht erlaubt. Nutze ich aber einen Account mit einem guten Freund, gehört das zum persönlichen Gebrauch.» Verantwortlich sei letztlich aber immer jene Person, die den Vertrag abgeschlossen hat, und diese könnte auch für Verstösse gegen die Nutzungsbedingungen belangt werden, so Rosenthal.

Auch wenn Netflix bis anhin das Teilen eines Kontos nicht explizit verboten hat, ist es gut möglich, dass die Nutzungsbedingungen künftig entsprechend verschärft werden. Vorläufig ist der Dienst aber aber vor allem darauf bedacht, möglichst viele Nutzer zu gewinnen. Und bei Netflix hofft man wohl, dass nichtzahlende Schwarzseher früher oder später zu zahlenden Kunden werden.

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