Fehlentscheide getroffen – Schweden bekommt für Corona-Politik ein schlechtes Zeugnis – mit Grund
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Fehlentscheide getroffenSchweden bekommt für Corona-Politik ein schlechtes Zeugnis – mit Grund

Späte Reaktion, unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und mangelnde Bereitschaft: In einem Zwischenbericht übt die schwedische Corona-Kommission scharfe Kritik am Management der Pandemie.

von
Karin Leuthold
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Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell steht in der Kritik: Am 29. Oktober 2021 veröffentlichte eine Corona-Kommission einen Bericht, in dem das Management der Regierung untersucht wird.

Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell steht in der Kritik: Am 29. Oktober 2021 veröffentlichte eine Corona-Kommission einen Bericht, in dem das Management der Regierung untersucht wird.

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Schweden sei schlecht vorbereitet gewesen und habe zu langsam reagiert, die ersten Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das Virus zu stoppen oder seine Ausbreitung auch nur deutlich zu verlangsamen.

Schweden sei schlecht vorbereitet gewesen und habe zu langsam reagiert, die ersten Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das Virus zu stoppen oder seine Ausbreitung auch nur deutlich zu verlangsamen.

via REUTERS
Ende Oktober hatte die Zahl der Corona-Toten in Schweden die Marke von 15’000 überschritten. Ein Grund dafür: Die ersten Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das Virus zu stoppen oder seine Ausbreitung auch nur deutlich zu verlangsamen.

Ende Oktober hatte die Zahl der Corona-Toten in Schweden die Marke von 15’000 überschritten. Ein Grund dafür: Die ersten Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das Virus zu stoppen oder seine Ausbreitung auch nur deutlich zu verlangsamen.

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Darum gehts

  • Eine Corona-Kommission in Schweden hat die Leistung der Regierung während der Pandemie untersucht.

  • Was lief schlecht, damit Schweden über 15’000 Corona-Tote hat?

  • Mehrere Faktoren führten dazu – vor allem die langsame Reaktion der Gesundheitsbehörde.

Ein offizieller Bericht hat der schwedischen Regierung ein schlechtes Zeugnis für ihre Corona-Politik ausgestellt. Schweden sei schlecht vorbereitet gewesen und habe zu langsam reagiert, hiess es in einem Zwischenbericht der Corona-Kommission, der am Freitagmittag vorgestellt wurde. Die ersten Schutzmassnahmen hätten nicht ausgereicht, um das Virus zu stoppen oder seine Ausbreitung auch nur deutlich zu verlangsamen.

Schweden hatte in Europa und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt, weil die Behörden vergleichsweise zurückhaltend auf die Pandemie reagierten und auf Lockdowns weitgehend verzichteten. Die Regierung betonte stattdessen das persönliche Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. Die Kommission betrachtet das allerdings nun als Fehlentscheid. Ein Überblick, was alles schief gelaufen ist.

Früh informiert, nichts getan

Dem Bericht zufolge erfuhr die Regierung die Information, dass Schweden bereits Ende Januar 2020 mit einer ernsten Krise konfrontiert werden könnte, auf die es nicht vorbereitet sei.

Lange keine Schutzausrüstung

Das schwedische Amt für Gesundheit hatte im Februar 2020 einige kleinere Käufe von Schutzausrüstungen getätigt, aber weder das Amt noch die Regierung haben irgendeine Initiative ergriffen, um Informationen über die Situation in den Gesundheits- und Sozialdiensten der einzelnen Gemeinden einzuholen. Erst Mitte März wurde das Gesundheitsamt damit beauftragt, für genügend Schutzausrüstung zu sorgen.

Reisen nicht eingeschränkt

Die Kommission kommt auch zu dem Schluss, dass das Coronavirus in der ersten Märzwoche durch Reisen, vor allem aus Italien und Österreich, nach Schweden gelangte. Die Ausbreitung des Virus sei wahrscheinlich auch viel grösser gewesen als die Behörden damals angaben.

Nicht reagiert, während andere schon Massnahmen ergriffen

Massnahmen zu einem frühen Zeitpunkt zu treffen, sei für die Ausbreitung der Pandemie entscheidend gewesen, so die Kommission. Während Dänemark und Norwegen bereits am 11. und 12. März strenge Massnahmen ergriffen und die finnische Regierung den Ausnahmezustand beschloss, blieb die schwedische Regierung untätig.

Unklar, wer Verantwortung trägt

Der Bericht kritisierte, die Gesetze des Landes seien unzureichend gewesen. Zudem habe das dezentral organisierte Kontrollsystem zu Unklarheiten darüber geführt, wer die Gesamtverantwortung trage, wenn eine Pandemie das ganze Land erfasse.

Die Tatsache, dass das schwedische Gesundheitssystem die Pandemie bewältigt hat, sei vor allem dem Gesundheitspersonal zu verdanken, schreibt die Corona-Kommission.

15’000 Corona-Tote sind die Folge

Anfang der Woche hatte die Zahl der Corona-Toten in Schweden die Marke von 15’000 überschritten. Nachbar Dänemark hat 2703 Todesfälle gemeldet, Norwegen 895 und Finnland fast 1150. Jedes der drei Länder hat etwa halb so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie Schweden.

Schon Ende vergangenen Jahres hatte ein Bericht der Regierung vorgeworfen, ältere Menschen in Pflegeheimen unzureichend vor Covid-19 geschützt zu haben.

Sozialministerin Lena Hallengren sagte der Nachrichtenagentur TT, sie stimme der Kritik zu. Man hätte die Sache anders anpacken können.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(DPA)

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