Euro 2012: Schweden geht in Ehren
Aktualisiert

Euro 2012Schweden geht in Ehren

Das schwedische Team muss nicht wie befürchtet ohne Punkte nach Hause gehen. Dank eines 2:0-Sieges über Frankreich holt es sich noch drei Punkte für die Ehre. Die Franzosen treffen im Viertelfinal auf Spanien.

Durch ein 0:2 gegen das bereits zuvor ausgeschiedene Schweden hat Frankreich den Sieg in der Gruppe D fahrlässig verspielt. In Kiew endete die 23 Spiele währende Serie der Ungeschlagenheit der Franzosen. Eine traumhafte Direktabnahme von Zlatan Ibrahimovic und ein «Abstauber» von Sebastian Larsson in der Nachspielzeit sorgten für einen würdigen schwedischen Abgang. Die Skandinavier bewahrten in der Hitze kühlen Kopf und sich selber davor, erstmals seit der WM 1990 wieder ein grosses Turnier ohne Punktgewinn zu beenden.

Frankreich handelte sich durch die bislang klar schwächste Leistung an dieser EM die erste Niederlage seit über 21 Monaten und das Viertelfinal-Duell gegen Titelverteidiger Spanien ein. Die «Equipe tricolore» hatte letztmals Anfang September 2010 beim 0:1 gegen Weissrussland eine Partie verloren. Seitdem reihten die Franzosen 16 Siege und sieben Siege aneinander. Eine nicht einmal annähernd beeindruckende Serie hatte bei Turnierstart keiner der 16 Teilnehmer vorzuweisen.

Erster schlechter Auftritt der Franzosen

Der «Aufgalopp» für den ersten Viertelfinal seit der WM 2006, den höchstens ein ukrainischer Sieg gegen England hätte gefährden können, war für Laurent Blancs Mannschaft aus mehreren Gründen eine Enttäuschung. Die Franzosen lieferten in ihrem dritten Auftritt den ersten wirklich schwachen Auftritt ab. Sie waren offensiv nie so wirblig und trickreich wie bis anhin. In der Innenverteidigung fiel Philippe Mexès, der in den vorherigen Partien wieder der gewünschte Rückhalt gewesen war, in alte Muster zurück. Ein Fehler ermöglichte Ola Toivonen beinahe das frühe 1:0, beim schwedischen Führungstreffer konnte Mexès seinen Mailänder Klubkollegen Ibrahimovic nicht an der artistischen Flugeinlage hindern.

«Schweden wird nicht Spalier stehen», hatte Blanc im Vorfeld des letzten Gruppenspiels gewarnt. Mit dieser Vermutung lag der Nationalcoach der «Bleus» richtig. Eine allzu grosse Gefahr stellten die Schweden aber nicht dar, sieht man einmal von der Startphase ab. An beiden gefährlichen Aktionen war Ola Toivonen beteiligt. Nach drei Minuten setzte der Stürmer des PSV Eindhoven einen Kopfball ohne Gegenwehr neben das Tor. Und in der 10. hatte er nach einer verunglückten Intervention von Philippe Mexès den gegnerischen Keeper bereits ausgespielt, den Ball schoss Toivonen aber an den Aussenpfosten.

Frankreich fand lange nicht ins Spiel

Bis zu Ibrahimovics Traumtor bissen sich die Schweden in Frankreichs Verteidigung regelrecht fest - oder tappten in regelmässigen Abständen in die Offsidefalle. Aber es war dem Team von Erik Hamrén hoch anzurechnen, dass es sich wie angekündigt erhobenen Hauptes verabschieden wollte. Und dies mit seiner Steigerung in der zweiten Halbzeit auch tat. Unmittelbar vor und nach dem 1:0 musste Frankreichs Keeper Hugo Lloris mehrmals intervenieren. Mit etwas Glück hätte das Skore nach einer guten Stunde bereits 2:0 zugunsten der Schweden gelautet.

Erst nach einer guten Stunde Spielzeit erhöhte Frankreich die Kadenz auf jene Schlagzahl, die man von Beginn weg erwartet hätte. Ertrag gab es aber keinen. Mehrere Male scheiterten sie an Goalie Andreas Isaksson, etwa EM-Debütant Yann M'Vila (71.) oder der eingewechselte Jérémy Ménéz (82.). Die Einwechslung eines weiteren Stürmers (Giroud) zeigte höchstens noch den Willen Blancs auf, die Niederlage verhindern zu wollen. Frankreich kam gegen die spielfreudigen Schweden sprichwörtlich mit einem «blauen Auge» davon.

Schweden - Frankreich 2:0 (0:0)

Olympiastadion, Kiew. - 60'000 Zuschauer. - SR Proença (Por).

Tore: 54. Ibrahimovic 1:0. 91. Larsson 2:0.

Schweden: Isaksson; Gränqvist, Mellberg, Jonas Olsson, Martin Olsson; Svensson (79. Holmén), Källström; Larsson, Ibrahimovic, Bajrami (46. Wilhelmsson); Toivonen (78. Wernbloom).

Frankreich: Lloris; Debuchy, Rami, Mexès, Clichy; Diarra, M'Vila (83. Giroud); Ben Arfa (59. Malouda), Nasri (78. Ménéz), Benzema, Ribéry.

Bemerkungen: Schweden ohne Elmander (verletzt), Frankreich komplett. 10. Schuss von Toivonen an den Aussenpfosten. 91. Lattenschuss von Holmén, Larsson verwertet den Abpraller. Verwarnungen: 68. Mexès (Foul/im Viertelfinal gesperrt). 70. Svensson (Foul). 80. Holmén (Foul). (si)

Deine Meinung