Aktualisiert 03.05.2006 16:25

Schweden nimmt historisches Double ins Visier

Erstmals seit 40 Jahren (Ljubljana 1966) gastiert die am Freitag beginnende Eishockey-WM an einem neuen Austragungsort. In Riga (Lett) könnte Schweden als erstes Team im gleichen Jahr nach dem Olympiasieg auch WM-Gold holen.

Das Turnier, das so spät wie nie beginnt, generiert kurz vor der Fussball-WM nicht mehr in allen Eishockeyländern grosses Interesse- weder bei Fans noch bei den (NHL-)Spielern. Ganz Lettland fiebert der WM aber mit riesigem Enthusiasmus entgegen. Seit 1993 und der Rückkehr in die Eishockey-Familie (nachdem Lettland während 46 Jahren der Sowjetunion angehörte) garantierten die lettischen Anhänger überall grandiose Stimmung. Die Schweiz erhielt beim 1:3 im letzten Test einen Vorgeschmack auf die ohrenbetäubende Stimmung, welche die nächsten zweieinhalb Wochen prägen wird.

Für den Freiburger IIHF-Präsidenten René Fasel sind die lettischen Fans die loyalsten und besten der Welt - deshalb widmete Fasel ihnen die WM. Fasel: «Ich werde nie vergessen, wie sich Lettlands Präsident Gantis Ulmanis 1999 an der WM in Oslo aus der VIP-Loge unter die Fans mischte und mit ihnen die lettische Mannschaft anfeuerte.» Der ehemalige Staatspräsident Ulmanis (1993- 1999) entpuppte sich ausserdem als Hansdampf in allen Gassen, als die WM wegen der ungesicherten Finanzierung und Problemen beim Stadionbau mehrmals nicht gesichert schien.

Die WM drei Monate nach den Olympischen Spielen von Turin eröffnet Schweden die Chance auf ein historisches Double. Noch nie holte der Olympiasieger im gleichen Jahr auch WM-Gold. Nicht einmal die sowjetische Sbornaja schaffte in den 70er-Jahren dieses Kunststück - wobei 1980, 84 und 88 in den Olympiajahren keine WM stattfand. Gelingt es Schweden, den olympischen «Fluch» zu besiegen? «Das ist definitiv unsere grosse Herausforderung», meint der schwedische Nationalcoach Bengt-Ake Gustafsson. «Dieses Ziel war auch unser erstes Argument, wenn wir Spieler kontaktierten. Wir sagten ihnen, dass sie Geschichte schreiben und etwas schaffen können, was vorher noch niemandem gelang.»

Bei den «Tre Kronor» steht Jörgen Jönsson (33) vor seiner elften WM-Teilnahme; in Riga wird er sein 270. Länderspiel bestreiten. Kein aktiver Eishockeyaner weist vergleichbare Statistiken aus. Mit mehr als zehn WM-Teilnahmen und über 250 Länderspielen steigt der schwedische «JJ» in den Elitezirkel mit Waleri Charlamow, Boris Michailow, Sergej Makarow (alle UdSSR), Vladimir Martinec und Ivan Hlinka (beide Tsch) auf. Spieler von Jönssons Kaliber verdienen ihr Geld meistens in der NHL. Mit Ausnahme der Saison 1999/2000, die er bei den New York Islanders begann und bei den Anaheim Mighty Ducks beendete, zog es Jönsson aber stets vor, in Schweden bei Färjestads zu spielen. Jönsson: «Ich habe dadurch zwar weniger Geld verdient, aber ich bin kein armer Schlucker, und all die Jahre kehrte ich jeden Abend mit einem Lächeln auf dem Gesicht von der Arbeit nach Hause zurück.»

Eine Geschichte schreibt in Riga auch Marc Habscheid, der Coach Kanadas. Er ist der erste, der mit seinem Nationalteam an Weltmeisterschaft, Olympischen Spielen und Junioren-WM sowohl als Spieler wie als Coach teilnahm. Habscheid spielte für das Team Canada an der U20-WM 1982, an den Olympischen Spielen von Calgary (1988) und an der WM 1992. Er coachte Kanadas U20 an der WM 1993, amtete im Februar in Turin als Assistent von Headcoach Pat Quinn und ist nun in Riga selber wieder Cheftrainer. (si)

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