Aktualisiert 03.12.2008 18:48

Saab und Volvo vor dem Aus?

Schweden zittert um die Autoindustrie

Die akute Not der US-Autoriesen lässt Schweden um seine Traditionsmarken Saab und Volvo zittern. «Im freien Fall» sehen Stockholmer Medien und Branchenbeobachter die beiden Hersteller.

Zuerst sei Volvo von der Mutter Ford und am Mittwoch auch Saab von General Motors zum Verkauf angeboten worden. Für alle Experten steht dabei viel mehr auf dem Spiel als insgesamt 24 000 direkt betroffene Jobs.

«Auch die Lkw-Hersteller Scania und Volvo sind hochgradig betroffen, wenn nur ein Glied in der Kette wegfällt», meinte «Svenska Dagbladet» mit Blick auf die Vernetzung von Zulieferern und die Forschungskompetenz im Autoland Schweden. Rechnet man alle Glieder dieser Kette zusammen, sind immerhin 150 000 Arbeitsplätze von den Verkaufs-Ankündigungen aus den Konzernzentralen im fernen Detroit betroffen.

Arbeit Tag und Nacht

«Wir arbeiten Tag und Nacht, um eine gute Lösung für diese gewaltigen Probleme zu finden», sagte Wirtschaftsministerin Maud Olofsson. Aber sie hielt an der Weigerung der Regierung fest, durch Kredite oder gar den Einstieg als zeitweiliger Besitzer Rettungsringe auszulegen: «Es ist nicht Aufgabe des Staates, Autofabriken zu betreiben.»

Die Steuerzahler müssten verstehen, dass es zu riskant sei, ihr Geld in einer Zeit mit hohen Verlusten für Volvo und Saab für einen Kauf zu investieren. Dabei räumt die liberale Ministerin durchaus ein, dass sich wenig Alternativen anbieten: «Es haben sich nicht unbedingt Schlangen von Kaufinteressenten gebildet.»

Wer sollte auch Interesse zeigen in einer Lage, in der weltweit die meisten Autohersteller mit akuten Absatz- und Finanzproblemen zu kämpfen haben.

Kritik im eigenen Land

Saab und Volvo wurden auch im eigenen Land in den letzten Jahren immer heftiger kritisiert, weil beide an ihrer Vorliebe für teure, Benzin schluckenden Modelle bis zuletzt festgehalten haben. Auf dem wichtigen US-Markt brachte das Saab im November ein Absatzminus von 32,5 Prozent und Volvo sogar um 46,5 Prozent.

Damit war Volvo von allen Ford-Marken die mit den kräftigsten Verlusten. Dabei hatte Volvo der Mutter in Detroit seit der Übernahme 1999 nach inoffiziellen Stockholmer Berechnungen bis 2005 Gewinne über umgerechnet 3,5 Mrd. Euro eingebracht.

Der wesentlich kleinere Konkurrent Saab dagegen kam seit dem Einstieg von General Motors 1990 fast nie aus der Rolle des Verlustbringers heraus und soll 2,5 Mrd. Euro an roten Zahlen geschrieben haben.

Zurück in schwedische Hände

Die Rückführung zu schwedischen Besitzern wäre viel besser für beide Marken, verkünden Sprecher der höchst gewichtigen sozialdemokratischen Opposition. Die Regierung solle nun «schnell und entschlossen» handeln und sich zumindest auf einen Teilbesitz einstellen, verlangt Parteichefin Mona Sahlin. Als mögliche Option wird dabei auch über ein Zusammengehen beider heimischen Marken diskutiert. (sda)

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