26.06.2020 13:06

«Kompletten Fehler gemacht»

Schwedens Chef-Epidemiologe kritisiert die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation habe die Lage in seinem Land falsch eingeschätzt, sagt Anders Tegnell. Er spricht von einem «kompletten Fehler».

von
Katja Fässler
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Er hatte sich für den schwedischen Sonderweg eingesetzt: Epidemiologe Anders Tegnell.

Er hatte sich für den schwedischen Sonderweg eingesetzt: Epidemiologe Anders Tegnell.

Foto: Keystone
Kürzlich sagt er in einem Interview mit Swedish Radio:  «Man hätte sicher mehr tun müssen, um das Virus einzudämmen.»

Kürzlich sagt er in einem Interview mit Swedish Radio: «Man hätte sicher mehr tun müssen, um das Virus einzudämmen.»

KEYSTONE
Tegnell hatte die umstrittene Pandemie-Strategie von Schweden lange überzeugt verteidigt.

Tegnell hatte die umstrittene Pandemie-Strategie von Schweden lange überzeugt verteidigt.

via REUTERS

Darum gehts

  • Die WHO hat laut Epidemiologe Tegnell die Corona-Lage in Schweden nicht richtig beurteilt.
  • Man habe viele Parameter bei der Beurteilung ausser Acht gelassen.
  • In 30 Ländern in Europa steigen die Fallzahlen wieder an.

Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat die Weltgesundheitsorganisation WHO beschuldigt, Covid-19-Daten falsch interpretiert und die Gesundheitsrisiken seines Landes überbewertet zu haben. «Die WHO hat einen kompletten Fehler gemacht», so Tegnell laut «Bloomberg». Sie habe Schweden auf die Liste der Länder gesetzt, in denen eine beschleunigte Übertragungsrate zu einem sehr deutlichen Wiederaufleben des Coronavirus geführt habe.

Die erhöhte Fallzahl sei darauf zurückzuführen, dass Schweden seit letzter Woche viel mehr Tests durchführe, so der Corona-Stratege. «Wir können uns auch alle anderen Parameter ansehen, die schwerwiegenden Fälle nehmen ab.» Ein wichtiger Indikator sei hierbei die Anzahl der Einweisungen in die Intensivstation, die in Schweden sehr niedrig seien. Er fügte ausserdem an, dass die Sterblichkeitsrate rückläufig ist.

Anfangs Juni hatte Tegnell Fehler bei seiner umstrittenen Pandemie-Strategie eingeräumt. Das Land hatte auf einen gänzlichen Lockdown verzichtet und an die Eigenverantwortung der Bürger appelliert.

Steigende Fallzahlen in 30 Ländern

Nach Monaten abnehmender Infektionszahlen in Europa ist das Coronavirus auf dem Kontinent laut dem Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation WHO wieder auf dem Vormarsch.

30 Länder in der europäischen Region hätten im Laufe der vergangenen beiden Wochen wieder steigende Fallzahlen vermeldet, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag auf seiner wöchentlichen Online-Pressekonferenz in Kopenhagen. Darunter neben Schweden Länder wie Armenien, Aserbaidschan, Albanien und die Ukraine. In diesen Ländern drohten starke Belastungen für das Gesundheitswesen, wenn nicht entschieden gegen die Ausbreitung vorgegangen werde, so Kluge.

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