Schwedens Hoffnungsträger Zlatan Ibrahimovic
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Schwedens Hoffnungsträger Zlatan Ibrahimovic

Spätestens nach dem spektakulären und späten Ausgleich gegen Italien ist Zlatan Ibrahimovic ein Grosser.

Der 22-jährige Schwede tritt an dieser EM aus dem langen Schatten von Henrik Larsson und ist der grosse Hoffnungsträger der Skandinavier.

Er sei ein unscheinbares Kind gewesen, wird in Schweden über Ibrahimovic erzählt. Zlatan wuchs nach der Scheidung seiner Eltern (eines Serben und einer Kroatin) im Quartier Rosengard, einem Ausländerbezirk in Malmö beim Vater auf, der ihn streng erzog. Einen bleibenden Eindruck hatte Zlatan schon in der Schule hinterlassen. «In meinen 33 Jahren an dieser Schule war er unter den fünf schwierigsten Fällen», erklärte Agneta Cederbom, Rektorin an der Sorgenfri-Schule in Malmö. Wenn er nicht den Fussball gehabt hätte, hätte es für Ibrahimovic ein böses Ende genommen.

Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit über den schlaksigen Stürmer. Ibrahimovic war wohl kein vorbildlicher Schüler, jedoch fiel ihm das Lernen leicht. Selbst mit minimalem Aufwand hatte er stets gute Noten. Noch leichter lief es ihm allerdings auf dem Fussballplatz. So spielte er im FBK Balkan in der Mannschaft der Zwölfjährigen, obwohl er zwei Jahre jünger war als der Rest des Teams. Und weil er eben «nicht immer nett war», setzten ihn die Trainer bisweilen auf die Reservebank. So auch gegen Vellinge, als Ibrahimovic nach der Pause und bei 0:4 eingewechselt wurde. Das aufmüpfige Talent traf achtmal, Balkan siegte 8:5...

Das Einwanderer-Quartier Rosengard war im Prinzip der einzige Stadtteil in Malmö, wo die Jungen auf Gras- oder Kiesplätzen dem Fussball frei von jeder Taktik frönten. Ballbehandlung, Tunnels und schöne Dribblings waren für den Status wichtiger, als den Ball ins Tor zu schiessen und ein Meisterschaftsspiel zu gewinnen. Hier war Zlatan der König; sein einziges Problem: Er liebte den Ball mehr als das Spiel. Sich in ein Kollektiv zu fügen, war nicht seine Sache - trotz seines ausgeprägten Siegeswillen.

Ibrahimovic' Weg führte schliesslich 1995 zum Stadtklub Malmö FF, wo ihn aber die Trainer nach jeder Saison wegen seiner beschwerlichen Art wieder rauswerfen wollten. Im Alter von 15 Jahren wollte Zlatan den Bettel selber hinwerfen. Ein Trainer-Trio wendete unzählige Stunden und sämtliche Überradungskunst auf, um das Talent nicht zu verlieren. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn als 18-Jähriger gab Ibrahimovic sein Debüt in der höchsten schwedischen Spielklasse.

Nur zwei Jahre später - jetzt schon als Internationaler - unterzeichnete Ibrahimovic einen Fünf-Jahres-Vertrag mit Ajax Amsterdam, obwohl auch Arsène Wenger und Arsenal an ihm interessiert waren. Die Holländer mussten dafür 7,5 Mio. Euro nach Schweden überweisen. Im Kontrakt ist auch eine Ausstiegsklausel fixiert. Für 55 Mio. Euro darf Ibrahimovic den Verein wechseln, und tatsächlich bahnt sich ein Transfer zu Juventus Turin an. Allerdings werden die Italiener wohl «nur» 30 Millionen bezahlen.

Seit seinem Wechsel zu Ajax ist Ibrahimovic auch zum Mannschaftsspieler gereift. Zwischenzeitliche Aussetzer, als er zum Beispiel in einem Länderspiel dem designierten Penaltyschützen Kim Källström den Ball wegschnappte, um selber zu schiessen, leistet sich Zlatan immer seltener. Im ersten EM-Spiel gegen Bulgarien ereignete sich wohl eine ähnliche Szene, diesmal aber fragte Ibrahimovic Henrik Larsson, aus dessen Schatten er an diesem Turnier getreten ist, um Erlaubnis. Gleichwohl wird Zlatans Spiel und seine genialen Augenblicke von Bildern gesteuert, die in seinem Hirn auftauchen. Eine solche Eingebung hatte er im Spiel gegen Italien, als er mit dem Absatz das Zaubertor zum 1:1 erzielte. Eine solche Eingebung soll heute Abend zum Sieg im Viertelfinal gegen Holland führen.

(si)

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