Aktualisiert 20.04.2007 18:14

Schweigeminute für Amok-Opfer

Mit einer Schweigeminute haben heute hunderte Studenten und Anwohner der Hochschule Virginia Tech in Blacksburg der 32 Opfer des Amoklaufs vom Montag gedacht.

In den ganzen USA läuteten Kirchenglocken. Dem Gedenken und der Schweigeminute schlossen sich auch die Menschen in Colorado an, die dort des Massakers an der Columbine Highschool in Littleton gedachten, wo vor genau acht Jahren am 20. April 1999 zwei Schüler 13 Menschen bei einem Amoklauf erschossen hatten, der die USA bis heute bewegt.

Mit Attentatsdrohungen versetzten unterdessen zahlreiche Nachahmungstäter an mehreren Orten in den USA Schulen und Universitäten in Panik. Tausende Schüler mussten zu Hause bleiben. Die Polizei nahm mindestens ein Dutzend Verdächtige fest. Die Drohungen bezogen sich oft entweder auf den Amoklauf in Blacksburg oder auf den achten Jahrestag des Massakers von Littleton.

In San Diego drohte ein Web-Designer, 50 Menschen an der Universität töten zu wollen. Der 32-jährige alarmierte selbst eine Fernsehstation, um Publizität zu erzeugen, teilte die Bundespolizei FBI mit. In dem kalifornischen Schulbezirk Yuba bei Sacramento wurden alle Schulen geschlossen, nachdem ein Mann gedroht hatte, das Massaker an der Virginia Tech klein erscheinen zu lassen. 12.000 Schüler kamen so zu einem verlängerten Wochenende. Der Unterricht soll am Montag wieder aufgenommen werden.

In Michigan wurde ein 26-jähriger Student festgenommen, der sich im Internet lobend über den Amokläufer von Blacksburg äusserte. Das Kalamazoo Valley Community College wurde bis Montag geschlossen. In Seattle wurde ein Oberschüler verhaftet, der mit drei geladenen Schusswaffen und zusätzlicher Munition zum Unterricht kam. In Bismarck im US-Staat North Dakota wurde ein 20-jähriger festgenommen, der das Massaker in Virginia in einem Blog als lustig bezeichnete und die Absicht äusserte, es dem Amokläufer nachtun zu wollen. In Fort Smith, Arkansas, wurde ein Schüler festgenommen, der in einem Klassenraum eine Botschaft schrieb, er wolle «ein Held» wie Cho sein.

In St. Augustine in Florida wurde ein 14-jähriger wegen E-Mails festgenommen, in denen er Freunden ankündigte, das Virginia-Massaker mit 100 Toten übertreffen zu wollen. An der texanischen St. Edward's Universität in Austin gingen am Donnerstag zwei Bombendrohungen ein - es war der dritten Tag in Folge, dass Drohungen gegen die Hochschule ausgesprochen wurden.

Die Polizei zeigte sich unterdessen unzufrieden darüber, dass der Fernsehsender NBC Videos und Fotos verbreitet habe, die er am Mittwoch von dem 23-jährigen Attentäter Cho Seung Hui erhalten hatte. Die grossen Sender kündigten an, sie wollten die Berichterstattung über die Hassbotschaften des Amokläufers einschränken.

Experte: Cho der klassische Fall eines Serienmörders

Nach einer ersten Analyse des Materials erklärte der Kriminologe Jam Alan Fox von der Northeastern Universität, Cho sei der fast klassische Fall eines Schulattentäters: ein schrecklich unbeholfener, gemobbter junger Mann, der dann mit methodischem Zorn gegen eine Welt vorgeht, die sich gegen ihn gerichtet zu haben scheint. «Cho ist in praktisch jedem Aspekt der Prototyp eines Serienmörders, wie ich sie in den vergangenen 25 Jahren untersucht habe», sagte Fox. «Das heisst aber nicht, dass sein Amoklauf vorhersehbar war.» (dapd)

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