Publiziert

SRF-Moderatorin über Rassismus«Schweigen ist für mich keine Option mehr»

Die SRF-Moderatorin Angélique Beldner hat nie über ihre Hautfarbe gesprochen – oder über Rassismus. Doch dieser Sommer hat alles verändert. In der Sendung «Reporter» bricht sie ihr Schweigen.

von
Lara Hofer

Darum gehts

  • Diese aktuelle SRF-Sendung «Reporter» dreht sich um die Berner Moderatorin Angélique Beldner.

  • Die 44-Jährige hat ihr Leben lang nicht über ihre Hautfarbe oder den Rassismus gesprochen.

  • Doch die «Black Lives Matter»-Bewegung von diesem Sommer hat auch Beldner wachgerüttelt.

  • Jetzt bricht sie ihr Schweigen und erzählt von ihren Rassimuserfahrungen in der Schweiz.

Als sich Angélique Beldner vor 15 Jahren zum ersten Mal für einen Job bei SRF bewarb, da hiess es, die Schweizer Bevölkerung sei noch nicht bereit für eine schwarze Moderatorin. Zehn Jahre später führte die 44-jährige Bernerin erstmals durch die «Tagesschau».

Doch für die Sendung wurden ihr die schwarzen Locken eng anliegend nach hinten gebunden. «Ich habe die Angi kaum noch erkannt», erzählt Angéliques Grosstante in der SRF-Sendung «Reporter». Bei ihr wuchs Beldner zeitweise auf. «Du hättest dich wehren müssen», wirft ihr die Grosstante vor. Umgekehrte Vorzeichen herrschen zwischen den beiden im Hinblick auf den Ausdruck Mohrenkopf: Während sich die Jüngere daran stört, meint die Ältere: «Ich sage weiterhin Mohrenkopf.»

Hauptsache integriert

Widersprüche zeigen sich auch in Frutigen BE, wo die Moderatorin aufwuchs. Im Rahmen der SRF-Sendung will sie in einer Stammbeiz vor Ort mit einer Männergruppe über Rassismus sprechen. Schon nach wenigen Sekunden fällt das N-Wort, gefolgt von Gelächter. Beldner ist die Situation spürbar unangenehm. Doch sie bleibt freundlich – wie sie das seit vielen Jahren tut. «Ich habe nie über Rassismus gesprochen», sagt die 44-Jährige. Der Wunsch, integriert zu werden, habe das Bedürfnis nach einer Rassismusdebatte stets übertrumpft.

Ein Besuch bei ihrem Vater, ursprünglich aus Benin, und ihrer Schwester in Paris zeigt, dass die Moderatorin nicht die Einzige in der Familie ist, die das Schweigen gewohnt ist. «Es war schockierend, zu sehen, dass meine schwarze Familie die gleiche Strategie gewählt hat wie ich», so Beldner. Ihre Schwester spricht in der Sendung zum ersten Mal über ihre Rassimuserfahrungen, die sie besonders als Kind erlebt hatte.

So richtig aus Bern

Beldner hat als Kind ähnliche Erfahrungen gemacht wie ihre Schwester. Man habe ihr Mohrenkopf hinterhergerufen und sie den «Schwarzen Mann» spielen lassen. Als Moderatorin bei SRF erntet sie auch heute noch rassistische Kommentare – wie etwa, dass es «jetzt reicht mit der Vernegerung». Zudem werde sie immer wieder gefragt, woher sie denn eigentlich stamme. «Aus Bern.» Und so richtig? «Eben, aus Bern.»

Lange liess sich Beldner den Rassismus einfach gefallen. «Doch das hat sich in diesem Sommer verändert», sagt sie. Seit dem Tod von George Floyd und der globalen «Black Lives Matter»-Welle gehe sie lieber den richtigen Weg anstatt den einfachen: «Über Rassismus zu reden, ist schwierig, doch zu schweigen ist für mich keine Option mehr.»

Deine Meinung