Schweigen ist Gold für britische Olympia-Athleten
Aktualisiert

Schweigen ist Gold für britische Olympia-Athleten

Ein Maulkorb für britische Sportler sorgt für Aufregung. Wer nicht bereit ist, auf politische Äusserungen zu verzichten, soll von den Olympischen Spielen in Peking ausgeschlossen werden. Auch Schweizer Athleten werden in einer Schulung politisch sensibilisiert.

Die Affäre hat am Wochenende auf der Insel einigen Wirbel ausgelöst. Eine Sonntagszeitung berichtete über die Absicht der British Olympic Association (BOA), den für Peking qualifizierten Athleten einen Vertrag vorzulegen. Er verpflichtet die Sportlerinnen und Sportler dazu, keine Kommentare zu politisch heiklen Themen abzugeben. Wer die Unterschrift unter den Vertrag verweigert, darf nicht nach Peking reisen.

Vertreter der BOA verteidigten den Maulkorb mit Verweis auf die Charta des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), die jede Art von Demonstration sowie politischer, religiöser oder rassistischer Propaganda im Umfeld der Spiele untersagt. «Zahlreiche Vereinigungen möchten, dass Sportler die Olympischen Spiele als Plattform für ihre Anliegen verwenden», sagte BOA-Direktor Simon Clegg. «Das ist nicht im Interesse unseres Teams. Wir sind Botschafter unseres Landes und müssen bestimmte Verhaltensregeln einhalten.»

Politiker und Menschenrechtler reagierten enttäuscht bis entrüstet. «Die USA, Kanada und Australien erlauben ihren Athleten explizit, in Peking sagen zu dürfen, was sie wollen. Da sind solche Restriktionen für unsere Sportler unangemessen», sagte der konservative Parlamentarier Jeremy Hunt. Ein Sprecher von Amnesty International erinnerte daran, dass die Olympischen Spiele auf dem Prinzip der Menschenwürde und dem Respekt vor ethischen Prinzipien gegründet wurden. Ausdrücklich begrüsst wurde die Massnahme dagegen von den Organisatoren der Spiele in Peking.

Redefreiheit nicht einschränken

Angesichts der Proteste hat die BOA entschieden, die Vereinbarung zu überarbeiten. «Wir wollen die Redefreiheit der Athleten nicht einschränken», sagte Simon Clegg gemäss einem Bericht der BBC. Er betonte, man wolle in erster Linie organisierte Proteste im Stil des «Black-Power-Grusses» verhindern. Mit ausgestreckter Faust im schwarzen Handschuh hatten die amerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos 1968 im Mexiko während der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs gegen den Rassismus in ihrem Land protestiert.

Peter Blunschi, 20minuten.ch

Schweizer Athleten werden geschult

In der Schweiz ist ein Maulkorb für Peking-Athleten kein Thema. «Sie dürfen ihre Meinung frei äussern», sagte Claudia Imhasly, Kommunikationschefin des Dachverbands Swiss Olympic, auf Anfrage von 20minuten.ch. «Wir sind uns aber bewusst, dass die Sportlerinnen und Sportler mit Themen wie Menschenrechte und Todesstrafe in China konfrontiert werden dürften.» Im Rahmen der Medienschulung für die Mitglieder der Olympia-Delegation werde man auf schwierige Felder eingehen und Richtlinien erarbeiten. Es sei aber niemand gezwungen, sich daran zu halten, so Imhasly.

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