Schweinekeim bedroht auch Menschen
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Schweinekeim bedroht auch Menschen

Ein lebensgefährlicher Krankheitserreger, der von Schweinen auf den Menschen übertragen werden kann, wird verstärkt in Deutschland gemeldet.

Das berichtete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag in seinem Epidemischen Bulletin. In den Niederlanden hat sich der sogenannte Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) demnach bereits vor allem in Schweineställen ausgebreitet. Beim Menschen kann der Keim Wundinfektionen, Blutvergiftung sowie Lungenentzündungen auslösen und zum Tod führen.

Zuvor hatte das TV-Magazins «Plusminus» über die Ausbreitung berichtet. «Der Schweinekeim ist ein relativ neues infektionsmedizinisches Problem», sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher der Nachrichtenagentur AP. Der Keim sei von Schwein zu Schwein und vom Schwein auf den Menschen übertragbar und in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch.

In den Niederlanden sind MRSA nach Informationen des Instituts als nasale Besiedler von Schweinen bereits weit verbreitet: 40 Prozent der untersuchten Betriebe und 80 Prozent der Schweine waren demnach betroffen. In Deutschland ergaben Nasenabstriche in 347 verschiedenen Beständen Befunde bei 85 Tieren aus 62 Ställen.

Derzeit sind laut Glasmacher von dem Keim vor allem Schweinezüchter und andere Menschen bedroht, die unmittelbar mit Schweinen in Kontakt kommen. Für eine Pilotstudie am Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) wurden bei Menschen mit beruflichem Kontakt, also Tierärzten, Züchtern, Schweinemästern und Lebensmittelkontrolleuren, Abstriche in der Nase genommen. Bei 39 von 122 untersuchten Personen sei MRSA nachgewiesen worden. Bei Familienangehörigen ohne unmittelbaren Kontakt zu den Tieren sei bei sieben von 53 Untersuchten ein Keim nachgewiesen worden.

Experten empfehlen Untersuchung bei Klinikaufenthalt

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt das Robert-Koch-Institut, Menschen, die Kontakt mit Schweinen hatten, und deren Familienangehörige bei einem Aufenthalt in einem Krankenhaus auf mögliche Keime zu untersuchen.

Unterdessen koordiniert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine von der europäischen Behörde für Verbraucherschutz angeordnete Überprüfung der MRSA-Vorkommen bei Schweinen. Dabei werden bundesweit Daten gesammelt und bis Ende Mai in einem ersten Zwischenbericht zusammengestellt.

Beim Menschen ist MRSA nach Angaben des Robert-Koch-Instituts seit 1961 bekannt. Er wird im Allgemeinen als «Krankenhauskeim» bezeichnet, da er fast nur in Kliniken vorkommt. Die Übertragung erfolgt grösstenteils von einem Patienten zum anderen über die Hände des Klinikpersonals. Laut RKI trägt rund ein Prozent der Menschen, die einmal in einem Krankenhaus waren, einen solchen Keim in sich. Die Schätzungen der bundesweiten Neuerkrankungen pro Jahr schwanken demnach zwischen 15.000 und 35.000. (dapd)

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