Aktualisiert 24.06.2004 16:56

Schweiz als Drehscheibe für Terror-Finanzierung

Schweizer Banken spielten bei der Finanzierung des El-Kaida-Terrors eine wichtige Rolle.

Dies ist das Fazit der Untersuchung der Schweizer Bundesanwaltschaft zu den Anschlägen vom 11. September 2001. Zwar habe die Schweiz in den «Aktivitäten des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida bislang zwar keine zentrale Rolle» gespielt, jedoch sei sie «im Bereich dessen logistischer Unterstützung und Finanzierung mitbetroffen», heisst es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft vom Donnerstag.

Konkret will die Bundesanwaltschaft in Kürze drei Verfahren an das Eidg. Untersuchungsrichteramt überweisen. Dieses entscheidet, ob die Angeschuldigten vor Gericht gestellt werden.

«Al Taqwa», «Nada Management» und «Muwafaq»

Im ersten Fall geht es um zwei Manager der «Nada Management Organization SA» (früher «Al Taqwa») in Lugano. Sie werden verdächtigt, dass sie «Finanzkanäle» in der Schweiz eingerichtet hätten, um den Terrorismus zu finanzieren. Dieser Verdacht habe sich erhärtet, schreibt die Bundesanwaltschaft.

Terrorgelder, die via Schweizer Bankkonten an die El-Kaida gingen, standen auch im zweiten Fall im Blickfeld der Ermittler: Diesmal flossen die Gelder unter dem Deckmantel der Wohltätigkeitsstiftung «Muwafaq», wie aus dem Communiqué hervorgeht.

In Verdacht stehe ein saudi-arabischer Staatsbürger, der von Saudi-Arabien aus mit der Schweiz und den USA Geschäftsverbindungen unterhalte. In diesem Zusammenhang sei ein zweistelliger Millionenbetrag auf einer Genfer Bank gesperrt worden, heisst es weiter.

EL-Kaida-Gefolgsleute in der Schweiz untergetaucht?

Im dritten Fall geht es um die Anschläge auf Wohnhäuser in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad im Mai 2003 mit 35 Toten, darunter ein Schweizer. Gemäss Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wurden bei Personen, die sich im Umkreis der Attentäter bewegten, 36 Schweizer Telefonnummern gefunden.

Die Telefonnummern führten demnach auf die Spur von in der Schweiz lebenden Ausländern, die El-Kaida-Mitgliedern aus dem arabischen Raum halfen, unterzutauchen.

Die Gesuchten seien in der Schweiz mit falschen Papieren ausgestattet worden, worauf diese «in der Schweiz entweder untertauchten oder in andere europäische Länder weiterverschoben wurden».

Dies alles habe in der Schweiz zur Verhaftung von 10 Ausländern geführt. Sechs davon befänden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Vier seien auf freiem Fuss, weil keine Kollusionsgefahr mehr bestünde, sie stünden aber weiter unter Verdacht.

Djerba, Istanbul, Bali...

Zwar steht die Bundesanwaltschaft in ihren Ermittlungen in Sachen 11. September kurz vor dem Abschluss. In anderen Fällen laufen die Ermittlungen jedoch weiter, wie aus dem Communiqué hervorgeht.

Demnach wird nach wie vor ermittelt, ob von den mutmasslichen Attentätern, die Mitte November mehrere verheerende Anschläge in Istanbul durchführten, Spuren in der Schweiz zu finden sind. Andere Untersuchungen stellte die Bundesanwaltschaft dagegen inzwischen ein, so im Zusammenhang mit dem Attentat von Djerba im April 2002 oder dem Attentat von Bali im Oktober gleichen Jahres.

(sda)

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