Microbiota Vault: Schweiz als Standort für «Arche Noah für Mikroorganismen» im Gespräch
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Microbiota VaultSchweiz als Standort für «Arche Noah für Mikroorganismen» im Gespräch

Für unsere Gesundheit sind Mikroorganismen enorm wichtig. Doch ihre Zahl nimmt dramatisch ab. Forscher wollen sie deshalb in einem speziellen Bunker schützen – möglicherweise in der Schweiz.

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Die Billionen von Mikroorganismen in und auf unserem Körper – das sogenannte Mikrobiom – sind entscheidend für unsere Gesundheit. Durch unsere Lebensweise sind sie jedoch bedroht. Deshalb sollen die verbleibenden Arten des Mikrobioms in einem Reservoir, dem «Microbiota Vault», gelagert und geschützt werden. Als Vorbild dient der Welt-Samen-Bunker auf Spitzbergen.

Die Billionen von Mikroorganismen in und auf unserem Körper – das sogenannte Mikrobiom – sind entscheidend für unsere Gesundheit. Durch unsere Lebensweise sind sie jedoch bedroht. Deshalb sollen die verbleibenden Arten des Mikrobioms in einem Reservoir, dem «Microbiota Vault», gelagert und geschützt werden. Als Vorbild dient der Welt-Samen-Bunker auf Spitzbergen.

Flickr.com/Trending Topics 2019/CC BY 2.0
Auch bei dem sogenannten Svalbard Global Seed Vault (weltweiter Saatgut-Tresor auf Spitzbergen) handelt es sich um eine Art «moderne Neuauflage der Arche Noah».

Auch bei dem sogenannten Svalbard Global Seed Vault (weltweiter Saatgut-Tresor auf Spitzbergen) handelt es sich um eine Art «moderne Neuauflage der Arche Noah».

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Hinter verschlossenen Türen lagern hier gut 250 Millionen Samen von 850'000 Saatgut-Sorten aus der ganzen Welt.

Hinter verschlossenen Türen lagern hier gut 250 Millionen Samen von 850'000 Saatgut-Sorten aus der ganzen Welt.

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Darum gehts

  • Die Billionen von Mikroorganismen, die in und auf unserem Körper leben, sind entscheidend für die Aufrechterhaltung der menschlichen Gesundheit.
  • Diese Mikroorganismen sind durch die zunehmende Verbreitung der westlichen Lebensweise, Urbanisierung und Umweltveränderungen bedroht.
  • Forscher weltweit möchten die verbleibenden Arten des Mikrobioms in einem Reservoir, dem sogenannten Microbiota Vault, schützen.
  • Als möglicher Standort ist auch die Schweiz im Gespräch.

Der unverhältnismässige Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten, der bedenkenlose Konsum fettreicher und hochverarbeiteter Lebensmittel sowie andere Begleiterscheinungen der Industrialisierung: All das schadet den Mikroorganismen in und auf dem menschlichen Körper – dem sogenannten Mikrobiom – massiv, was weitreichende Folgen hat. Denn als wichtiger Teil der Immunabwehr und des Immunsystems sind sie entscheidend dafür, dass die Bevölkerung gesund bleibt und Erreger wie das Coronavirus bekämpft werden.

Damit dies auch in Zukunft noch möglich ist, wollen Forscher eine «Arche Noah für Mikroorganismen» schaffen. In dem Microbiota Vault genannten Reservoir sollen Mikroorganismen dauerhaft eingelagert werden, deren Mikrobiome noch nicht durch die Begleiterscheinungen moderner Gesellschaften beeinträchtigt sind, heisst es in einer Mitteilung.

Globaler Back-up-Speicher

In einem ersten Schritt haben die beiden unabhängigen Schweizer Firmen Evaluescience und Advocacy eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Diese bescheinigt der Microbiota-Vault-Initiative enorme wissenschaftliche Bedeutung sowie hohes Potenzial zur Realisierung.

In einem nächsten Schritt durchläuft das Projekt eine zweijährige Pilotphase, die das Konzept veranschaulichen soll und rund eine Million Franken kosten wird. Als Standort für ein Reservoir an menschlichen Mikroorganismen ist neben Norwegen auch die Schweiz im Gespräch.

Einmal voll funktionsfähig, soll der Microbiota Vault als globaler Back-up-Speicher für alle mikrobiellen Proben dienen, deren Originale in den lokalen Mikrobiom-Banken der Herkunftsländer verbleiben würden. Das teilt die Gebert-Rüf-Stiftung mit, die neben der Seerave Foundation, der Fundação Calouste Gulbenkian (Portugal), der Rutgers University (USA), der Universität Kiel (Deutschland) und dem Canadian Institute of Advanced Research Teil des Förderkonsortiums ist.

Vorbild ist der Welt-Samen-Bunker auf Spitzbergen

Die Idee eines solchen Reservoirs war erstmals 2018 in der Fachzeitschrift «Science» von den Initianten veröffentlicht worden. Das Projekt wird von weltweit führenden Forschern sowie zwei Nobelpreisträgern weltweit unterstützt. Auch Nicholas Bokulich von der ETH Zürich und Michael Scharl vom Universitätsspital Zürich sind beteiligt.

Die Forscher vergleichen ihre Idee mit dem Svalbard Global Seed Vault, dem weltweit grössten Saatgut-Archiv zur Erhaltung der Nutzpflanzen-Diversität für den Fall von von Menschen verursachten oder Naturkatastrophen (siehe Bildstrecke).

Krankheiten verhindern

Die Forscher hoffen, dass es eines Tages möglich sein wird, durch die Wiedereinführung fehlender Mikroorganismen Krankheiten zu verhindern. Dazu müssen jedoch zunächst bei Bevölkerungsgruppen mit der grössten Diversität, wie jenen in abgelegenen Gebieten Lateinamerikas oder Afrikas, Mikroorganismen gewonnen werden.

Menschen in urbanisierten Gesellschaften haben einen erheblichen Teil ihrer Diversität bei Mikroorganismen verloren. Die Darmflora der meisten Europäer und Amerikaner weist zum Beispiel nur eine halb so grosse Diversität auf wie die der Jäger und Sammler in abgesonderten Dörfern im Gebiet des Amazonas.

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(SDA)

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