Ukrainer in der Schweiz – Schweiz bereitet sich auf Tausende Ukraine-Flüchtlinge vor

Publiziert

Ukrainer in der SchweizSchweiz bereitet sich auf Tausende Ukraine-Flüchtlinge vor

Immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine kommen in der Schweiz an. Das Staatssekretariat für Migration bereitet sich darauf vor, sie aufzunehmen – auch Private stellen 35’000 Betten zur Verfügung.

von
Seline Bietenhard
Daniel Graf
1 / 8
Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer wollen ihre Unterkünfte für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer anbieten.

Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer wollen ihre Unterkünfte für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer anbieten.

REUTERS
Das Staatssekretariat für Migration bereitet sich darauf vor, eine grössere Zahl von Ukrainerinnen und Ukrainern aufzunehmen.

Das Staatssekretariat für Migration bereitet sich darauf vor, eine grössere Zahl von Ukrainerinnen und Ukrainern aufzunehmen.

REUTERS
Laut der Organisation Campax stünden über 35’000  Betten zur Verfügung.

Laut der Organisation Campax stünden über 35’000  Betten zur Verfügung.

REUTERS

Darum gehts

  • Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer wollen ihre Unterkünfte für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer anbieten.

  • Diese zusätzlichen Unterkünfte sollen die Bundesasylzentren entlasten.

  • Damit alles reibungslos abläuft, brauche es laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und der Organisation Campax eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren.

Während immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine in der Schweiz ankommen, wollen Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer ihnen eine Unterkunft anbieten. Laut Andreas Freimüller von Campax wurden in den letzten Tagen bereits über 35’000 Betten für ukrainische Flüchtende organisiert und stünden zur Verfügung. Die zusätzlichen Unterkünfte seien als Entlastung für die 2000 freien Betten in den Bundesasylzentren gedacht. «Wir rechnen damit, dass die Plätze in den Asylzentren innert wenigen Tagen besetzt sein werden. Deshalb haben wir den Aufruf gestartet, damit wir mit dem Bund zusammen genügend Ressourcen für alle haben», sagt Freimüller.

Campax arbeite eng mit der Flüchtlingshilfe und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) zusammen. In den nächsten beiden Tagen werde geklärt, wie die Arbeitsteilung zwischen dem Bund, den Kantonen und den Organisationen aussehen soll. «Es ist wichtig, dass der Bund und die Kantone im Interesse der Flüchtenden pragmatische und gute Lösungen finden», sagt Freimüller. Die Zusammenarbeit sei jetzt zentral. «Der Kantönligeist muss jetzt mal in die Abstellkammer.»

Campax will Flüchtlinge aus den Asylzentren holen

Die Vorstellung sei, dass die Organisationen in den Bundesasylzentren Stände hätten, an denen direkt Platzierungen bei Gastfamilien gemacht werden können. «Damit soll es in einem möglichst kurzen Prozess zu Platzierungen kommen», so Freimüller. 

In den nächsten Tagen sei geplant, sich ein besseres Bild über die Unterkünfte zu verschaffen. «Wir wollen alle, die eine Unterkunft anbieten, um zusätzliche Angaben und Video- und Bildmaterial bitten, damit wir beurteilen können, ob die Räumlichkeiten geeignet und brauchbar sind», sagt Freimüller. Wer eine Wohnung oder ein Zimmer anbieten will, kann dies über die Campax-Website oder unter ukraine@sem.admin.ch tun.

SEM bereitet sich vor

Auch am Sonntag kamen weitere Flüchtlinge in der Schweiz an. Campax war am badischen Bahnhof vor Ort, um sie willkommen zu heissen und hat Flyer verteilt. «Wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer in den nächsten Tagen und Wochen in die Schweiz kommen werden, hängt von den Entwicklungen in der Ukraine ab», sagt Daniel Bach, Informationschef beim SEM. Das SEM bereite sich darauf vor, eine grössere Zahl von Ukrainerinnen und Ukrainern aufzunehmen.

Bis am Samstag haben sich laut Bach 330 Ukrainerinnen und Ukrainer bei Bundesasylzentren gemeldet. In den allermeisten Fällen sei die Aufnahme «rasch und absolut unkompliziert» erfolgt. Das klappt aber nicht immer, wie ein Bericht der «Sonntagszeitung» zeigt: Sieben Stunden habe eine Familie in einem Wartesaal auf die Registrierung warten müssen und sei danach durch die halbe Schweiz in ein Bundesasylzentrum im Kanton Neuenburg geschickt worden.

«Bedauern den Vorfall»

Bach spricht von einem Einzelfall: «Weshalb es eine so lange Wartezeit gab, ist im Nachhinein schwierig zu rekonstruieren. Wir bedauern es, das sollte nicht passieren.» Am Freitag hätten sich viele Vertriebene aus der Ukraine in den Bundesasylzentren gemeldet. «Unsere Mitarbeiter waren gefordert. Sie haben die klare Anweisung, diese Menschen rasch aufzunehmen.»

Die Krisenorganisation des SEM arbeitet laut Bach auf Hochtouren. «Es braucht jetzt gute Koordination mit allen Akteuren», sagt Bach. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sei überwältigend. «Es geht jetzt darum, dass die Vertriebenen aus der Ukraine an einem guten Ort untergebracht werden können. Wir möchten ja, dass es am Ende für beide Seiten stimmt. Aber klar ist: jeder und jede bekommt ein Dach über dem Kopf und wird versorgt», sagt Bach.

«Das ist erst der Anfang»

Für Beat Gerber von Amnesty International Schweiz ist klar: «Was wir jetzt erleben, ist erst der Anfang. Es werden noch Millionen Menschen vertrieben werden und ein Teil von ihnen wird in die Schweiz kommen.» Diese Krise sei aber auch eine Chance für die Behörden und die Zivilgesellschaft. « Diese Krise hat eine enorme Welle der Solidarität ausgelöst, Tausende wollen helfen und bieten Wohnraum an. Sobald eine grosse Zahl an Flüchtlingen in der Schweiz ankommt, werden Privatpersonen und Hilfsorganisationen da sein, um zu helfen.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Deine Meinung

126 Kommentare