Schweiz besser auf Grippepandemie vorbereitet
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Schweiz besser auf Grippepandemie vorbereitet

Die Schweiz hat ihren Aktionsplan gegen eine mögliche Grippe-Pandemie verfeinert. Nun ist geregelt, wo wieviel Impfstoff für den Fall einer Massenbehandlung bereitgestellt sein muss.

Im Zentrum der Massnahmen stehen der Kampf gegen die Einschleppung gefährlicher Viren und die Bereitstellung von Impfstoffen. In den Kantonen können auf der Grundlage des aktuellen Pandemieplans eigene Planungsstrategien entwickelt werden.

Der neue aktualisierte Pandemieplan, der am Montag vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund vier Monate nach der Veröffentlichung einer ersten provisorischen Fassung veröffentlicht wurde, stützt sich auf die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er enthält auf der einen Seite strategische Grundsätze zur Bekämpfung von neuen oder von Tieren auf Menschen übertragbaren Viren. Andererseits legt er aber auch fest, wann und wo Impfstoffe oder andere Medikamente für den Fall einer Massenbehandlung der Bevölkerung bereitgehalten werden müssen. Im Juni dieses Jahres hatte der Bundesrat beschlossen, acht Millionen Dosen eines neuen präpandemischen Impfstoffs zu beschaffen und mit der Pharmaindustrie Reservationsverträge abzuschliessen. Die Lagerung der Impfstoffe und ihre konkrete Verteilung im Bedarfsfall müssen von den beteiligten Akteuren allerdings noch festgelegt werden, wie das BAG schreibt. Für den Fall, dass dereinst tatsächlich ein Pandemievirus und seine Merkmale bekannt werden, rechnen die Behörden für die Entwicklung und die Massenproduktion eines wirksamen Impfstoffs mit einem Zeitraum von rund sechs Monaten. Eine Zwangsimpfung für die Bevölkerung ist nicht vorgesehen.

Laut BAG kann ein Influenzavirus potenziell mehr Krankheits- und Todesfälle verursachen als jede andere Infektion. Träte daher heute ein mit der Spanischen Grippe im Jahr 1918 vergleichbarer Erreger auf, so wäre - allein in der Schweiz - mit gegen zwei Millionen Erkrankungen und 10.000 Todesfällen zu rechnen. Das wären weit mehr Opfer, als im Rahmen einer «normalen» saisonalen Grippe zu verzeichnen sind. Diese saisonale Grippe fordert jährlich 400 bis 1.000 Tote und bedingt rund 5.000 Spitaleinweisungen. Der neue überarbeitete und rund 250 Seiten dicke Pandemieplan des Bundes sei daher auch als dynamisches Instrument zu verstehen, das regelmässig angepasst werden müsse und den Kantonen auch die Möglichkeit zur Erarbeitung eigener Pandemiepläne erlaube. Eine erste Version des nationalen Pandemieplans war im Jahr 2000 veröffentlicht worden.

Bereits seit Ende 2005 verfügt die Schweiz über eine Reserve des antiviralen Medikaments Oseltamivir, besser bekannt als Tamiflu. Damit könnten im Bedarfsfall über zwei Millionen Erkrankte behandelt und das medizinische Personal prophylaktisch geschützt werden, wie das BAG schreibt. Diese Abdeckung in der Grössenordnung von einem Viertel der Bevölkerung entspricht den Richtlinien der WHO. Sobald eine Pandemie dann unausweichlich würde, würden vorerst zehn Prozent der Reserve an die Kantone verteilt, um drohende Engpässe beim Erwerb des Medikaments auf dem freien Markt überbrücken zu können. Zusätzlich hätte der Bund eine Notreserve für 10.000 rasch durchzuführende Behandlungen anzulegen.

http://www.bag.admin.ch/influenza/01120/01134/index.html?lang=de (dapd)

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