Astronomie : Schweiz beteiligt sich an Super-Teleskop
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Astronomie Schweiz beteiligt sich an Super-Teleskop

Die Europäische Südsternwarte hat Grosses vor. Sie plant ein Teleskop, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird. Und die Schweiz wird an vorderster Front mit dabei sein.

von
jcg

Am Mittwoch hat der Bundesrat grünes Licht gegeben: Die Schweiz wird sich am Bau des weltweit leistungsfähigsten Teleskops beteiligen. Der Schweizer Beitrag von rund 65 Millionen Franken entspricht 5 Prozent der Baukosten für das «European Extremely Large Telescope» (E-ELT) – zu deutsch «Europäisches Extrem Grosses Teleskop» – der Europäischen Südsternwarte (ESO).

Damit könne sichergestellt werden, dass die Schweizer Wissenschaft freien Zugang zu einer Spitzeninfrastruktur für die erdgebundene Astronomieforschung bekomme, schreibt das Departement des Innern (EDI). Die ESO habe einen revolutionären Entwurf vorgelegt. Das Grossteleskop werde um Grössenordnungen leistungsfähiger sein als alle heute existierenden Teleskope.

Mission: Bewohnbare Planeten finden

In der Tat wird das E-ELT ein Teleskop der Extraklasse sein. Mit seinem Hauptspiegel der 40-Meter-Klasse wird es das weltweit grösste Teleskop für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und des Infrarotlichts sein. Es kann 100 Millionen Mal mehr Licht sammeln als das menschliche Auge und mehr als alle zurzeit existierenden Teleskope der 8-10-Meter-Klasse zusammen.

Mit dem E-ELT sollen die Forscher nach Angaben der ESO in der Lage sein, sich einigen der grössten wissenschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Dazu gehört der Nachweis eines erdähnlichen Planeten in der «bewohnbaren Zone» eines Sterns. Der Beweis für die Existenz eines Planeten, auf dem sich Leben bilden könnte, gilt als Heiliger Gral der Astronomie. Darüber hinaus soll das E-ELT «Stern-Archäologie» in unseren Nachbargalaxien betreiben und grundlegende Beiträge zur Kosmologie leisten, indem es die Eigenschaften der ersten Sterne und Galaxien, der Dunklen Materie und der Dunklen Energie erforscht, wie die ESO weiter schreibt.

Kalt und windstill

Die ESO, die mit vollem Namen eigentlich «Europäische Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre» heisst und ihr 50-jähriges Bestehen feiert, betreibt ihre Einrichtungen an bisher drei Standorten in der chilenischen Atacamawüste. Die unwirtliche Region wurde in den 1960er Jahren gewählt, weil sie mit ihrer extrem trockenen Atmosphäre und kaum vorhandenen Luftströmungen ideale Bedingungen für die Himmelsbeobachtung liefert.

Mit dem E-ELT wird ein vierter Standort erschlossen. Das Observatorium soll in 3060 Metern Höhe auf dem Cerro Armazones zu stehen kommen. Das Teleskop soll in 11 Jahren gebaut werden, das Budget beträgt 1,3 Milliarden Franken. Den endgültigen Beschluss zum Bau und zur Finanzierung will der ESO-Rat im Juni treffen. (jcg/sda)

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