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Bedrohte Tiere«Schweiz darf nicht zur Schmuggel-Insel werden»

Mit härteren Strafen wollen Politiker Tierschmuggler härter anfassen. Das sei nötig, damit die Schweiz nicht zur Drehscheibe illegaler Aktivitäten werde.

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pam
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Geschnitzte Stosszähne von Elefanten gelten in vielen asiatischen Ländern als Ausdruck von Luxus und Prestige.

Geschnitzte Stosszähne von Elefanten gelten in vielen asiatischen Ländern als Ausdruck von Luxus und Prestige.

Lisa Schäublin, Naturhistorisches Museum Bern
Als Beweis für Macht und Erfolg gilt auch der Konsum von «Nashornwein»: Das Horn des Tieres wird in Mühlen zerrieben, mit Reiswein vermischt und als «Partydroge» konsumiert

Als Beweis für Macht und Erfolg gilt auch der Konsum von «Nashornwein»: Das Horn des Tieres wird in Mühlen zerrieben, mit Reiswein vermischt und als «Partydroge» konsumiert

Lisa Schäublin, Naturhistorisches Museum Bern
Der illegale Handel betrifft auch die Schweiz: Letztes Jahr gingen den Schweizer Zollfahndern 708 illegale Sendungen mit geschützten Tier- und Pflanzenarten ins Netz.

Der illegale Handel betrifft auch die Schweiz: Letztes Jahr gingen den Schweizer Zollfahndern 708 illegale Sendungen mit geschützten Tier- und Pflanzenarten ins Netz.

Lisa Schäublin, Naturhistorisches Museum Bern

Alle 24 Minuten erlegen Wilderer einen afrikanischen Elefanten wegen seiner Stosszähne, die in asiatischen Ländern als Zeichen für Luxus und Prestige gelten. Als Beweis für Macht und Erfolg gilt auch der Konsum von «Nashornwein»: Das Horn des Tieres wird in Mühlen zerrieben, mit Reiswein vermischt und als «Partydroge» konsumiert. Und beim Festschmaus beliebt sind die Schuppen von Gürteltieren, deren Hornschuppen Wunderkräfte entfalten sollen.

Das Geschäft mit dem Handel geschützter Tiere und Pflanzen ist lukrativ: 10 bis 20 Milliarden Dollar setzen Schmugglerbanden laut Schätzungen des WWF jährlich um. Ein Teil davon landet auch in der Schweiz: 2015 gingen den Zollfahndern 708 illegale Sendungen ins Netz – darunter auch sogenanntes Bushmeat, etwa getrocknete Affen.

In der Schweiz sind die Strafen für den Schmuggel geschützter Tiere und Pflanzen ein Vergehen, das mit Bussen von mindestens 500 Franken bestraft wird. In schweren Fällen, etwa bei organisiertem Handel, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Ständerat geschlossen für höhere Strafen

Dieses Strafmass geht nun auch dem Ständerat zu wenig weit: Eine Mehrheit sprach sich wie schon der Nationalrat am Dienstag für eine Motion aus, die den bandenmässigen Handel als Verbrechen einstufen und härter bestrafen will. Zudem sollen auch die Bussen erhöht werden.

Mit seiner Forderung hofft Motionär und CVP-Nationalrat Guillaume Barazzone auf eine «abschreckende Wirkung»: «Die Schweiz darf nicht zur Tierschmuggel-Insel Europas werden.» Denn laut Barazzone seien in allen anderen europäischen Ländern deutlich höhere Bussen und Gefängnisstrafen üblich.

Schmuggler sollen zehn Jahre ins Gefängnis

«Es besteht das Risiko, dass sich Schmugglerringe hier breitmachen und die Schweiz aufgrund ihrer zu laschen Gesetze zu einem Zentrum des internationalen Handels mit geschützten Tierarten wird», sagt Barazzone. Für die Umsetzung seiner Motion fordert er, dass Schmuggler, die im grossen Stil handeln, zehn Jahre ins Gefängnis müssen.

Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer zeigt sich erfreut über den Entscheid des Ständerats. «Nach dem Finanzplatz und dem Kunsthandel wird nun endlich auch der illegale Tierhandel reguliert.» Damit die höheren Strafen auch greifen könnten, müssten gleichzeitig auch die Zollkontrollen intensiviert werden. «Da müssen wir bei der Umsetzung den Finger draufhalten», sagt Aebischer.

Während der Entscheid im Ständerat oppositionslos fiel, stimmte im Nationalrat die SVP noch geschlossen dagegen. Nationalrat Felix Müri sagt: «Ich habe keine Angst, dass die Schweiz zur Drehscheibe des illegalen Tierhandels wird.» Denn der Zoll kontrolliere bereits sehr intensiv. «Wer das Problem wirklich bekämpfen will, der muss die bedrohten Arten direkt vor Ort schützen.» Man werde den Gesetzesentwurf, den der Bundesrat jetzt ausarbeitet, kritisch prüfen.

Härtere Strafen hätten eine Signalwirkung

Bruno Mainini, stellvertretender Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit, relativiert die Zahl der illegalen Schmuggel-Aktivitäten in der Schweiz. «Die meisten beschlagnahmten Tiere sind beispielsweise Papageien oder Schlangen, die sich Sammler im Ausland geholt hatten.» Doch es sei schon spürbar, dass sich die Routen für den illegalen Handel auch rasch ändern können.

«Früher hätten wir Elfenbeinschmuggel über Europa nach Asien ausgeschlossen, bis letzten August 260 Kilogramm Elfenbein im Transitbereich des Flughafens Zürich entdeckt wurden», sagt Mainini. Vor diesem Hintergrund könnten härtere Strafen eine Signalwirkung haben: «Schmugglerbanden überlegen sich genau, in welchen Ländern sie nicht erwischt werden oder wo Tierschmuggel als Kavaliersdelikt gilt.»

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