Flughafen Genf geschlossen: Schweiz entkommt «Daisy» weitgehend
Aktualisiert

Flughafen Genf geschlossenSchweiz entkommt «Daisy» weitgehend

Mit frostigen Temperaturen und Schneestürmen hat das Tief «Daisy» Europa heimgesucht. In der Schweiz legten zehn Zentimeter Schnee den Flughafen Genf lahm. Ansonsten kam das Land aber mit einem weissen Fläumchen und den obligaten Blechschäden auf den Strassen davon.

Während rund sechs Stunden ging am Sonntag auf dem internationalen Flughafen Genf-Cointrin gar nichts mehr. Erstmals seit 1985 blockierte Schnee in diesem Ausmass die Pisten. 37 Schneeräumungs-Maschinen und 16 Durchgänge waren notwendig, um der weissen Pracht Herr zu werden.

Rund 70 Flüge mussten annulliert oder verschoben werden. Erst kurz nach Mittag konnte der Flughafen den Betrieb wieder aufnehmen. Die Verspätungen dauerten jedoch noch den ganzen Tag an. Probleme hatten auch Flughäfen in Frankreich und Deutschland.

Frankfurt musste am Wochenende beinahe 300 Flüge streichen. In Nürnberg kam eine Maschine der Air Berlin auf der Fahrt zur Startbahn von der Piste ab. In Frankreich und Deutschland mussten unzählige Passagiere auf den Flughäfen und in Notunterkünften nächtigen.

Die Flughäfen Basel und Zürich bekamen die Ausfälle und Verspätungen auch zu spüren und mussten einige Flüge annulieren. Betroffen waren insbesondere Verbindungen von Zürich nach Frankfurt, Paris, München, Dublin und Prag.

Normales Winterwochenende

Im Gegensatz zum übrigen Europa fiel in der Schweiz über das Wochenende nicht besonders viel Schnee. In Chur rieselten zwei Zentimeter nieder. Altdorf erhielt fünf Zentimeter Schnee und Zürich sechs. In Sitten, Neuenburg und Freiburg fiel ein Hauch von einem Zentimeter.

Wie ein Sprecher von MeteoSchweiz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte, ist zwar die ganze Schweiz weiss, aber der Schnee ungleich verteilt. Temperaturmässig ist das zweite Januarwochenende als normales Winterwochenende einzustufen. In der gesamten Schweiz herrschten Minusgrade. Im Flachland wurde es maximal minus 2 Grad kalt, in der Nacht minus sechs.

Drei Tote

Auf den Schweizer Strassen führte der Schneematsch trotzdem zu vielen Unfällen. Tödlich endete ein Unfall in Mümliswil SO: Ein 53-jähriger Autolenker fuhr frontal in einen Baum und starb. Der Mann war vermutlich wegen eines medizinischen Problems von der Strasse abgekommen.

Aus dem gleichen Grund prallte am Sonntag ein 82-jähriger Mann in Stettlen BE in einen Kandelaber. Auch er erlag seinen schweren Verletzungen. Ebenfalls ums Leben kam ein 69-Jähriger in Bex VD, der mit seinem Auto von der verschneiten Strasse abgekommen war.

Viel Blechschaden

Für Stirnrunzeln sorgte jener Autofahrer, der in Schänis SG mit Sommerpneus zu schnell unterwegs war. Er kam ins Schleudern und nahm einen kurzen Flug. Der Unfall verlief trotzdem glimpflich.

In Lausen BL rutschte ein Junglenker in einen Linienbus. Es blieb beim Sachschaden. Und bei Giebenach BL führte nicht direkt der Schnee, sondern ein Fuchs zu einem Schleuderunfall, weil eine Autofahrerin derart über Meister Reineke auf der Autobahn erschrak, dass sie die Herrschaft über ihr Auto verlor.

Am Samstagvormittag kam es Richtung Adelboden zu Staus. Viele reisten für den Riesenslalom an. Dem Ski-Weltcup machte der Nebel einen Strich durch die Rechnung; das Rennen endete ohne gültige Resultate. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer ging die Rechnung auch nur halbwegs auf: Der Riesenslalom wurde erst nach 58 Fahrern im ersten Lauf abgebrochen.

Ungewohnter Schnee in Europa

Besonders stark zu spüren waren die Folgen des Winterwetters in Frankreich und Deutschland. An den Küsten der beiden nördlichsten deutschen Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern waren am Sonntag dutzende Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten.

Auf der Ostseeinsel Fehmarn ging fast nichts mehr: Alle Ortschaften seien «mehr oder weniger» sich selbst überlassen, meldete die Polizei in Lübeck.

Wegen Sturmflut drohten zwei Deiche zu brechen. Nach Angaben der Behörden war die Gefahr am Sonntagabend vorerst gebannt: Auf der Insel Fehmarn gelang es den Einsatzkräften, eine kritische Stelle mit grossen und kleinen Sandsäcken zu verstärken. Auch ein Deichabschnitt bei Lübeck, in dem Risse aufgetreten waren, konnte mit Steinen stabilisiert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden in der Nacht fast 300 Menschen auf Autobahnen in ihren Fahrzeugen eingeschneit. Manchen Autos reichte der Schnee bis an die Fenster. Die Reisenden mussten bis zu zehn Stunden in der Kälte ausharren, bis die Räumfahrzeuge die Fahrbahnen vom Schnee befreit hatten.

Flüge gestrichen, Strom ausgefallen

Auf Deutschlands grösstem Flughafen in Frankfurt fielen wegen starken Schneefalls am Wochenende mehr als 320 Flüge aus. Rund 100 Passagiere campierten im Flughafen auf Feldbetten, weitere Fluggäste wurden in Hotels untergebracht.

In Frankreich mussten auf dem Flughafen von Lyon knapp tausend Passagiere die Nacht zum Sonntag in Notunterkünften des Roten Kreuzes verbringen, nachdem der Flugverkehr eingestellt worden war. Auch die Flughäfen von Toulouse und Brest wurden vorübergehend geschlossen.

In Südfrankreich waren 7000 Haushalte ohne Strom, nachdem Leitungen unter der Schneelast zusammengebrochen waren. Im niederländischen Bollenstreek, der Blumenzuchtregion zwischen Haarlem und Leiden, brach wegen eines defekten Hochspannungsmastes ebenfalls die Versorgung zusammen.

Rund 100 000 Haushalte waren am späten Samstagabend vier Stunden lang im Dunkeln. In Polens waren rund 80 000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.

Hochwasser in Italien und Spanien

In Italien und Spanien kam es am Samstag wegen der starken Niederschläge zu Überschwemmungen. In den Regionen Umbrien und Latium traten Flüsse über die Ufer.

In der südspanischen Ortschaft Valderrubio bei Granada standen 600 der rund 800 Häuser unter Wasser. Dauerregen hatte den kleinen Fluss Escóznar in einen reissenden Strom verwandelt. Galizien im Nordwesten Spaniens erlebte die schwersten Schneefälle seit 25 Jahren. Sogar auf der Ferieninsel Mallorca schneite es.

Leichte Entspannung in Grossbritannien

Seit dem Beginn des ungewöhnlich heftigen Wintereinbruchs stieg die Zahl der Kältetoten auf mehr als 100. Allein in Grossbritannien, das unter dem härtesten Winter seit mehr als drei Jahrzehnten stöhnt, kletterte die Opferbilanz auf mindestens 26 Tote.

Auf der Insel entspannte sich die Lage im Vergleich zu den Vortagen aber allmählich. Erneut fielen zwar dutzende Flüge aus, der Schienenverkehr verlief aber ohne grössere Einschränkungen. Die Regierung erklärte den Gasnotstand nach der Ankunft neuer Lieferungen für beendet.

Dafür wurde im ganzen Land das Streusalz knapp. Auch hier bestellte die Regierung in London Nachschub. Dieser wird aber voraussichtlich nicht vor dem 21. Januar eintreffen. (sda/dapd)

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