Aktualisiert 21.03.2011 15:50

Gaddafi-GelderSchweiz für einmal nicht im Fokus

Nur wenig libysche Gelder liegen in der Schweiz. Der erzürnte Diktator Gaddafi hat seine Milliarden schon 2008 von den hiesigen Banken abgezogen.

von
Balz Bruppacher
Die Schweiz dürfte bei einer allfälligen Suche nach Gaddafi-Geldern eine weisse Weste haben.

Die Schweiz dürfte bei einer allfälligen Suche nach Gaddafi-Geldern eine weisse Weste haben.

Anders als nach dem Sturz der Potentaten in Tunesien und Ägypten wird die Schweiz bei der Suche nach Gaddafi-Geldern nicht im Mittelpunkt stehen. Denn die vorübergehende Verhaftung von Hannibal Gaddafi und dessen Frau vom Juli 2008 in Genf löste auch in den Finanzbeziehungen zwischen der Schweiz und Libyen einen tiefen Einschnitt aus. Im Zuge der Retorsionsmassnahmen gegen die Schweiz ordnete Staatschef Muammar al Gaddafi den Abzug der libyschen Guthaben aus der Schweiz an.

Laut der Statistik der Schweizerischen Nationalbank brachen die Guthaben Libyens bei den Schweizer Banken innerhalb eines Jahres von 5,748 Milliarden Franken um 5,120 Milliarden oder 89 Prozent auf 628 Millionen Franken ein. Die Treuhandanlagen Libyens in der Schweiz sanken gleichzeitig von 812 Millionen um 54 Prozent auf 373 Millionen Franken. Gemäss den neuesten verfügbaren Zahlen von Ende 2009 machten die libyschen Guthaben bei den Banken noch 613 Millionen Franken aus; die Treuhandanlagen aus dem Wüstenstaat beliefen sich auf 205 Millionen Franken.

Ende 2007 war Libyen noch der wichtigste Finanzpartner der Schweiz in Afrika gewesen. Inzwischen wurde das Land von einem halben Dutzend anderer afrikanischer Staaten überholt.

Auch Handel eingebrochen

Als Folge der diplomatischen Krise um die Verhaftung des Gaddafi-Sohns und die fast zweijährige Festhaltung zweier Schweizer Geschäftsleute in Libyen brach auch der Aussenhandel zwischen den beiden Ländern ein. 2010 importierte die Schweiz noch Waren im Wert von 485 Millionen Franken aus Libyen. 2008 hatte die Schweiz noch Waren für 3,3 Milliarden Franken aus Libyen eingeführt. Es handelte sich fast ausschliesslich um Erdöl. Die Schweizer Exporte nach Libyen verringerten sich im gleichen Zeitraum von 282 auf 100 Millionen Franken.

«Benzin und Heizöl könnten teurer werden»

Herr Cordonier*, wird wegen Libyen nun das Öl knapp?

Sicher nicht. Libyen gehört nicht zu den grössten zehn Förderländern der Welt. Zwar bezieht die Schweiz etwa zehn Prozent ihres Öls aus Libyen, doch dieses könnten wir problemlos ersetzen.

Der Ölpreis ist aber bereits gestiegen. Und die Börse erlitt Verluste. Gerät nun der Wirtschaftsmotor ins Stocken?

Möglicherweise könnten Länder in der Dollarzone leichte Schwierigkeiten bekommen. Der rekordhohe Ölpreis von 147,50 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2008 hat der Weltwirtschaft aber kaum geschadet. Und jetzt liegt er erst bei 105,08 Dollar. Der Schweiz kommt zudem der tiefe Dollarkurs entgegen. Wenn der Ölpreis aber weiter steigt, könnten bei uns schon in zwei, drei Tagen Benzin und Heizöl teurer werden.

Soll man jetzt also seinen Heizöltank füllen?

Wir wissen nicht, wie sich der Ölpreis entwickelt. Jetzt einen Tipp abzugeben, wäre deshalb reine Spekulation.

*Philippe Cordonier ist Leiter Brennstoffe bei der Erdöl-Vereinigung

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